Serie "Schaufenster in die Vergangenheit": Steingadener Apotheke birgt Schätze

Steingaden - Beim Blick ins Reichsadressbuch von 1912 stößt man auf Betriebe, die heute nach 100 Jahren noch existieren. So auch die Marienapotheke in Steingaden.

Es ist wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Man schwenkt die alteTür auf und betritt einen Raum, der an längst vergangene Zeiten erinnert.

In der Marienapotheke in Steingaden sieht noch alles aus wie vor 100 Jahren. Auch die Regale und die schweren Schubladen mit den alten schwarz-weißen Aufschriften sind noch genauso wie früher. Im Offizin, der Verkaufsraum der Apotheke, ist die Zeit stehen geblieben. „Im Innenleben sind wir modern, aber nach außen hin versuchen wir, die Apotheke so zu lassen, wie sie immer schon war“, erklärt Dr. Felicitas Weeber. Seit 26 Jahren ist sie nun die Chefin. Und damit ist sie ein kleiner Teil der über 300-jährigen Geschichte der Apotheke.

Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird ein Steingadener Arzneihaus im Jahr 1683. Damals gehörte die Apotheke allerdings noch zum Kloster. Sie war in der heutigen Pfarrküche untergebracht und wurde von den Steingadener Chorherren geführt. Nach der Säkularisation in Bayern, 1803, drohte die Apotheke allerdings samt Kloster geschlossen zu werden. Doch der Steingadener Melchior Moser versuchte, die Auflösung zu verhindern. Für eine unglaubliche Summe von 500 Gulden, dafür würde er heute eine schönen Eigentumswohnung bekommen, erwarb Moser damals die gesamte Apothekeneinrichtung. Also zog er mit Salben, Kräutern und Fläschchen zum heutigen Standort auf den Marktplatz.

Knapp 50 Jahre später gelangte die Steingadener Apotheke das erste Mal in die Hände der heutigen Inhaberfamilie Promberger und Weeber. Den Namen „Marienapotheke“ bekam die Steingadener Klosterapotheke dann noch einmal 50 Jahre später.

Damals, 1904, war die Apotheke in Steingaden die einzige zwischen Schongau und Füssen und deshalb besonders wichtig für die umliegenden Gemeinden. 1912 heiratete Ernst Adolf Weeber die Tochter des damaligen Besitzers Promberger und war fortan Chef im Haus. Sein Sohn Ernst-Otto trat 1953 sein Erbe an. „Das ist mein Schwiegervater“, erzählt Weeber. Neben seinem Apothekerverdienst war Ernst-Otto Weeber nämlich auch 30 Jahre lang Bürgermeister seiner Heimatgemeinde.

Eine aufwendig angesetzte Renovierung erfolgte dann im Jahre 1985. Eine Sanierung und einen frischen Anstrich gab’s für außen. Die Betriebsräume wurden ebenfalls von Grund auf modernisiert und auch vergrößert. Bisher privat genutzte Räume und der Keller wurden dann als Lager und Büroräume verwendet.

Einheimische Handwerker und Restauratoren stellten mit sehr viel Geschick die alte Einrichtung wieder her. Und auch das Herzstück erneuerten sie: Die alte Offizindecke. Die bunten Farben wurden originalgetreu aufgefrischt.

Während den Renovierungsarbeiten sind sogar einige alte Schätze zum Vorschein gekommen: Verschiedene antike Gerätschaften und sogar ein Glas voll Mumia Vera Pulver. Ein Heilmittel, das aus zermahlenen ägyptischen Mumien besteht und angeblich gegen jede Krankheit hilft. Heute gehört es, wie die anderen Schätze, zur Sammlung der Apotheke.

Im Vergleich zu früher hat sich für das Apothekerdasein doch so einiges geändert, weiß Weeber: „Früher hat man viel mehr Salben und Hausmittelchen selbst hergestellt. Außerdem war den Kunden die Beratung wesentlich wichtiger als heute.“

Spezialisiert hat sich Weeber, die die Apotheke zusammen mit ihrer Tochter Christina führt, auf Homöopathie und alternative Heilmittel. „Auch das gab es früher mehr, dann eine Zeit lang nicht mehr und seit ein paar Jahren sind diese Heilmethoden wieder im Trend“, erklärt Weeber. Im Kern hat sich in der Apotheke also so einiges getan in den letzten 100 Jahren. Äußerlich bleibt sie authentisch.

(can)

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