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Soweit die Kirschkerne fliegen

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Tief Luft holen, dann durch die Lippen pressen: Kirschkernweitspucken will gelernt sein. Foto: herold
Tief Luft holen, dann durch die Lippen pressen: Kirschkernweitspucken will gelernt sein. Foto: herold

Sc hwabsoien - Man nehme sonnengereifte Herzkirschen in fester und flüssiger Form, dazu ein Bündel Notenblätter. Die Garantie für einen kurzweiligen Wettbewerb der Schwabsoier Blaskapelle.

Die örtliche Blaskapelle hat es in diesem Jahr zum dritten Mal beim Gartenfest der Gemeinde bewiesen, mit nur wenigen Mitteln einen starken Wettbewerb auf die Beine zu stellen: Spucken, was die Lungenflügel hergeben, spucken bis zum Umfallen. Das nahm Andi Seelos glatt wörtlich. Er presste schlagartig so viel Luft aus seinem massiv kräftig geformten Körper heraus, dass er mit selbigem die Bierbank am Start umriss. Sehr zum Schmerz von Klarinettist Andi Hartmann, der diese auf seine Zehen bekam.

Aber der Reihe nach. Zwei Jahre lang haben Daniel Gramberg und Hias Linder in einer Sportart dominiert, die noch nicht olympisch ist. Beim Kirschkernweitspuckwettbewerb konnte ihnen keiner was vormachen. Ihre Lungen waren pressluftverdächtig. Kein anderer konnte ihnen das Wasser reichen. Ihre Kirschkerne verließen wie Pistolengeschosse den Lippenbereich. Knallhart mit Nachbrenner.

So wurden für dieses Jahr neue Regeln ausgedacht. Simone Linder und Andreas Hartmann, also Oboe und Klarinette, erstellten ein neues Reglement. Vorstand Peter Schleich segnete es ab. Zweimal weitspucken und dazu einen Papierfliegerweitwurf. Der Flieger musste selbst vorher gefaltet werden. Nicht still und heimlich, vor den Zuschauern wurden gestempelte Notenblätter ausgegeben und zu Papierfliegern verarbeitet. Preislich der Hit. Zwei Kirschen und ein Notenblatt 1 Euro. Wer dazu ein Zielwasser wünscht, 2 Euro. Es wechseln fast nur zwei Eurostücke den Besitzer. Die Kirschen rollen, das Kirschwasser fließt. Musiker setzen Duftmarken in punkto Weite auf das Papier der Arena. Die Trompete - mäßig. Die Posaune - geradezu lächerlich. Flöte und Tuba - willensstark. Der Dirigent - versagt. Das Flügelhorn zeigt, wo’s langgeht.

Kirschkernspuck-Wettbewerb in Schwabsoien: Bilder

Jetzt kann der Bürgermeister den Startspuck ansetzen. Manfred Schmid wählt zwei knackige Herzkirschen aus. Das klappt. Beim Falten des Fliegers kommen seiner Frau Silke leichte Zweifel. Fantasie ist gefordert. Sieht eher nach Papierschiffchen aus. Schmid rollt die erste Kirsche im Mund, nagt das Fruchtfleisch akribisch ab. Konzentration bis in den letzten Mundwinkel. Aufpumpen der Lunge, dann die beherzte Lippenpressung. Der Kern fliegt in Richtung Fotograf, das Fruchtfleisch bedeckt Teile des Objektivs. Kein guter Beginn. Doch der Wille zählt.

Ein anderer Wille steht schon am Start. Der mit dem Dr. vor dem Namen. Eduard mit Vornamen, der Arzt in der Gemeinde. Neben ihm Gattin Angelika. Eduard beherrscht die Anatomie und somit auch seine Lungenflügel. Stattliche Weite. Doch dann die Sensation. Er zaubert seinen Flieger zur Höchstweite von über 9 Metern. Vorjahressieger Hias Linder steht am Start. Die Ruhe selbst. Aufschrei bei Gabi Jocher. Der Kern ist über die Ziellinie hinaus pfeilgrad in ihren linken Stöckelschuh geflogen.

Sie will den Sensationsspuck ein zweites Mal sehen. Bietet förmlich ihr Dekolleté als Fangkorb an. Doch alle Reize von Gabi helfen nichts. Das Fässchen mit dem flüssigen Gold geht haarscharf am Hias vorbei. Josef Holl ist mit 20,31 Metern der Glückliche. Oder Unglückliche: Denn da er noch keine 16 Lenze zählt, geht der Alkoholpreis an seine Tante Sissi. Erste bei den Damen wurde Maria Lutzenberger (13,15 Meter).

Hans-Helmut Herold

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