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Terrier Skye wartet seit Jahren auf einen neuen Besitzer.

Seit Jahren im Tierheim

Körbchen für Dauer-Hunde gesucht

Schongau - Positive Nachrichten aus dem Tierheim: Von überfüllten Käfigen oder kläglich misshandelten Tieren ist momentan zum Glück nichts zu berichten. Allerdings von ein paar Dauerbewohnern, die dringend ein neues Zuhause suchen.

Sucht man das Schongauer Tierheim, muss man im Regelfall einfach der Geräuschkulisse folgen. Desto lauter die tierische Begrüßung, desto näher ist man dem Ziel. Zur Zeit allerdings funktioniert dieser Trick nicht ganz so gut. Denn das Tierheim ist – ausnahmsweise mal – annehmbar besetzt.

Circa 300 Katzen und bis zu 40 neue Hunde nimmt das Heim jährlich auf. Für die Größe des Domizils ist das ein ordentlicher Zuwachs. „Die Vermittlung funktioniert aber recht gut“, kann die Tierheimleiterin Elke Keller beruhigen. „Letztes Jahr haben 130 Hunde und 190 Katzen ein neues Zuhause gefunden.“ Kein Wunder, das Gebäude in der Wielenbachstraße wird gut besucht: „Von Mittwoch bis Freitag haben wir zwischen 100 und 150 Besucher hier.“

Freilich, das ist auch vom Wetter abhängig. „Scheint die Sonne, sind aber um zehn nach drei alle Hunde beim Gassigehen“, strahlt Keller. Immerhin, zumindest mit dem Bewusstsein der Leute geht es bergauf. Denkt sie allerdings an ihre tierischen Dauergäste, verdunkelt sich ihr Blick.

Manch’ Bewohner lebt mittlerweile schon das fünfte Jahr im Gewerbegebiet. Roxy zum Beispiel. Der Deutsch-Kurzhaar-Dalmatiner kam ins Schongauer Quartier, nachdem ihn der österreichische Tierschutz aufgefunden hatte. Durch die „wilde“ Zeit hat er sich eine Schutzwand aufgebaut. „Er ist ein spezieller Vierbeiner“, erklärt die Leiterin. Und das meint sie im besten Sinne des Satzes. „Er mag nur nicht jeden.“ Schafft man jedoch den Sprung in sein großes Hundeherz, „beschützt er einen vor allem“, beschwört Keller. Ein Tier mit Charakter.

Roxy war ein Findelkind – so wie die meisten Tiere im Schongauer Tierheim. „Die Kätzchen beispielsweise sind eigentlich alles Fundkatzen“, so Martina Kolb, die sich speziell um die Miezen kümmert. Die werden ihnen von Anwohnern gebracht, denen seit geraumer Zeit ein Stubentiger um die Füße streicht, der niemandem gehören will. Ansonsten werden ihnen die Tiere vom Amtstierarzt zugeteilt oder kommen nach Trennungen und Todesfällen.

„Wobei das oft gar nicht sein müsste“, moniert Kolb, dass so viele Vierbeiner als Fundtier abgegeben werden. Zumindest hätten Besitzer das in der Hand. Die Mitarbeiterin empfiehlt: Wenn Halter ihr Haustier neu bekommen, sollten sie es chippen lassen. Die Kosten liegen bei circa 30 Euro. Mit so einem Chip können Tiere kostenlos bei ,Tasso’ registriert werden. Dann kämen sie laut der Expertin fast immer zurück. Tasso ist eine Tierschutzorganisation, die eigenen Angaben nach das europaweit größte Haustierregister betreibt und so verlorengegangene Schützlinge wieder aufspürt.

Dass Tiere mehre Jahre bleiben, sei eher selten. Trotzdem gibt es immer wieder Kandidaten. Pascha zum Beispiel kommt schon auf zwei Jahre. Grund dafür dürfte sein obskurer Komplex sein: Er hat Angst vor Männern. Erklären kann sich das keiner. Auch mit Blick auf seine Vergangenheit nicht. Der zweijährige Kangal-Mix stammt aus einem Rudel, das eine Frau im Kofferraum groß gezogen hat. Die Besitzerin wollte züchten. Als Nachbarn letztendlich davon Wind bekamen, zogen sie die Reißleine. Pascha ist ein Frauenliebling. Mehr Schaf denn scharfer Wachhund. Lässt man ihm genug Zeit, wird er sich vielleicht aber auch an einen netten Mann gewöhnen.

Auch Skye, ein zwölf Jahre alter Airedale Terrier, ist schon lange Gast in der Tierstation. Obwohl er eigentlich nur zur Pension kam. „Dann verstarb seine Besitzerin“, erklärt Keller. Und er konnte nicht mehr zurück in sein altes Körbchen. Jetzt suchen die Mitarbeiter händeringend ein Frauchen für den verspielten Vierbeiner.

Verspielt ist wohl auch das Stichwort für den jüngsten Zugang. 20 Katzenbabys tummeln sich aktuell im Tierheim. „Die werden überall gefunden und dann bei uns abgegeben.“ Gerade jetzt im Sommer kommt das immer häufiger vor. „An einem Schwimmbad wurde letzte Woche ein Karton mit drei Zwergkaninchen gefunden“, erzählt Keller. „Nicht sterilisiert.“ Dass es also bald wieder lauter wird im Schongauer Quartier, davon ist fast auszugehen – spätestens zu Beginn der Ferien.

Elena Wlacil

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