Ruf nach Grenzabständen

In Schwabsoien wird der Ton beim Wind schäfer

Schwabsoien - Viel Wind um Windenergie: Die Gemeinde Schwabsoien will sich in scharfen Worten zur Windkraft äußern. Sie fühlt sich von geplanten Windgebieten umzingelt - und nicht ernst genommen.

Viel Wind um die Windenergie: Nach früheren in sachlich-wohlwollendem Ton gefassten Stellungnahmen, will sich die Gemeinde Schwabsoien jetzt in scharfen Worten zur Windkraft äußern: Zum einen gegen den nördlich im Sachsenrieder Forst geplanten großen Windpark, zum anderen zum Regionalplan Oberland.

Das Thema Windkraft beschäftigt die Schwabsoier - und alle anderen Landkreis-Kommunen - schon seit Jahren. Die Krux daran: Eigentlich haben die Schwabsoier nichts gegen Windkraft-Nutzung, sind sogar für den Ausbau von regenerativen Energien. Nur: Kommt der geplante große Windpark Denklingen/Fuchstal im Sachsenrieder Forst, sind die Schwabsoier umzingelt. „Denn wir sind zudem vom Regionalplan Oberland betroffen“, sagte Bürgermeister Siegfried Neumann in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Und der sieht östlich und südlich der Gemeinde insgesamt vier Vorranggebiete für Windkraftanlagen vor (wir haben mehrfach berichtet). Zusätzlich zu dem eigenen Vorranggebiet, dass die Schwabsoier gemeinsam mit Ingenried im Westen der Gemeinde ausgewiesen haben. Daher: „Wenn der Windpark im Norden kommt, müssen die Vorranggebiete im Osten und Süden fallen“, fordert Neumann.

Und genau das habe man schon mehrfach an den Planungsverband geschrieben - ohne Berücksichtigung zu finden. Man sei zudem zusammen mit Landrat Zeller und weiteren Bürgermeistern in München bei der Regierung von Oberbayern vorstellig geworden, „um uns Gehör zu verschaffen“ - auch das ohne Erfolg. Jetzt sei man im Zuge des Raumordnungs-Verfahrens erneut um eine Stellungnahme in Sachen Windkraft gefordert. Und die soll auf jeden Fall deutlich schärfer formuliert werden.

Denn die ersten der theoretisch 51 möglichen Windräder im Windpark Denklingen/Fuchstal reichen bis 700 Meter an den Weiler Dietlried auf Schwabsoier Gebiet heran - viel zu nah also, finden die Schwabsoier. „Es kann doch nicht sein, dass fast 600Meter vor Dietlried ein Windrad eines anderen Landkreises steht“, monierte Neumann. „Wir haben im Baurecht doch auch Grenzabstände, warum kann man die hier nicht auch fordern?“

Außerdem dürfe es nicht sein, dass die Denklinger/Fuchstaler so nah an die Gemeindegrenzen heranreichen, dass dadurch die eigene Vorrangflächen gefährdet würden. Außerdem: Die Beeinträchtigung durch Geräuschentwicklung und Schattenwurf der Windräder sei unzumutbar.

Neumann gab auch zu bedenken, dass die Erschließung des Windparks - die Rede ist von geschätzten rund 70 Baufahrzeugen alleine für den Beton und zusätzlich rund Schwertransportern für die Windrad-Teile - gewaltige Belastungen für die dortigen Waldwege und die Natur bedeuten würde. Daher die Forderung: „Die Erschließung darf nur über Fuchstal und Denklingen erfolgen.“

Alle diese erwähnten Kritikpunkte wollen die Schwabsoier Gemeinderäte jetzt die Planungsverband Oberland im Zuge des Raumordnungs-Verfahrens mitteilen - in deutlich schärferen Worten, wie Neumann ankündigte. Dazu hat die Gemeinde bis zum 2. Dezember Zeit. „Außerdem werde ich ein Anhörungsverfahren bei der Regierung von Oberbayern und dem Planungsverband Oberland fordern“, kündigte Neumann an.

Manfred Schmid hatte eine zusätzliche Idee: „Wir müssen Harald Kühn mit ins Boot holen. Er ist unser Stimmkreis-Abgeordneter und muss für uns seine Stimme erheben“, sagte Schmid. Und: „Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist das entscheidende Stichwort. Unser Problem ist die massive Zahl an Windrädern in dem geplanten Windpark. Und dafür ist die Akzeptanz bei uns nicht gegeben.“

Jochen Schröder

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