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Ihr zweites Zuhause: Juditha Wolf im neu eingerichteten Archiv des Rathauses. In den Händen hält sie Klassenfotos aus dem Jahr 1903.

Serie: Ehrenamt im Portrait

Sie ist Schwabsoiens Gedächtnis

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In der Kirche, bei der Feuerwehr oder in anderen Vereinen und Institutionen: Ohne Ehrenamtliche würde in der Gemeinschaft nichts richtig funktionieren. Was bewegt diese Menschen, die unentgeltlich einen großen Teil ihrer Freizeit der Allgemeinheit opfern? In einer Serie stellen wir in loser Reihenfolge Ehrenamtliche aus dem Altlandkreis Schongau vor, die seit Jahrzehnten tätig sind. Heute: Juditha Wolf aus Sachsenried.

Schwabsoien/Sachsenried – Spricht man in der Gemeinde Schwabsoien über verdiente Ehrenamtliche, führt an dem Namen Juditha Wolf kein Weg vorbei. Die 68-jährige Sachsenriederin ist so etwas wie die heimliche Bürgermeisterin und das Gedächtnis beider Ortsteile. Ob Anton Berkmüller, Wilfried Helmer, Konrad Sepp oder Siegfried Neumann. Alle der letzten drei und des amtierenden Rathauschefs konnten und können auf ihre Unterstützung bauen.

„Mädle, lass’ mich nicht im Stich“ oder „Juditha geh’ da doch bitte mal hin und schau dir das an“, bekam sie des Öfteren von den Gemeindechefs zu hören.

Zahlreiche Aufträge von den Bürgermeistern

Die 68-Jährige erinnert sich mit einem Schmunzeln an die zahlreichen Aufträge der Gemeindechefs. Zum Beispiel, als es darum ging, zusammen mit den anderen Auerberg-Gemeinden einen Internetauftritt auf die Beine zu stellen. Die Schwabsoier Seite war zu dieser Zeit längst „online“. Vier junge Männer aus dem Ort hatten sich 1998 die Domain www.schwabsoien.de gesichert und Wolf um Hilfe beim Inhalt gebeten, erinnert sich die Sachsenriederin, die mal wieder nicht „Nein“ sagen konnte. Als die vier Männer allerdings feststellten, dass sich mit der Homepage kaum Geld verdienen lässt, verloren sie das Interesse. Wolf musste allein weiter machen. „Zum Glück hat mich mein Sohn unterstützt, dass musste man damals ja alles noch mit HTML machen“, erinnert sich die 68-Jährige an die komplizierte Programmiersprache.

Internetseite als prächtiges Aushängeschild der Gemeinde

Heute ist die Internetseite das Aushängeschild der Gemeinde, es macht Spaß, in dem reichhaltigen Online-Angebot zu stöbern. Die komplette Geschichte der Ortsteile mit all ihren Pfarrern, Bürgermeistern, Genossenschaften und Gebäuden hat die Sachsenriederin hineingepackt. Alles gespickt mit historischen Bildern. Obendrein finden sich auf der Homepage natürlich alle aktuellen Termine und Informationen zu den örtlichen Vereinen. Solch ein pralles Online-Angebot bietet keine andere Gemeinde im Landkreis.

Gemeindliches Archiv aufgebaut

Das Material für die Homepage bekommt Wolf aus erster Hand, seit Ende 2009 ist sie nämlich auch damit beschäftigt, das gemeindliche Archiv aufzubauen – natürlich rein ehrenamtlich. Zwei bis drei Stunden ist sie dazu beinahe täglich im Rathaus. „Der Feuerwehrkommandant hat schon gesagt, er trifft mich öfter als den Bürgermeister“, lacht Wolf.

Mutter des Mühlentags

Die Gemeinde hat der Sachsenriederin unendlich viel zu verdanken, ihre Verdienste um den Ort sind gewaltig. 23 Jahre hat sie im Team der Kirchenpflegerinnen in Sachsenried gearbeitet, sie war als örtliche Beauftragte maßgeblich an der Dorferneuerung beteiligt und sie ist die Mutter des weit über die Landkreis-Grenzen bekannten Mühlentags.

Dass der sich zu einem solchen Publikumsmagneten entwickeln würde, damit hatte sie nie gerechnet. Allein durch den Kuchenverkauf wurde zuletzt soviel Geld eingenommen, dass vier Busse mit den Schul- und Kindergartenkindern aus den Gemeinden Schwabsoien und Schwabbruck nach Augsburg fahren konnten, die dort eine Aufführung der Augsburger Puppenkiste besuchen durften.

Federführung im Historischen Kreis

Auch beim Historischen Kreis Schwabsoien/Sachsenried hat Juditha Wolf seit mehreren Jahren die Federführung übernommen, nachdem Koordinator Alfred Kästl schwer erkrankt war. „Jeden Tag steht ein Dummer auf, an dem Tag war es wieder ich“, sagt Wolf und schmunzelt.

Zufriedener Blick zurück

Mittlerweile muss aber auch sie sich bei allem etwas zurücknehmen, weil die 68-jährige ebenfalls gesundheitlich schwer angeschlagen ist. Sie blickt zufrieden auf das zurück, was sie aufgebaut hat. „Ich freue mich, dass es für die Nachwelt erhalten bleibt“, sagt die 68-jährige. „Mir war wichtig, dass der Ort gut repräsentiert wird und ein freundliches Gesicht nach außen hat.“ Sie will jetzt auch Jüngeren mehr das Feld überlassen, insbesondere der Historische Kreis könne neue Mitstreiter gut gebrauchen. Ganz ausklinken wird sich Wolf freilich nicht: „Ich mache es, so lange ich lebe und so lange ich kann.“

Lesen Sie auch die Porträts über andere Ehrenamtliche aus unserer Serie:

Festlicher Sommer in der Wies - Starke Frau hinter starker Konzertreihe

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