Der Netzenberg in Schwabsoien ist immer noch nicht kahl. Ein Großteil der Fichten und Eschen soll verschwinden, ein Eichenmischwald wird angepflanzt.
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Der Netzenberg in Schwabsoien ist immer noch nicht kahl. Ein Großteil der Fichten und Eschen soll verschwinden, ein Eichenmischwald wird angepflanzt.

Chance im Januar verpasst

Der Waldumbau auf dem Netzenberg lässt weiter auf sich warten - Jetzt wird auf eine neuerliche Kälteperiode gehofft

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Eigentlich sollten schon 2019 auf dem Netzenberg die Motorsägen heulen, die Gemeinde Schwabsoien möchte dort Fichten und Eschen durch nachhaltigere Gehölze ersetzt. Dafür gibt es Punkte auf dem Ökokonto, mit denen das Rathaus die Ausweisung von Neubaugebieten ausgleichen kann (wir berichteten). Passiert ist allerdings bis heute nichts. Und jetzt ist schon wieder etwas dazwischen gekommen.

Schwabsoien - Der Januar wäre eigentlich ideal für die Abholzung gewesen. Endlich war die notwendige Kälteperiode gekommen, der Boden steinhart gefroren. Schweres Geräte richtet auf ihm die wenigsten Flurschäden an. „Aber leider war kein Unternehmen zur Stelle“, bedauert Forstoberinspektorin Silvia Thien. Die Fachfrau begleitet das Projekt für die Gemeinde. Bislang suchte sie aber vergeblich nach einem Termin für die Fäll-Arbeiten, die eine knappe Arbeitswoche in Anspruch nehmen werden. Thien musste die Pläne nun schon zum dritten Mal verschieben, zuletzt war das 2019/2020 der Fall. Der Herbst war zu nass, der Winter zu mild.

Forstoberinspektorin hat den Winter noch nicht aufgegeben

Für den Winter 20/21 hat die Forstoberinspektorin die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Wenn noch eine Kälteperiode komme, könnte es noch was werden, blickt Thien voraus. Bleibt der strenge Frost aus, geht es Fichten und Eschen voraussichtlich im Herbst an den Kragen. Die Landwirte haben dann ihre Ernte eingefahren, die Maschinen der Holzfäller können die Stämme über die Felder abtransportieren, ohne viel Schaden anzurichten.

Silvia Thien hat den Winter noch nicht aufgegeben.

Die Schwabsoier dürfen sich in diesem Fall also noch einen Sommer lang an dem bewachsenen Netzenberg erfreuen. Das Vorhaben der Gemeinde, ihn auf großen Flächen (insgesamt 2,3 Hektar) abzuholzen, hatte bekanntlich anfangs einen Sturm der Entrüstung nach sich gezogen. Ex-Rathauschef Siegfried Neumann musste sich von den Bürgern damals einiges anhören.

Borkenkäfer und kalkhaltiger Boden: Tage der Fichten und Eschen wären ohnehin gezählt

Allerdings wären die Tage der Fichten und Eschen ohnehin gezählt. Der kalkhaltige Boden sei alles andere als ideal für die Nadelhölzer, zudem setzt ihnen der Borkenkäfer zu. Der Wald werde sich „früher oder später auflösen“, erläuterte Thien dem Gemeinderat damals und gab den Bäumen noch maximal 15 Jahre Überlebenszeit.

6800 neue Bäumchen werden gepflanzt

Dem langen Sterben müssen die Schwabsoier Dank des Gemeinderatsbeschlusses jetzt nicht zusehen, es wird kurzer Prozess gemacht. Nach den Arbeiten ist der Netzenberg fürs Erste aber kein Hingucker mehr. Auf großen Flächen wird er kahl sein, bevor 6800 neue Bäumchen gepflanzt werden. Ein Eichenmischwald mit Hainbuche, Winterlinde und Vogelkirsche soll entstehen. Lediglich auf privaten Flächen im Norden dürften noch Fichten stehen bleiben, im Südosten bleiben Kiefern erhalten, zwischen denen in Zukunft Schafe grasen.

Relikt aus der Eiszeit kommt wieder zum Vorschein

Herausstechen wird ein Nagelfluhfelsen, der laut Thien komplett freigelegt wird. Er sei ein Relikt aus der Eiszeit. Er sei etwas besonderes, gehe unter den Fichten aber total unter, erläuterte Thien. Den Felsen werden die Spaziergänger eine ganze Zeit lang bewundern können, denn der neue Wald wächst langsam. „Erst in 200 Jahren wird der Felsen wieder versteckt sein.“

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