Auf die Plätze, fertig, los: Erster Vorsitzender der Singgemeinschaft Schwabsoien Fridolin Zwick (r.) begleitet die Zuhörer zu ihren Plätzen, bevor er gemeinsam mit seinen Kameraden auf der Bühne singt. foto: Herold

Singgemeinschaft Schwabsoien: Mein lieber Herr Gesangsverein!

Schwabsoien - Sie sind richtige Stars im Schongauer Land. Bis über die Grenzen des Landkreises, des Bezirks, sogar bis über die Landesgrenzen hinaus sind sie bekannt und beliebt: die Sänger des Schwabsoier Männerchors. Wie sie das geschafft haben? Das fragen sie sich manchmal selbst.

Ehefrauen sitzen abends einsam und allein auf dem leeren Sofa. Warten sehnsüchtig auf ihre Männer. Die Straßen dagegen sind voll. Schwabsoien ist zugeparkt - die Singgemeinschaft singt ihre Frühjahrskonzerte. 16 sind bereits ausverkauft. Soviel Trara wegen eines Männerchors? Wie machen die das nur? Die alten Chorhasen Ekkehard Starker, Helmut Lahner und Fridolin Zwick grübeln bei einem Glas trockenen Weißwein über den Erfolg ihres Männerchors.

„In der Gegend gibt es keinen vergleichbaren Chor“, sagt Zwick. Kirchenchöre, sicher. Auch Männerchöre. In Hohenfurch zum Beispiel. „Aber Repertoire und Aufführungsart ist dort ganz anders“, sagt Starker. „Erst in Buchloe gibt es einen ähnlichen Männerchor.“

Über 4500 Menschen wollen die 49 Sänger aus Schwabsoien hören. Locker würde die Singgemeinschaft die kleine Olympiahalle in München zweimal voll bringen. „Wir laden aber lieber zu uns nach Schwabsoien ein und singen öfters vor kleinerem Publikum“, sagt Zwick. „Das ist familiärer und persönlicher.“ Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass jeder Zuhörer ein Datum findet, an dem er Zeit hat.

Seit 1973 geht es mit den Konzerten steil bergauf. Zwei oder drei Frühjahrskonzerte waren es in den Jahren zuvor. Nach dem Umzug in die „neue Halle“ in Schwabsoien, die auch schon wieder 40 Jahre steht, bekamen sie Zulauf.

„Und wir haben einfach nachgegeben“, sagt Zwick. War ein Konzert ausverkauft, hängte man eben noch eines hinten dran. Und noch eins und noch eins. Zwei Auftritte waren es noch im Jahre 1969. 1973 sang man bereits sechs Konzerte. 1974 waren es schon acht, bevor man zwei Jahre später zwölf Mal auf die Bühne trat. Die meisten Abende sangen die Schwabsoier Sänger 1984. Stolze 21 Mal traten sie vor eine ausverkaufte Halle. Danach hat sich die Anzahl der Frühjahrskonzerte, die alle drei Jahre stattfinden, etwa bei 19 eingependelt. 16 waren es 2010.

Wer weiß, wieviele es in diesem Jahr werden? 13 sind bereits gesungen, 15 Konzerte ausverkauft. „Ein oder zwei mehr würden wir schon noch singen“, sagt Zwick grinsend. Die 19 vollbringen, wäre schon ein Erfolg. Langweilig wird es den Sängern bei so vielen Musikabenden jedenfalls nicht. „Man wird lockerer, besser und irgendwann routiniert. Nur gegen den Leichtsinn muss man ankämpfen“, sagt Lahner.

Angefangen hat alles 1954. Aus einer Singgruppe der Schwabsoier Landjugend ist der Gesangsverein entstanden. Der damals erst 19-jährige Wilhelm Keller übernahm die Leitung des Männerchores. Er sorgte mit Können, Fleiß und viel Motivation dafür, dass der schnell wachsende Chor musikalisch immer besser wurde. „Wir haben uns bessere Männerchöre als Vorbilder gesucht und denen nachgeeifert“, erklärt Zwick. Die Ausflüge der Schwabsoier entwickelten sich zu Lernfahrten. Man besuchte Konzerte von besseren Männerchören.

Neben dem Gesang überzeugen die Schwabsoier auch mit Mimik und Gestik. Das singen ohne Notenpapier steht außer Frage. Außerdem herrscht große Harmonie in den Reihen. Sowohl gesanglich, als auch zwischenmenschlich. Und das merkt man. Es ist die Leichtigkeit, der Spaß an der Musik und der Witz der einen ansteckt. Die Schwabsoier nehmen sich eben nicht so ernst.

Chorleiter Josef Kirchhofer dagegen nimmt die Sache in musikalischer Hinsicht sehr ernst. „Wir können uns sehr glücklich schätzen mit ihm“, sagt Zwick. „Er ist ein großartiger Musiker.“ Und auch Perfektionist. Lieber tritt der Schwabsoier Männerchor nämlich nur alle drei Jahre auf. „Dafür aber gscheid“, sagt Starker. Zudem ist ein abwechslungsreiches Programm wichtig. Von geistlicher Musik, über Volkslieder, bis hin zu internationalem Liedgut und Opernchören hat der Schwabsoier Männerchor alles drauf. Mit der Unterstützung von Kinder- und Jugendchor der Singgemeinschaft und einem kleinen Singspiel zwischendrin, sind die Frühjahrskonzerte kurzweilig.

Das Erfolgsrezept beinhaltet allerdings noch eine andere Zutat. Vielleicht sogar die wichtigste. Die Schwabsoier Sänger sind ein geselliger, lustiger Haufen. Sie pflegen zahlreiche Freundschaften. Daheim und zu Chören und Vereinen aus dem ganzen Land. „Und die kommen immer zu unseren Konzerten“, sagt Starker. Meistens rollen die gleich mit Bussen an. Die Kennzeichen beginnen oft mit „OAL“. „Auch aus Reutte, Vils, Nesselwängle, Neustift bei Passau oder Ladenburg kommen befreundete Chöre. Und wir fahren auch zu denen“, sagt Zwick.

Wer nun glaubt der Schwabsoier Männerchor schwimme bei so vielen Konzerteinnahmen im Geld, irrt. Der Verein spendet ganz fleißig. 60 000 Euro hat der Männerchor insgesamt schon nach Rumänien in ein Waisenhaus geschickt. Und auch die Aufnahme der CD ist nicht ganz billig. Am Ende des Konzertes gehen die immer weg wie warme Semmeln. Die Schwabsoier Singgemeinschaft „to go“. „Wer ko, der ko eben“, sind sich die drei am Ende grinsend einig.

Karten gibt’s zu je neun Euro noch für die Konzerte am Freitag, 19. April, und am Samstag, 27. April, jeweils um 20 Uhr bei Franz Häringer unter Telefon 08868/1313 (täglich von 16 bis 19 Uhr).

can

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

KAB Peiting feiert 120-jähriges Bestehen mit Festakt und Straßenwidmung
Mit einer Straßenwidmung und einem Festakt hat die KAB in Peiting ihr 120-jähriges Bestehen gefeiert. Der Friedhofsweg heißt jetzt offiziell Bischof-von-Ketteler-Weg.
KAB Peiting feiert 120-jähriges Bestehen mit Festakt und Straßenwidmung
Fußball-Vereine von möglichem Granulat-Verbot kalt erwischt
Kunstrasenplätze sind schlecht für die Umwelt, urteilt die EU und verweist auf eine Studie zum schädlichen Mikroplastik. Brüssel will ab 2022 das Gummigranulat …
Fußball-Vereine von möglichem Granulat-Verbot kalt erwischt
Frische, Qualität und Wohlfühlfaktor
Ingenried hat jetzt etwas, das sich viele kleinere Orte wünschen. Was das ist? Lesen Sie selbst!
Frische, Qualität und Wohlfühlfaktor
Eintrittskarten in einen neuen Lebensabschnitt
Fröhliche Gesichter bei Schülern. Lachende Eltern. Es gibt nicht so viele Tage im Schuljahr, an denen beides der Fall ist. In Schongau gab es jetzt solch einen Tag an …
Eintrittskarten in einen neuen Lebensabschnitt

Kommentare