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Das UPM-Werk Schongau versorgt die Stadt mit Fernwärme. Bald auch Herzogsägmühle?

Aus dem Stadtrat

Herzogsägmühle will Schongaus Fernwärme

Schongau - Eine Zahl im Haushalt der Schongauer Stadtwerke sorgte kürzlich für längere Diskussionen. Denn das Diakoniedorf Herzogsägmühle überlegt, an die Schongauer Fernwärme anzuschließen. Die Frage ist, ob sich das rechnet – für beide Seiten.

Routiniert ratterte Schongaus Kämmerer Werner Hefele im Werksausschuss die wichtigsten Daten des Schongauer Stadtwerke-Haushalts herunter. Den ersten Ausschlag gab es bei der Finanzplanung für das Jahr 2017 bei der Wasserversorgung, wo für den neuen Brunnen mehr als vier Millionen Euro eingeplant sind. Das ist bekannt und keine Überraschung. Doch als Hefele kurz darauf beim Thema Fernwärme einen möglichen Anschluss der Herzogsägmühle mit veranschlagten Kosten im Haushalt von fünf Millionen Euro zurecht als „Riesen-Brocken“ bezeichnete, war unter anderem Paul Huber (CSU) baff: „Das ist neu für mich, darüber haben wir noch nie geredet“, stellte er konsterniert fest.

Hefele gab zu, dass man über die seit längerem laufenden Gespräche noch nie informiert habe. „Wir brauchen jetzt auch keinen Beschluss, wir wollen im Haushalt nur vorbereitet sein“, so der Kämmerer. Denn bereits im kommenden Jahr 2016 sind 400 000 Euro Planungskosten veranschlagt, ohne vorausschauende Planung bräuchte die Stadt möglicherweise einen Nachtragshaushalt.

Herzogsägmühle möchte Anteil erneuerbarer Energien erhöhen

Doch wie kam es zu dem Kontakt zwischen Herzogsägmühle und Schongau? Ursache sind Überlegungen über die zukünftige Energiegewinnung von Herzogsägmühle, wie Infrastruktur-Leiter Josef Schuh auf SN-Nachfrage sagte. „Wir wollen den Anteil erneuerbarer Energien erhöhen.“ Der beträgt derzeit rund fünf Prozent, vor allem durch ein Blockheizkraftwerk, das mit Hackschnitzel betrieben wird. Der Rest läuft vor allem über Erdgas und etwas Öl. Laut Schuh befasse man sich mit drei möglichen Szenarien: Ein externer Anbieter könnte Herzogsägmühle ein regeneratives Kraftwerk hinstellen, da habe es bereits Gespräche mit der Privatwirtschaft gegeben. Herzogsägmühle könnte so etwas auch selber betreiben, das wäre Möglichkeit zwei. Und Lösung drei wäre eben der Anschluss an die Schongauer Fernwärme für Warmwasser und Heizungen. Angeschlossen würden rund 50 Gebäude mit 1000 Menschen. „Aber wir wollen in Ruhe überlegen“, sagt Schuh.

Erforderliche Leitung würde viel Geld kosten

Auch in Schongau wird fleißig überlegt. Seit einem dreiviertel Jahr sei man in Gesprächen mit Herzogsägmühle, sagt der technische Stadtwerke-Leiter Walter Frömmrich. „Wir haben zunächst intern die Machbarkeit geprüft, und es ist machbar.“ UPM, das die Fernwärme an die Stadt liefert, könnte mit seinen Kraftwerken noch weit größere Mengen liefern. Die große Frage ist: Rechnet sich die Ausweitung? „Wir müssen auf die schwarze Null kommen“, sagt Frömmrich.

Die Kosten sind enorm. 3,6 Kilometer lang wäre die nötige neue Hauptleitung von UPM nach Herzogsägmühle, sie würde sich am Straßenverlauf orientieren und am Loamer Stichl Richtung Dießener Straße abbiegen. Praktischerweise will das staatliche Bauamt im Jahr 2017 die Peitinger Straße sanieren, die Stadt könnte also die nötigen Leitungen zumindest zum Teil kostengünstig im Erdreich versenken. „Deshalb brauchen wir einigermaßen zeitnah eine Entscheidung. Es macht ja keinen Sinn, eine frisch sanierte Straße ein Jahr später wieder aufzureißen“, sagt Hefele.

Boris Forstner

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