Beim „Speeddating“: Regina Stein und Serife-nur Turan (beide stehend) moderierten die „Cross-Culture-Nacht“. Als Gesprächspartner hatten sie den Ettaler Pater Amandus Jung, Hatice Sanal von der DITIB-Moschee in Schongau sowie den Schongauer Pfarrer Frieder Nägelsbach, Berna Ustahüseyin und Gonul Yerli sowie Dekan Axel Piper (von links) eingeladen. os

"Speeddating" mit den Religionen

Schongau - Zu einem Kennenlernen der Religionen hat das P-Seminar des Welfen-Gymnasiums jetzt eingeladen.

Über die eigene Religion sollte man eigentlich Bescheid wissen, die anderen Weltreligionen zumindest grob kennen. Zu einem Kennenlernen der Religionen hat das P-Seminar des Welfen-Gymnasiums jetzt eingeladen. Bei der „Cross-Culture-Night“ ging es darum, mit Vertretern verschiedener Religionen ins Gespräch zu kommen.

Im Rahmen der Berufsorientierung sollen die P-Seminar-Schüler des Gymnasiums sich mit einem Thema, hier dem interreligiösen Dialog, beschäftigen, dafür werben und zur Präsentation der Ergebnisse einladen. In diesem Fall die „Cross-Culture-Night“, die nach der Vorstellung der neun Schülerinnen in Form eines „Speeddatings“ passieren. Zehn Minuten mit einem Vertreter der großen Religionen reden, Fragen stellen und so den christlichen, islamischen und jüdischen Glauben kennenlernen.

So standen schließlich der evangelische Pfarrer Frieder Nägelsbach, Dekan Axel Piper, drei Muslima sowie Ordenspater Amandus Jung aus dem Kloster Ettal sowie der Peitinger Pastoralreferent Franz Huber für den Diskussionsabend zur Verfügung. Die jüdische Vertreterin hatte kurzfristig abgesagt.

Man habe lebhaft diskutiert, brachte Pater Amandus Jung das „Speeddating“ auf den Punkt. Und habe viele Themen gehabt, ergänzte Gonül Yerli, die vom Islamischen Forum in Penzberg gekommen war. Die Themen drehten sich beispielsweise um die Berührungspunkte die drei großen Religionen. So geht das höchste islamische Fest - das Opferfest - auf Abraham zurück. Der, so stellte sich in der Diskussion heraus, als Stammvater der Völker auch im Judentum und in der Bibel vorkommt.

Ohnehin würden die Christen im Islam nicht pauschal als ungläubig angesehen. Glauben sie doch, wie auch die Muslime, an einen Gott. Sie hätte aber, so Berna Ustahüseyin, ehemalige Abiturientin des Welfen-Gymnasiums, durchaus andere Fragen erwartet. Etwa zum Thema Kopftuch, das die überzeugte Muslima trägt, auch wenn sie Vorlesungen an der Uni besucht. „Ich habe festgestellt, dass dieses Kopftuch meinen Glauben abrundet“, sagte sie.

Auch gab es eine Diskussion über den Koran: Wobei die Studentin der Erziehungswissenschaften feststellte, dass bestimmte Aussagen des Korans fehlinterpretiert werden. „Etwa die Stelle, in der es heißt, man solle die Ungläubigen bekämpfen.“ Diese Stelle werde vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Heißt es doch in den Zeilen davor und danach, dass man sie bekämpfen solle, wenn sie die eigene Familie angriffen, stellte die Studentin richtig.

Auch beim „Dschihad“ gehe es um den Kampf mit sich selbst, quasi einem inneren Kampf auf dem Wege Gottes. Und eben nicht um den „Heiligen Krieg“ gegen die Ungläubigen. Oft genug unterbrach der Gong allerdings die lebhaftesten Gespräche, so dass, wie beim „Speeddating“ auch in der Realität, die Teilnehmer nur einen allerersten Eindruck mitnehmen konnten. Den man beim sich anschließenden Büffet, einem interkulturellen Essen, ein wenig vertiefen konnte.

Auch interessant

Kommentare