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Ein Spezialist in Sachen Reservistenkrüge ist der Offizier und Flugzeugführer a.D. Rudolf Groß-Ilbeck aus Schwabsoien. In den Händen hält er zwei händisch bemalte seltene Krüge einer Maschinengewehrabteilung, die zwar gleich aussehen, aber doch gewisse Unterschiede aufweisen.

Sammler Rudolf Gross-Ilbeck

Der Herr der 2000 Reservistenkrüge

Das Sammeln unterschiedlichster Dinge hat den Menschen seit jeher beschäftigt. Egal ob Bierdeckel, Briefmarken, Münzen oder Streichholzschachteln, es gibt eigentlich nichts, was nicht gesammelt wird. Einer, der sich im Laufe von Jahren eine gigantische Sammlung an Reservistenkrügen angelegt hat, ist der pensionierte Offizier und Flugzeugführer Rudolf Groß-Ilbeck.

Schwabsoien – Es gibt Momente, da bleibt einem förmlich die Luft weg. Da ist man sprachlos und kann nur noch den Kopf schütteln. Nicht etwa aus Mitleid oder Unverständnis, man tut es aus Bewunderung und Respekt.

So einen Moment erlebt man, wenn man die Räumlichkeiten von Rudolf Groß-Ilbeck betritt, in denen er seine Sammlung untergebracht hat. Eine ganz besondere Sammlung. Groß-Ilbeck hat sich dem Sammeln von Reservistenkrügen verschrieben. Krüge, die etwa ab 1890 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 von Soldaten zu Ende ihrer aktiven Dienstzeit erworben wurden.

Und jetzt das Unfassbare vorneweg: Groß-Ilbeck darf mittlerweile über 2000 dieser einmaligen Raritäten sein Eigen nennen. Natürlich macht es neugierig, wie alles angefangen hat. Wie und wo der Grundstock der Sammelleidenschaft gelegt wurde.

Gerade mal zehn Jahre jung war Rudolf, als ihm seine Großmutter das Treuedienstabzeichen des Großvaters geschenkt hat. Als Erinnerung an seinen verstorbenen Opa, der dies für seine 40-jährige Dienstzeit bei der Eisenbahn verliehen bekommen hatte. „Von da an hat mich alles Militärische gepackt. Erst waren es Orden, dann kamen Uniformen dran“, erinnert sich Groß-Ilbeck, der in den Anfängen seine Familie und den Bekanntenkreis nach und nach abgeklappert hat.

Auf das „Deutsche Kreuz“, einen Orden, war er besonders stolz. Da traf er auch die Entscheidung, keine politischen Sammlungsgegenstände zusammenzutragen, sondern sich auf militärische zu konzentrieren.

Das Militärische hatte es dem inzwischen 15-Jährigen besonders angetan. „Früh reifte in mir der Wunsch, Flugzeugführer und Offizier zu werden“, so Groß-Ilbeck. 1973 kam er nach dem Abitur mit 21 Jahren zur Bundeswehr und machte in den USA die Ausbildung zum Flugzeugführer. „Dort konnte ich in Bezug auf das Sammeln von Militaria gute Kontakte knüpfen und lernen, dass der Zustand eines Sammelobjektes ein ganz wesentlicher Wertfaktor ist“, erklärt Groß-Ilbeck.

Und weiter verfolgte er in den Staaten, dass es zweierlei Sammler gibt: Die einen sammeln in die Breite, also nehmen alles. Die anderen gehen in die Tiefe eines Sammelgebietes, spezialisieren sich also, was wesentlich spannender ist. So entwickelte sich sehr schnell die Sammelphilosophie von Groß-Ilbeck: „Wenn ein Krug eine strukturelle Beschädigung wie einen Riss oder ein Loch im Boden hat, ist er für mich sammelunwürdig.“ Hat er nur Gebrauchsspuren, schlägt sich das lediglich im Preis nieder.

Irgendwann zieht der Sammler bei den Orden einen Schlussstrich: „Die Fälschungen aus dem Ausland waren teilweise besser als das Original.“ Groß-Ilbeck spezialisiert sich auf Heeresblankwaffen – ein bis dato recht unerforschtes Sammelgebiet der Blankwaffen.

Dann kommt im Jahr 2003 Kamerad Zufall: der erste Reservistenkrug. Besser gesagt ein sehr seltenes Krugpärchen eines Unteroffiziers. Es sind zwei mit Namenszug identische Krüge, die sich nur in der Bemalung der Uniformen unterscheiden. „Da ist einmal die per Hand aufgemalte Uniform in friedensblau, auf dem anderen Krug ist diese in feldgrau“, schwärmt Groß-Ilbeck.

Diese beiden Krüge werden zum Grundstein seiner Sammlung. Es ist ein Glücksfall, denn mit den Krügen bekommt der Sammler noch die Pickelhaube, das Reservistenbild und zwei Reservistengläser dazu. Volltreffer.

Der Infekt für Reservistenkrüge hat Groß-Ilbeck ab jetzt gepackt. Es ist für ihn das vielschichtigste und komplexeste Sammelgebiet. So ist es auch nachvollziehbar, dass der Sammler im Laufe der Jahre sich zu einem Spezialisten auf dem Gebiet Reservistenkrüge entwickelt. „Die Reservistenkrugentwicklung fängt so um 1890 an und endet vorerst zu Beginn des Ersten Weltkriegs“, weiß er zu berichten.

Die Krüge waren vor allem in der Kneipe ein Statussymbol. Handbemalt und mit immer aufwendiger gestalteten Krugkörpern und Zinndeckeln waren sie bei den patriotischen Reservisten beliebt. Wer genügend Geld hatte, leistete sich zwei Krüge. Einen schlichten Kneipenkrug und einen aufwendig gearbeiteten Vitrinenkrug für besondere Anlässe.

„Der wurde nur zwei- bis dreimal im Jahr benutzt“, erklärt Groß-Ilbeck. Zum Beispiel an Kaisers Geburtstag, am Sedanstag oder zu Weihnachten. Für einen Krug musste der Soldat sechs bis zwölf Mark ausgeben, was bei der kargen Besoldung von 6,60 Mark im Monat ein sehr langes Sparen voraussetzte.

Ab dem Ersten Weltkrieg ist das Reservistenwesen naturgemäß eingeschlafen, also gab’s auch folglich keine Krüge. Erst ab dem Jahr 1935, als sich die Wehmacht bildete, kamen sie wieder in den Umlauf.

Da das Sammelgebiet dieser Krüge so umfangreich ist, gibt es hier verschiedene Sammelgebiete. Man sammelt Krugtypen wie Linsen-, Eichenlaub-, oder Regentenkrüge, dabei kann man sich auf Keramik oder Porzellan spezialisieren. Oder man sammelt nach militärischen Einheiten, Garnisonen oder länderbezogen. Da sind Sachsen oder München begehrt. „Ein heimatbezogener Krug ist immer interessant“, so Groß-Ilbeck.

Er hat seine Krüge militärisch exakt in Reih und Glied in Vitrinen eingeordnet. „Solche Krüge sind nicht zum Gebrauch, sie sind für mich Sammel- und Wertgegenstände“, betont er. Dabei macht er an einigen Exemplaren deutlich, wie fein die Malereien aufgetragen sind: „Diese Krüge wurden teilweise von Studenten oder Hausfrauen in Heimarbeit bemalt. Deshalb sind für mich die kleinen Unterschiede von Krügen derselben Einheiten sowie die Weiterentwicklung der Bildmotive so interessant“, so Groß-Ilbeck. Und: „Es ist ein uferloses Sammelgebiet, mir fehlen noch gut 100 000.“

Wie gut sich Groß-Ilbeck auf seinem Spezialgebiet auskennt, konnte er vor einigen Monaten unter Beweis stellen. Während bei der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ der Experte einen Reservistenkrug als Neuware beurteilte und ihm die Händlerkarte verweigerte, erkannte Groß-Ilbeck diesen als extrem seltenes Original. Nach langem Hin- und Her konnte Groß-Ilbeck ihn letztlich erwerben. Wert: 2000 Euro. Diesen Fall griff sogar die Presse auf. Chappeau, Groß-Ilbeck!

P.S.:Sollte jemand einen Krug haben, über den er Bescheid wissen oder ihn abgeben will, Rudolf Groß-Ilbeck freut sich über jeden Anruf unter der Telefonnummer 08868/567.

Hans-Helmut Herold

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