Anlauf der ersten Papiermaschine in Schongau im Jahr 1905 – ein historisches Ereignis. Archiv-Foto: upm

Seit 125 Jahren wird in Schongau Papier hergestellt

Schongau - Auf 125-jähriges Bestehen kann die Papierfabrik in Schongau zurückblicken. Dieses Jubiläum wird am Freitag, 22. Juni, ab 18 Uhr in der Werkskantine gefeiert.

Friedrich und Clemens Haindl haben am 30. September 1887 von den Eigentümern und am 1. Oktober 1887 von der Stadt Schongau insgesamt sieben Besitzungen, darunter vier Mühlen, mit sämtlichen Wasserkraftanlagen und allen Wasserrechten erworben. Mit dem Abschluss dieser Kaufverträge fällt auch das Gründungsdatum der „Holzstoff-Fabrik Friedrich Haindl und Cie“ zusammen. Sie war von Anfang an keine Filiale von Augsburg, sondern ein selbstständiges Unternehmen.

Haindl betrieb zu diesem Zeitpunkt bereits eine Papierproduktion in Augsburg, der Rohstoff Holzschliff wurde bis dahin von mehreren kleinen Schleifereien, die sich in der Umgebung von Augsburg befanden, gekauft. Bei den Brüdern reifte aber schnell der Gedanke, Holzschliff selbst zu erzeugen. Die Standortauswahl fiel letztendlich auf Schongau. Im März 1889 wurde mit der Produktion von Holzstoff begonnen.

1905 wurde in Schongau die erste Papiermaschine in Betrieb genommen. Eine maßgebliche Unterstützung für die Durchführung eines so großen Vorhabens erhielt Friedrich Haindl von seinem Schwiegersohn, Diplomingenieur Anton Holzhey, der am 11. Juli 1902 Therese Haindl, die zweite Tochter von Haindl, geheiratet hat. Am gleichen Tag wurde dem 27-jährigen Anton Holzhey auch die Leitung des Werkes Schongau übertragen.

Mit Beginn der Papierproduktion im Jahr 1905 lag die Mitarbeiteranzahl bei rund 300. Die höchste Mitarbeiteranzahl wurde Anfang der 70er Jahre mit knapp 1000 erreicht. Heute produziert das Werk Schongau etwa das Dreifache als Anfang der 70er Jahre. Das Werk beschäftigt derzeit rund 550 Mitarbeiter, inkl. der Auszubildenden.

Ende Juni 2001 wurde die geplante Übernahme der Haindl‘schen Papierfabriken durch UPM an die Kartellbehörden gemeldet. Am 21. November 2001 hat die Kommission der geplanten Übernahme durch das finnische Unternehmen UPM-Kymmene und dem anschließenden Verkauf von zwei der Papierwerke (Walsum und Parenco) an den norwegischen Papierhersteller Norske Skog zugestimmt. Eine der Hauptgründe für den Verkauf war der Trend zur Konsolidierung in der Papierindustrie.

In den ersten Jahrzehnten hat das Werk in Schongau wesentlich zur Infrastrukturentwicklung der Stadt beigetragen (Eisenbahnanschluss, Verkehrswege, Stromversorgung, später der Erdgasanschluss). Außerdem war es eine Triebfeder zum Bau des heutigen Gymnasiums und ebenso zum Bau der Fernwärme. Rund 50 Millionen Euro fließen heute jährlich nach Schongau und in die unmittelbare Umgebung, wenn man Löhne, Gehälter und externe Dienstleistungen von umliegenden Firmen und Betrieben zusammenrechnet.

Bis Anfang der 90er Jahre war die Produktion von Zeitungsdruckpapier Schwerpunkt in Schongau. Heute liegt der Anteil von Zeitungsdruck unter 50 Prozent, Hauptgebiet ist heute aufgebessertes Papier bis hin zu Magazinpapieren, wie man sie von Zeitschriften, Katalogen oder Werbeeinlagen kennt. Die Produktionskapazität liegt heute bei über 750 000 Tonnen/Jahr, also über 2000 Tonnen/Tag.

„Wir betreiben bereits seit vielen Jahren ein integriertes Managementsystem. Alle Themen wie Prozesse, Umweltleistung, Arbeitssicherheit oder seit kurzem auch das Thema Energiemanagement sind zertifiziert und werden regelmäßig auditiert“, bestätigt Werksleiter Winfried Schaur. Ziel sei dabei nicht „nur“ die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, sondern deutlich besser zu sein und besser zu werden. „Im internationalen Vergleich, was Standards und spezifische Werte betrifft, bewegen wir uns im Spitzenfeld“, kann die Werksleitung zum 125-jährigen Jubiläum vermelden.

mg

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