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Dem Fichtenwald geht es an den Kragen: Ein Eichenmischwald mit Hainbuche, Winterlinde und Vogelkirsche soll an seiner Stelle entstehen. Der Gemeinde Schwabsoien bringt das reichlich Punkte aufs Ökokonto.

Waldumbau

Ökokonto: Schwabsoien vergoldet Wald

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Das Schwabsoier Landschaftsbild dürfte sich in diesem Jahr erheblich verändern. Der Fichten- und Eschenwald am nördlichen Ortsrand wird auf einer Fläche von rund 2,3 Hektar abgeholzt. Ein Eichenmischwald mit Hainbuche, Winterlinde und Vogelkirsche soll an seiner Stelle entstehen. Für die Umwelt ist das gut, und der Gemeinde bringt es reichlich Punkte auf dem nun beschlossenen Ökokonto.

Schwabsoien – Die für die Reviere Schongau-Ost und -West zuständige Forstoberinspektorin Silvia Thien nahm sich in der Sitzung des Schwabsoier Gemeinderates am Montag viel Zeit, das Gremium von dem Ökokonto und dem neuen Wald auf dem Netzenberg zu überzeugen. Einzig Eugen Guffler hatte am Ende noch Zweifel an Sinn und Zweck des rund 55 000 Euro teuren Unterfangens und stimmte dagegen.

Den übrigen Gemeinderäten leuchtete dagegen ein, dass die Tage des Walds auf der weit sichtbaren Anhöhe ohnehin gezählt sind. „Beiden Baumarten geht es dort nicht gut“, sagte Thien mit Blick auf Fichten und Eschen, die an dem steilen Hang wachsen. Der kalkreiche Boden ist Thien zufolge obendrein alles andere als ideal für die Nadel-Bäume. „Die Fichte mag keinen Kalk, da wird sie faul“, erklärte die Fachfrau, die auch von einem starken Borkenkäferbefall berichtete.

Der Wald auf dem Netzenberg wird sich laut Thien also sowieso „früher oder später auflösen“. Mehr als 15 Jahre gab sie ihm auf Nachfrage aus dem Gemeinderat nicht mehr. Jetzt kommt sein Ende deutlich schneller, im Frühjahr werden die Motorsägen heulen. Nach Angaben von Bürgermeister Siegfried Neumann muss die Landsberger Straße voraussichtlich für mehrere Tage gesperrt werden. Sind die Bäume weg, „wird das erst mal für Verwunderung in der Bevölkerung sorgen“, meint die Forstoberinspektorin. Denn der Berg wird dann auf großen Flächen kahl sein. Lediglich auf privaten Flächen im Norden werden die Fichten stehen bleiben, im Südosten bleiben überdies die Kiefern erhalten, zwischen denen in Zukunft Schafe grasen sollen. Herausstechen wird überdies ein Nagelfluhfelsen, der laut Thien komplett freigelegt wird. Er sei ein Relikt aus der Eiszeit. „Er ist etwas besonderes, geht unter den Fichten aber total unter“, so Thien. Ihn werden die Spaziergänger eine ganze Zeit lang bewundern können, denn der neue Wald wächst langsam. „Erst in 200 Jahren wird der Felsen wieder versteckt sein.“

Wusste zu überzeugen: Forstoberinspektorin Silvia Thien. 

Die Gemeinde Schwabsoien muss glücklicherweise nicht so lange warten, bis ihr die Punkte auf dem Ökokonto gut geschrieben werden. Allein die Umwandlung des Waldes mit dem Pflanzen von 6800 kleinen Bäumchen und der anschließenden Pflege bringt Schwabsoien 103 510 Punkte beziehungsweise 1,717 Hektar auf dem Ökokonto, dessen Grundlage der neue Wald ist.

Hintergrund des jetzt eingerichteten Ökokontos sind geplante Bauflächen-Ausweisungen für Wohnen und Gewerbe in der Gemeinde Schwabsoien. Üblicherweise müssen dafür einzelne Ausgleichsflächen angekauft und gepflegt werden. Hat eine Gemeinde ein Ökokonto, kann sie die Punkte dagegen bequem abziehen lassen. Das sei „wie ein Sparbuch“, erklärt Bürgermeister Neumann, der in der Sitzung verdeutlichte, „dass das Dorf stetig, aber nicht explosiv wachsen soll“. Forstoberinspektorin Thien wies überdies darauf hin, dass die Ausgleichsflächen in der Region knapp werden.

Theoretisch könnte Schwabsoien seine Ökopunkte zu Geld machen. Sie werden sogar bei „eBay“ im Internet gehandelt. „Aber das wollen wir natürlich nicht“, sagte Bürgermeister Neumann, der die Preisspanne von 5 bis 15 Euro pro Punkt nur nannte, „um ein Gefühl für die Wertschöpfung zu bekommen“. Und die ist gewaltig: Die 55 000 Euro, die Schwabsoien in die Waldfläche investiert, könnte so bis zu 1,5 Millionen Euro wert werden.

Laut Thien dürfen auch private Waldbesitzer in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde ihre Flächen zu Ökokonten aufwerten und die Punkte dann gegebenenfalls verkaufen. Die Expertin aus dem Amt für Landwirtschaft und Forsten in Schongau steht diesen aber nur beratend zur Seite, für die Maßnahmen müssen die Privatleute ein Planungsbüro beauftragen.

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