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Fünf Mitglieder der Landjugend Schwabsoien waren zum Blutspenden gekommen, nur drei lagen auf der Pritsche: (v.l.) Roman Kögel, Rene Jablonowski, Sonja Niggl, BSD-Teamleiterin Angelika Eichhorn, Bettina Seelos und Lukas Sulzenbacher.

Mit der Landjugend Schwabsoien beim Blutspenden

Wenn Gardasee-Trip die Blutspende verhindert

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Im Sommer ist es für den Blutspendedienst wegen Badewetter und Urlaubszeit schwer, ausreichend Blutspenden zu bekommen. Deshalb kommen Aktionen wie von der Landjugend Schwabsoien, die gemeinsam zum Blutspenden nach Schongau gekommen sind, wie gerufen.

Schongau – Etwas verloren stehen die Mitglieder des Blutspendeteams in den Räumen des Bayerischen Roten Kreuzes in der Wilhelm-Koehler-Straße. Eine Mutter liegt auf der Pritsche und lässt sich Blut abnehmen, die kleine Tochter schaut aufmerksam zu. Doch während es oft lange Schlangen zum Beispiel beim ärztlichen Vorgespräch gibt, herrscht am Montag gegen 18 Uhr gähnende Leere. „Am Freitag war es noch etwas besser, aber heute ist tatsächlich wenig los“, sagt Angelika Eichhorn, Teamleiterin beim Blutspendedienst (BSD) in Landsberg. 80 Spender waren die Zielvorgabe an beiden Tagen, und während das am Freitag mit 76 abgegebenen Spenden fast erreicht wurde, sind es zu diesem Zeitpunkt gerade einmal knappe 40 – und es schaut nicht so aus, als würde noch ein Ansturm folgen.

Fünf Schwabsoiener sind gekommen, darunter zwei Erstspender

Doch zum Glück gibt es die Landjugend Schwabsoien. Nach und nach trudeln Mitglieder ein, die sich gemeinsam für den Spendetermin verabredet haben. „Wir haben gehört, dass es im Sommer immer einen großen Mangel an Blutkonserven gibt, und uns gedacht, wir probieren das einmal aus“, sagt Landjugend-Vorsitzender Rene Jablonowski (25). Auch an der Dorf-Infotafel wurde der gemeinsame Blutspendetermin angeschlagen. Die Resonanz hätte besser sein können, aber immerhin sind unter den fünf Schwabsoiern zwei Erstspender dabei: Neben Jablonowski selbst auch noch Lukas Sulzenbacher.

„Wow, das sind ja viele Fragen“, stellt der 19-jährige Sulzenbacher nach der Anmeldung fest. Auf dem medizinischen Fragebogen müssen dutzende Antworten angekreuzt werden, zum Beispiel nach kürzlichen Krankheiten, Auslandsaufenthalten oder einem professionellen Zahnreinigungs-Termin. Beim Blutspenden wird die Sicherheit extrem hochgehängt, der BSD hat zahlreiche Ausschlusskriterien.

Das bekommt Jablonowski anschließend zu spüren. Während er noch Punkt für Punkt seinen Fragebogen ausfüllt, kommt Roman Kögel zurück. Der 34-Jährige, erfahrener im Blutspenden, war schon bei der ärztlichen Kontrolle und musste unverrichteter Dinge wieder kehrtmachen. „Rene, Du kannst aufhören, wir sind gesperrt“, ruft er seinem Spezl zu. Ungläubige Blicke. Warum? „Weil wir zusammen am Gardasee waren.“ Noch ungläubigere Blicke. Tatsächlich zählt das Ostufer des beliebten Reiseziels zum Gefährdungsgebiet des West-Nil-Virus, ebenso wie weitere Teile von Norditalien. „Auch die Region rund um Wien gehört dazu sowie ganze Länder wie Rumänien, Bulgarien, Syrien oder Tunesien“, klärt Ärztin Sabine Müller auf. Man bekomme die Daten monatlich aktualisiert unter anderem vom Paul-Ehrlich-Institut, und wer sich länger als 24 Stunden in so einem Gefährdungsgebiet aufhält, ist aus Sicherheitsgründen vier Wochen lang von einer Blutspende ausgeschlossen.

Lukas Sulzenbacher erfährt seine Blutgruppe

Da waren es nur noch drei Schwabsoier. Bei den Frauen läuft alles glatt: Bettina Seelos (25), die bisher einmal gespendet hat und alles gut überstanden hatte, und Sonja Niggl (23), die für ihre dritte Spende sogar eine kleine Anstecknadel erhält, kommen problemlos auch durch die letzte Hürde, den Test zum Hömoglobin-Wert – fällt der zu niedrig aus, leidet man an Eisenmangel und wird zur eigenen Sicherheit gesperrt.

Für Sulzenbacher, der vorher noch eine Käsesemmel verspeisen muss, weil er nicht ausreichend gegessen hatte, wird es an dieser Station nochmal spannend. Denn er hatte bisher keine Ahnung, welche Blutgruppe er überhaupt hat. Der BSD-Mitarbeiter macht einen Test mit drei Blutströpfchen und Antiserum, danach ist klar: Sulzenbacher hat A+, die mit 37 Prozent häufigste Blutgruppe der Deutschen.

Dann geht es auch für den 19-Jährigen zur eigentlichen Spende. Während Teamleiterin Eichhorn an seinem Arm hantiert, klingelt Sulzenbachers Handy. „Kann ich da hingehen?“, fragt er vorsichtig unter dem Gelächter seiner Freunde. Entspannt nimmt er die Nachricht von einem beschädigten Ladewagen hin, während ihm die ersten von insgesamt 500 Milliliter Blut abgezapft werden.

Auch wenn am Ende nur drei von insgesamt 66 Spenden aus Schwabsoien kamen, soll die Aktion wiederholt werden: „Wir werden das sicher wieder machen“, verspricht Jablonowski. Dann vielleicht ohne Gardasee-Trip.

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