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Die Winter waren nicht kalt genug: Der Waldaumbau auf dem Netzenberg ist das zweite Vorhaben, das sich in Schwabsoien in die Länge zieht. Es steht im Zusammenhang mit der Ausweisung neuer Baugebiete.

Warum nichts weitergeht

Schwabsoien: Zähe Verhandlungen ums Bauland

  • Jörg von Rohland
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Der Netzenberg sollte für den geplanten Waldumbau in großen Bereichen längst kahl, die Gemeinde stolzer Eigentümer von reichlich neuem Bauland für Einheimische sein. Auf beides wartet Schwabsoien bislang vergeblich, die Zukunftspläne sind ins Stocken geraten. Mit Corona hat es ausnahmsweise einmal nichts zu tun.

Schwabsoien – Im Gemeinderat haben es die Räte und Bürgermeister Manfred Schmid mit dem Einheimischenmodell zur Zeit nicht gerade eilig. In der vergangenen Sitzung wollte man sich eigentlich über die „Richtlinien für die Vergabe von preisvergünstigten Wohnbaugrundstücken“ einig werden. Der Tagesordnungspunkt wurde kurzerhand aus dem öffentlichen Teil der Sitzung gestrichen. „Wir müssen da noch etwas vorbesprechen“, so Schmid. Über ein paar Details ist man sich seinen Angaben nach noch nicht ganz einig.

Statt Unterschrift nun Nachverhandlungen

Letztlich macht es nichts, das ersehnte Bauland ist in Schwabsoien ohnehin noch in weiter Ferne. Und darüber wundern sich nicht nur Schwabsoier Bürger: „Es wird nachverhandelt“, sagt der Bürgermeister zerknirscht. Schmid war bei seinem Amtsantritt zunächst davon ausgegangen, nur noch seine Unterschrift unter einen fertigen Vertrag setzen zu dürfen. Quasi unter das Abschiedsgeschenk des abgedankten Bürgermeisters Siegfried Neumann. „Leider stellt es sich ein bisschen anders dar“, bedauert der neue Rathauschef, der sich mittlerweile schon mehrmals mit den Grundstückseigentümer getroffen hat, um die Verhandlungen wieder aufzunehmen. „Und Gott sei Dank habe ich den zweiten Bürgermeister mitgenommen“, sagt Schmid mit Blick auf den Zeugen, den er hat, sollte es später einmal zu unterschiedlichen Ansichten über die Verhandlungsergebnisse kommen.

Vorgänger Neumann hatte es offenbar versäumt, einen Zeugen mitzunehmen. „Ich war jedenfalls bei keiner Verhandlung mit dabei“, bedauert Schmid, der bekanntlich vor seiner Wahl zum ersten zweiter Bürgermeister war. „Das ist aber kein Vorwurf an den Sigi“, macht er klar. Wenn überhaupt jemanden ein Vorwurf zu machen sei, dann dem Grundstückseigentümer, meint Schmid. Um wen es sich dabei handelt und wo das begehrte Bauland entstehen soll, darum wird nach wie vor ein großes Geheimnis gemacht.

Zweimal wurde Abholzung bereits verschoben

Indessen stockt auch das zweite Vorhaben, das mit dem zukünftigen Neubaugebiet im Zusammenhang steht: Wenn der Grund von der Gemeinde erworben ist und es ins Bauleitverfahren geht, sollen auch schon reichlich Punkte auf dem neuen Ökokonto sein, mit denen sich Schwabsoien in Zukunft die vorgeschriebene Ausweisung von Ausgleichsflächen sparen kann. Wie mehrfach berichtet, kommen die Ökopunkte in Zukunft vom Netzenberg bei Schwabsoien. Der angeschlagene Fichten- und Eschenwald wird dort in großen Bereichen abgeholzt. An seiner Stelle soll durch Neupflanzungen ein Eichenmischwald mit Hainbuche, Winterlinde, Vogelkirsche und anderen zukunftsfähigen Gehölzen entstehen, die dem Klimawandel trotzen.

Allerdings steckt auch dort der Teufel im Detail. Zweimal wurden die Abholz-Arbeiten schon verschoben. Schuld ist nach Angaben der federführenden Forstoberinspektorin Silvia Thien die Witterung. Zuletzt war es demnach der milde Winter, der den Einsatz von schwerem Gerät am Berg unmöglich machte.

Hoffen auf trockenen Herbst oder eiskalten Winter

Ebenso wie Rathauschef Schmid hofft Thien jetzt auf einen trockenen Herbst oder aber einen eisigen Winter. Nur in diesen Fällen ist der Boden hart genug, damit bei den Arbeiten und beim Abtransport der Stämme Flurschäden bei den benachbarten Landwirten vermieden werden können. Sollte das Wetter wieder nicht mitspielen, müsse das Vorhaben erneut verschoben werden, bedauert Bürgermeister Schmid.

Über Schwabsoien lesen Sie auch den Bericht einesfaszinierenden Naturphänomens und den Abschied eines ganz besonderen Kreisrats

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