+
Prost: Max Sedlmeier vom Altenstadter Maxbräu.

das aktuelle interview mit Max Sedlmeier

„Ich experimentiere gern“

  • schließen

Altenstadt - Am Samstag, 23. April, wird dieses Jahr nicht nur der Tag des Bieres gefeiert, sondern auch 500 Jahre Reinheitsgebot. Wir sprachen mit Max Sedlmeier von der Altenstadter Maxbrauerei Biermanufaktur über Brauerlebnisse und die Zukunft des Reinheitsgebots.

-Herr Sedlmeier, wann haben Sie zuletzt ein Bier gebraut, das nicht dem Reinheitsgebot entspricht?

Max Sedlmeier: Das war vorletztes Jahr im Juni. Da habe ich Kastanien in der Maische verarbeitet.

-Wie hat’s geschmeckt?

Sedlmeier: Es war kein exorbitanter Unterschied zum normalen Hellen, vielleicht ein bisschen süßlicher und nussiger. Ich würde es vom Geschmack her einordnen zwischen Dunklem und Hellen.

-Wie kamen Sie darauf, Kastanien zu verarbeiten?

Sedlmeier: Einfach als Versuch. Vorbild war das korsische Pietra, ein berühmtes Kastanienbier. Das hat mir bei einem Urlaub auf Korsika so gut geschmeckt, dass ich es selber ausprobieren wollte.

-Aber als Bier durften Sie es nicht verkaufen, oder?

Sedlmeier: Nein, es muss dann Kastanien-Wasser-Malz-Hefe-Mischgetränk oder so ähnlich heißen (lacht). Als Mischgetränk stand es dann auch auf der Getränkekarte.

-Ärgert sie das?

Sedlmeier: Ja. Denn man bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Das Reinheitsgebot ist grundsätzlich nicht schlecht, aber ich würde es befürworten, wenn man es in ein Natürlichkeitsgebot umwandeln würde.

-Das heißt, natürliche Zusätze sind erlaubt, chemische nicht?

Sedlmeier: Genau. Das, was heute unter Reinheitsgebot verkauft wird, hat mit Reinheit nicht viel zu tun. Denn gebraut wird nach dem vorläufigen Biergesetz von 1993, und da steht noch viel drin, was man dem Bier als Filterhilfsstoffen, Zusatzstoffen und Stabilisierungsmitteln beigeben darf.

-Das wird aber auf dem Bier nirgendwo angegeben.

Sedlmeier: Genau das ist der springende Punkt. Wenn ich ein Bier braue und solche Hilfsmittel benutze, kann ich es gemäß des Reinheitsgebots verkaufen. Wenn ich mein Bier mit Kirschen vergäre, ist es ein Mischgetränk...

-...das keiner kauft, der ein Bier will.

Sedlmeier: So ist es 

-Sie würden ohne Reinheitsgebot vermutlich viele natürliche Zusatzstoffe beim Brauen ausprobieren.

Sedlmeier: Auf jeden Fall. Ich experimentiere gern und war kürzlich auch ein Wochenende in Bozen, wo viele italienische Brauereien waren. Die haben hammerstarke Biere, die nicht dieses Reinheitsgebot und Gefängnis im Kopf haben. Da waren geniale Sachen dabei.

-Zum Beispiel?

Sedlmeier: Bier gebraut mit Wacholderpfeffer, Koriander, Gewürztraminer...

-Moment – der Wein?

Sedlmeier: Ja. Das schmeckt wirklich wie ein Gewürztraminer. Ich habe auch schon absurde Biere probiert, zum Beispiel Bier mit Lavendel gebraut. Das schmeckt dann wie Meister Propper. Aber ich denke, der Konsument sollte selber entscheiden, ob er so etwas trinken will.

-Sie machen trotzdem eine Menge verschiedener Biere, und zwar nach dem Reinheitsgebot. Befürworter sagen ja, mit den verschiedenen Hopfen- und Malzsorten kann man Millionen verschiedene Biere brauen.

Sedlmeier: Natürlich gibt es mehr als Helles, Weißbier und Dunkles. Ich nutze die komplette Bandbreite aus, die zur Verfügung steht. Das Indian Pale Ale beispielsweise wird mit zehnmal so viel Hopfen gebraut wie herkömmliche Biere und schmeckt sehr fruchtig. Das war anfangs für viele gewöhnungsbedürftig, aber mittlerweile ist es mein meistverkauftes Bier. Teilweise probiere ich auch die verschiedenen Hefen aus, also nicht nur die klassische ober- und untergärige Hefe. Es wäre auch mal interessant, mit wilden Hefen zu experimentieren.

-So wie vor hunderten Jahren, als man gar nicht wusste, dass Hefe fürs Bier essentiell ist. Warum haben Sie das noch nicht gemacht?

Sedlmeier: Ich traue mich noch nicht ganz, weil da auch saure Sachen rauskommen können. Bei uns wird dieser saure Biergeschmack nicht gelernt, während es in Belgien zum Beispiel ganz normal ist. Da gibt es Hefe mit ganz speziellem Aroma.

-Wie kommt man auf neue Rezepte: Probieren Sie dann einfach etwas aus?

Sedlmeier: Das läuft nach dem Motto „Viel Versuch und Irrtum“. Bierbrauen ist wie Kochen mit Rezept, und wenn ich einen Hopfen nehme, der ein Johannisbeer-Aroma hat, und rötliches Malz, kann man ein Bier kreieren, das wie Johannisbeer-Schorle schmeckt. Das sind Geschmäcker, die vor allem Frauen ansprechen, anders als klassisches Bier.

-Das heißt: Mit dem Reinheitsgebot geht viel, aber sie würden gerne auch anderes ausprobieren.

Sedlmeier: Ja, weil es einfach interessant ist.

-Könnten bayerische Biere irgendwann ins Abseits geraten, weil sie sich eben nicht wandeln, oder ist genau die Tradition die Basis des Erfolgs?

Sedlmeier: Das Reinheitsgebot ist ja kein Gesetz, sondern ein überliefertes Gebot. Deshalb wird es irgendwann eine Reform geben müssen. Darauf arbeiten einige Verbände hin, auch der Verband privater Brauereien, dem ich angehöre. Und zwar hin zum Natürlichkeitsgebot, wie ich es vorher angesprochen habe. Solange das transparent deklariert ist, sollte das kein Problem sein. Der bayerische Brauerbund ist da aber etwas konservativer.

-Übrigens: Wie ist Ihr Kastanien-Bier damals angekommen?

Sedlmeier: Sehr gut. Die wenigsten haben gefragt, ob das nach dem Reinheitsgebot gebraut war oder nicht.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wie die Boneberger-Spende geholfen hat
Dank der Boneberger-Spendenaktion können jedes Jahr Menschen aus dem Schongauer Land, die dringend Hilfe brauchen, oder Vereine und Institutionen unterstützt werden. Wir …
Wie die Boneberger-Spende geholfen hat
Lechberg nächstes Jahr drei Wochen zu
Der Lechberg wird im kommenden Jahr zur Großbaustelle: Wegen der Setzungen und Risse in der Straße muss der Hang befestigt werden. Dafür kommt schweres Gerät mit …
Lechberg nächstes Jahr drei Wochen zu
23-Jähriger liefert unter Drogen Essen aus
Den Beamten wollte er weismachen, am Wochenende einen Joint geraucht zu haben. Stattdessen waren es aber Amphetamine, die der Essenslieferant geschluckt hat. Der …
23-Jähriger liefert unter Drogen Essen aus
Kinsau bietet auch Auswärtigen Bauplätze
„Bauen, Bauen, Bauen und nochmal Bauen!“, fordert die Bayerische Staatsregierung von Städten und Gemeinden. Wohnraum wird im Freistaat immer knapper. Wir wollen in …
Kinsau bietet auch Auswärtigen Bauplätze

Kommentare