Sechs Jahrzehnte alt, ab4er immer noch innovativ

Schongau - Mit einem gelungenen Festakt ist die Pfaffenwinkel-Realschule Schongau am Montagnachmittag in die Jubiläumswoche zum 60-jährigen Bestehen gestartet. Das Besondere: Die Schüler spielten die Hauptrolle.

Schon der Auftakt bewies: An diesem Tag haben die Schüler das Heft in der Hand. Vize-Schulleiter Armin Eder tat so, als würde er die Veranstaltung eröffnen, wurde aber prompt von Arijeta Arifi und Cristopher Coban von der Bühne geschmissen. Fortan führte das Schüler-Duo aus der 9d mit kurzen, witzigen Ansagen charmant durch den Nachmittag.

Innovativ war die Realschule schon immer, das stellte Schulleiter Karl-Heinz Kröniger in seiner Begrüßung heraus. Ob es 1959 die Erprobung der Fünf-Tage-Woche war oder in den 80er Jahren die Computernutzung, schon mehrmals seien in Schongau Neuheiten getestet worden, die dann in ganz Bayern eingeführt wurden.

Dass die Schule etwas Besonderes ist, zeigte sich bei den Einlagen: „Unsere Lehrer können sogar singen“, sagten die Moderatoren Arifi und Coban, und das bewies der Lehrerchor, der zusammen mit Gospelchor und Holzbläserensemble bereits die musikalische Eröffnung absolviert hatte, mit einer sensationellen Techno-Version von „Es klappert die Mühle“: Einen Lehrer, der sich im Takt so laut auf die Brust klopft, dass es wie aus einer Beatbox klingt, hat es wohl noch nicht gegeben.

Da waren die Grußworte von der Landtagsabgeordneten Renate Dodell und Vize-Landrätin Andrea Jochner-Weiß schon fast konventionell. Dodell versicherte, dass ihr die Bildung als Mutter, Politikerin und nicht zuletzt gelernte Realschullehrerin besonders am Herzen liegt. „Und noch nie habe ich eine so tolle Vorbereitung erlebt wie zu diesem Festakt“, lobte sie. Das zeige ihr: „Hier steht der Mensch, der Schüler im Mittelpunkt.“ Jochner-Weiß betonte, die Schule gebe Orientierung und Halt, sie bilde die Kinder aus und damit unsere Zukunft.

Vize-Bürgermeister Paul Huber war bei der Vorbereitung im Archiv zufällig eine Festschrift der Schongauer Nachrichten von 1953 zum 700-jährigen Stadtjubiläum in die Hände gefallen, wo auf den erfolgreichen Start der Schule im Jahr zuvor hingewiesen wurde. Der geplante Schulneubau mit seinen neun Zimmern, ausbaubar auf zwölf, habe nicht lange gereicht, und auch der damalige Bürgermeister Luitpold Braun habe 1985 geirrt, als er nach einem erneuten Schulausbau der Meinung war, das müsste endgültig reichen. Wobei: „Irgendwie hatte er Recht, weil wir die Schule ja 2001 an den Landkreis abgegeben haben und nicht mehr zuständig waren“, so Huber. Ein beeindruckendes Zeichen, wie gut es an der Schule läuft, ist für ihn die jährlich hohe Beteiligung an Jugend forscht: „Die Kinder können sich hier Fähigkeiten erarbeiten, die weit über den Lehrplan hinausgehen“, lobte Huber.

Sein Namensvetter, der Elternbeiratsvorsitzende Bernhard Huber, der 1977 an der Pfaffenwinkel-Realschule seinen Abschluss gemacht hat, hätte sich auch nicht träumen lassen, „dass ich 35 Jahre später hier einmal ein Grußwort spreche“. Doch zum Glück seien Eltern mittlerweile gerne gesehen an der Schule, „das war nicht immer so“. Man sei mehr als die Kuchenback- und Grillfraktion bei Festen, man habe mannigfaltige Aufgaben und übernehme Verantwortung - nicht zuletzt bei der Erziehung der Schüler. Das bewies er unter dem Gelächter des Publikums mit einem realen Briefwechsel eines Lehrers mit einer alleinerziehenden Mutter, die beide vom anderen verlangen, doch bitteschön den missratenen Sohn zu erziehen.

Nach einigen Worten von Hans Stelzner, einem Schüler der ersten Stunde, und kurzen Präsentationen von Neuntklässlern über das Schulgebäude im Wandel der Zeit und die Menschen an der Realschule sorgte die Modenschau für Stimmung. Schüler der 9g hatten offenbar tief im Kleiderschrank von Eltern und Großeltern gekramt.

Der Hippie aus den 70er Jahren hatte es dem Ministerialbeauftragten Ernst Fischer („Alle Lehrer reden immer ganz ehrfurchtsvoll vom MB“) so angetan, dass er ihn gleich auf der Bühne behielt. „Ich habe 1974 Abitur gemacht und sah auch so aus“, sagte er zum schmunzelnden Publikum, „nur drei Unterschiede gab es: Die Jeans durfte nicht zerrissen sein, dafür war sie bemalt. Und meine Haare waren länger.“

Beschwingt warf Fischer danach erst einmal die ersten neun Seiten seiner Rede Stück für Stück auf den Boden und betonte eindringlich, wie wichtig die Realschule, die Allgemeinbildung mit Berufsausbildung verknüpft, ist. Die Arbeitslosenzahlen bei Realschülern gehen gegen Null, 42 Prozent der Studienanfänger in Bayern kommen aus Realschulen und haben nie ein Gymnasium von innen gesehen, zählte Fischer auf - ein Beweis der Durchlässigkeit des Schulsystems. „Ich hoffe, dass es die Realschule noch lange geben wird“, schloss er, und da dürfte er sich mit allen Anwesenden einig gewesen sein.

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