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Der Sitzungssaal füllte sich zusehends: Letztendlich saß Bürgermeister Siegfried Neumann rund 100 Bürgern gegenüber, die zum Teil herbe Kritik an seiner Informationspolitik zum Waldumbau auf dem Netzenberg äußerten.

Kritik an Informationspolitik

Waldumbau: Bürgerschelte für den Rathauschef

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Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch waren am Mittwoch rund 100 Schwabsoier zu einer Infoveranstaltung ins Rathaus gekommen. Informiert wurde über den geplanten Waldumbau auf dem Netzenberg, der unmittelbar bevorsteht. In der Kritik der Bürger stand vor allem Rathauschef Siegfried Neumann, dem „schlechte Informationspolitik“ vorgeworfen wurde.

Schwabsoien – „Dass eine Gemeindewaldbewirtschaftung diese Wellen schlägt, damit habe ich nicht gerechnet“, bekannte Rathauschef Siegfried Neumann am Ende einer brisanten Infoveranstaltung zu dem vom Gemeinderat längst beschlossenen Projekt. Wie berichtet, hatte sich das Gremium Anfang Januar mit nur einer Gegenstimme dazu entschieden, den gemeindlichen Wald auf dem Netzenberg umzubauen. Der Fichten- und Eschenwald wird auf einer Fläche von rund 2,3 Hektar abgeholzt. Ein Eichenmischwald mit Hainbuche, Winterlinde und Vogelkirsche soll an seiner Stelle entstehen. Das ist langfristig nicht nur gut für die Natur, obendrein gibt es reichlich Punkte auf dem ebenfalls beschlossenen Ökokonto. Mit den Öko-Punkten kann die Gemeinde dann ihre Bauflächen-Ausweisungen kompensieren. Die noch vorhandenen Ausgleichsflächen in Schwabsoien tendieren nämlich bald gegen Null.

Bei vielen Bürgern im Ort schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Ein Aufschrei der Empörung hallte durchs Dorf, dass man so etwas aus der Zeitung erfahren müsse. Der Einwand, die Bürger hätten die Gemeinderatssitzung im Januar besuchen können, ließ die Mehrheit bei der Infoveranstaltung jetzt nicht gelten. Dem Gemeinderat dürfe man nur zuhören, Besucher haben kein Rederecht, hieß es. Rathauschef Neumann wurde viel mehr vorgeworfen, dass er das Projekt nicht schon in der Bürgerversammlung Ende November zur Sprache gebracht hatte. „Da war es noch nicht spruchreif“, verteidigte sich Neumann jetzt.

Projekt bei Bürgerversammlung noch nicht spruchreif

Zuvor hatte der Rathauschef den Zuhörern ausführlich erläutert, was die Gemeinde auf dem Netzenberg vorhat. Wie berichtet, wird der Berg auf großen Flächen recht kahl sein. Lediglich in privaten Bereichen im Norden werden die Fichten stehen bleiben, im Südosten bleiben überdies die Kiefern erhalten, zwischen denen in Zukunft Schafe grasen werden. Herausstechen wird überdies ein Nagelfluhfelsen, der komplett freigelegt wird.

„Warum muss das alles auf einmal geschehen?“, fragte eine Anwohnerin, die fürchtete, dass der Hang ins Rutschen kommen könnte. „Diese scheiß, drecks Ökopunkte interessieren mich gar nicht“, fügte die Dame hinzu und erntete Applaus.

Revierförster bringt Sachlichkeit in Diskussion

Sachlichkeit brachte letztlich der Dienhausener Revierförster Bernhard Schäfer in die Diskussion, der sich der Versammlung als „Neubürger“ der Gemeinde Schwabsoien vorstellte. Er lobte das Vorhaben des Rathauses ausdrücklich. Die Maßnahme sei nötig. Und wenn man jetzt was mache und auch noch Ökopunkte dafür bekomme, „ist das eine Win-win-Situation“, machte er klar. Obendrein verdeutlichte der Experte, dass es nicht zu dem gefürchteten Kahlschlag kommen wird, sondern auch viele Bäume stehen bleiben werden.

Die Worte des Experten beruhigten die aufgebrachten Gemüter. „Er hat verhindert, dass es eskaliert“, bestätigte Fritz Linder, der zusammen mit einigen anderen Bürgern Unterschriften sammelte. 100 waren bereits zusammengekommen, die Initiative war drauf und dran ein Bürgerbegehren anzustreben. „Es ist nicht so, dass wir uns alles gefallen lassen“, macht Linder klar.

Ein Bürgerbegehren ist also vom Tisch. Und Rathauschef Neumann versprach, die Anregungen im Gemeinderat zu besprechen.

Lesen Sie auch: Ökokonto: Schwabsoien vergoldet Wald

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