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Der Meister und sein Lehrling: Josef Schuster aus Wildsteig hat mit Kai Michels (links) seit wenigen Wochen wieder einen Auszubildenden im ersten Lehrjahr.

Selten gewordener Lehrling in Wildsteig

Metzgerei-Azubi: "Mir gefällt es echt super hier"

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Wildsteig - In Zeiten, in denen der Beruf des Metzgers keine sonderlich gute Lobby besitzt, hat es Kai Michels dennoch gewagt. Seit knapp drei Wochen macht er eine Lehre in der Wildsteiger Metzgerei Schuster und ist hellauf begeistert. Aber auch sein Meister Josef Schuster lässt auf den Neuen nichts kommen, urteilt: „Bisher bin ich sehr zufrieden mit ihm.“

Zwar liegt das Fleischerhandwerk bei Kai Michels schon irgendwie in den Genen, den seine Mutter arbeitet als Metzgereifachverkäuferin in Roßhaupten, doch das war letztlich nicht der Motor für den 16-jährigen Kai, auch diesen Beruf zu erwählen. „Ich habe noch während meiner Schulzeit mehrere Berufspraktika gemacht, – in einer Schreinerei und auch als Bürokaufmann. Und in der Metzgerei von Josef Schuster. Zwei Wochen dauerte das Praktikum, das ihn schnell begeisterte. „Mir gefällt es echt super hier.“ Anfangs half Kai seinem Meister sogar unentgeltlich an den Samstagen mit, wenn der mit seinem Party-Service viel zu tun hatte. Samstags ist er zwar auch heute noch im Einsatz, mittlerweile aber gegen Bezahlung.

Aber weil ein Lehrverhältnis keine Einbahnstraße ist, muss die Sympathie zwangsläufig auf Gegenseitigkeit beruhen. Und das ist bei Josef Schuster der Fall, der große Stücke auf den Neuen hält. „Kai ist sehr interessiert und ist sich nicht zu schade, auch außerhalb der normalen Zeit mit anzupacken“, freut er sich. Der neue Lehrling ist mittlerweile sein Siebter in 18 Jahren. Und darauf ist Schuster durchaus stolz.

"Man muss die Buben gut behandeln, wie den eigenen Sohn"

Sein Erfolgsrezept? „Man muss die Buben gut behandeln. Quasi wie den eigenen Sohn.“ Und dann fügt er noch hinzu: „Wir haben ein sehr familiäres Verhältnis, wobei der Respekt gewahrt bleiben muss. Zuckerbrot und Peitsche eben“, sagt er und muss bei diesen Worten selbst ein wenig schmunzeln.

Schwer dürfte ihm das familiäre Verhältnis allerdings auch nicht fallen, hat Schuster doch selbst einen Sohn, der gerade mal ein Jahr älter ist als Kai. Und der selbst in der Lehre ist. In Steingaden. Zugute kommt dem Metgermeister indes auch sein gutes Verhältnis zu den Lehrern der Steingadener Hauptschule. „Die kennen mich recht gut und schicken mir deshalb auch immer wieder mögliche Kandidaten.“

Worauf er das geringe Interesse an seinem Beruf zurückführt? „Der Ruf ist nicht besonders gut, alle meinen nur, ein Metzger schlachtet ausschließlich. Dabei ist der Beruf sehr vielseitig“, macht er Werbung in eigener Sache.

Knochen fieseln, Petersilie zupfen und Leberkäse formen

Und wie sieht diese Vielseitigkeit am Beispiel von Kai aus? Der hat in den ersten drei Wochen schon einiges tun dürfen. So hat er mit dem Messer Knochen gefieselt, hat Petersilie gezupft, Leberkäs geformt, aber auch Wiener, Lyoner und Landjäger zum Räuchern aufgehängt.

Für den 16-Jährigen, der seine Lehrstelle am 12. September angetreten hat, steht deshalb auch heute schon fest, „dass ich meine dreijährige Lehre in jedem Fall zu Ende bringen, danach mein Gesellenstück machen und hier im Betrieb fest anfangen möchte“. Und dann hat er auch noch auf dem Schirm, seinen Meister zu machen. Bios dahin hat er aber noch eine Menge vor sich. Unter anderem auch den Blockunterricht an der Berufsschule in München, wo er einmal im Monat für eine ganze Woche abkommandiert ist. Aber auch dort gefällt es Kai Michels, der nur in Superlativen schwärmt: „Es ist perfekt dort.“

Strenge Kontrollen in aller Herrgottsfrüh

Dass es auch das ein oder andere Hindernis in seinem Beruf beiseite zu räumen gilt, wird er noch erfahren. Meister Josef Schuster kann ein Lied davon singen. „Wir werden hinsichtlich unserer Arbeit strengen Kontrollen unterzogen. Einmal stand schon um 4.30 Uhr eine vierköpfige Abordnung einer EU-Kommission vor der Tür und hat anschließend unsere Arbeit genau beobachtet.“

Dass das Interesse am Metzgerberuf nicht besonders groß ist, weiß auch Beate Prestele von der Kreishandwerkerschaft. Sie ist dort für die Ausbildung zuständig und kann mit beunruhigenden Zahlen aufwarten. So sind es im Bereich der Innung Oberland (Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen) heuer nur fünf Auszubildende im ersten Lehrjahr, neun im zweiten und sechs im dritten Lehrjahr. Sie kann sich auch nicht erinnern, „dass wir in den vergangenen Jahren einmal die magische Zahl zehn überschritten haben“. Zurück führt sie das darauf, „dass der Beruf nicht sehr beliebt ist, stark zu kämpfen hat“. Und auch darauf, dass so mancher ganz einfach für die Beschäftigung nicht geeignet ist.

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