Aus dem Schongauer Stadtrat

Unzufriedenheit trotz Zuschüsse

Schongau - Gleich über drei Zuschussanträge mussten die Schongauer Stadträte entscheiden. Und obwohl viel Geld floss, waren die meisten nicht wirklich zufrieden – sowohl Antragsteller als auch Stadträte.

Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) überschlug sich fast vor Lobeshymnen. „Das wäre für den Tourismus und die Belebung der Altstadt ein Riesen-Gewinn“, sagte er über das Vorhaben des Vereins Schongauer Sommer und der Theatergruppe Treibhaus, den Henkerstochter-Roman von Oliver Pötzsch nächstes Jahr als Weltpremiere auf die Freiluft-Bühne zu bringen (wir berichteten). „Da haben sich zwei Parteien zusammengefunden, die ihr Handwerk beherrschen und etwas auf die Beine stellen können.“ Man habe sich bereits im Vorfeld mit den Fraktionschefs zusammengesetzt, um über den Zuschuss-Antrag von Schongauer-Sommer-Chef Manfred Wodarczyk über 15 000 Euro zu diskutieren, so Sluyterman, der folgenden Vorschlag machte: Der bisherige Zuschuss in Höhe von 5000 Euro soll beibehalten werden, dazu kommen 5000 Euro Sonderzuschuss sowie ein möglicher Defizitausgleich von höchstens 5000 Euro.

„Das ist ein guter Kompromiss“, sagte Michael Eberle (CSU), und auch Barbara Karg (SPD) freute sich schon auf das Festspiel, zumal die Henkerstochter mit ihrer Bekanntheit sicher attraktiv sei. „Ich werde bei Stadtführungen oft angesprochen, wann es wieder ein Festspiel gibt, deshalb ist das eine tolle Sache“, so Kornelia Funke (CSU). Der Beschluss fiel einstimmig, lässt Wodarczyk aber mit gemischten Gefühlen zurück. Denn 500 Euro hat es schon bisher für den Historischen Markt bekommen, „die gehen zum größten Teil wieder für Bauhofleistungen an die Stadt“. Da der Defizitausgleich erst im Nachhinein greifen würde, habe er nach seiner Rechnung von den erhofften 15 000 Euro für die Festspiel-Vorbereitung nur 5000 bekommen. „Auch wenn es sich bei der Summe komisch anhört, bin ich schon etwas enttäuscht“, gibt Wodarczyk zu.

-Ähnlich verhält es sich bei der Stadtkapelle Schongau. Die hatte einen 5000 Euro-Zuschuss für das Freiluftkonzert Schongau Classics beantragt, das vergangenes Wochenende auf dem Schongauer Marienplatz hunderte Zuhörer begeistert hatte. „Es war ein Riesen-Ereignis, ein Gewinn, eine Bereicherung“, schwärmte Sluyterman. Deshalb falle es ihm schwer, etwas Essig ins Wasser schütten zu müssen: „Ich will die Veranstaltung nicht schmälern, aber es war letztlich ein einmaliger Abend. Beim Schongauer Sommer geht es um acht Aufführungen.“ Deshalb schlage er vor, den Zuschuss auf 2500 Euro zu halbieren.

Da war Michael Eberle (CSU) anderer Meinung. „Wenn man sich die viele Arbeit anschaut, ist das gerechtfertigt.“ Nina Konstantin (ALS) dagegen ging noch einen Schritt weiter: Sie wollte die 2500 Euro nur als Defizitausgleich zahlen, also wenn die Veranstalter Verlust gemacht haben. „Schließlich hieß es im Vorfeld von der Stadtkapelle, man wolle keinen Gewinn machen.“

Ilona Böse (SPD) war wie alle auch begeistert von dem Konzertabend, fand es aber schade, dass der Antrag der Stadtkapelle erst Ende Juni eingegangen war. „Denn wir wären gerne auf den Flyern erwähnt gewesen.“ Während Eberle die „Bapperl“ egal waren, stieß Friedrich Zeller (SPD) ins selbe Horn: „Mit dem Logo wären wir in allen Medien präsent gewesen. Man könnte schon erwarten, dass der wichtigste Sponsor erwähnt wird.“ Gar „unmöglich“ fand es Siegfried Müller (ALS), dass die Stadt mit eingeplanten 5000 von insgesamt 9500 Euro Sponsorengeldern nicht aufgetaucht ist. Stephan Hild (UWV) dagegen sah es pragmatisch: „Wir sollten die volle Summe zahlen, denn die fließt in die Jugendarbeit.“ Doch die Abstimmung für den 5000-Euro-Zuschuss verloren CSU und UWV gegen die SPD/ALS-Mehrheit knapp mit 10:11 Stimmen, der gekürzte Zuschuss wurde schließlich mit 18:3 genehmigt.

Michael Völk, Vize-Vorstand der Stadtkapelle, kann mit der Entscheidung leben, hatte aber natürlich mehr erhofft. „Wir sind erst so spät auf die Stadt zugekommen, weil wir versucht haben, vor allem externe Sponsoren anzusprechen.“ man wolle als städtischer Verein nicht als erstes bei der Stadt anfragen, werde sich das aber künftig überlegen – „offenbar ist es so gewünscht“. Da die 5000 Euro in der Kalkulation mit eingeplant waren, hofft Völk, mit einem blauen Auge davonzukommen – ein Minus werde es sicher geben. „Wir müssen den Verein nicht zusperren, aber freuen tue ich mich auch nicht“, so Völk.

-Schließlich hatte der TSV Schongau noch mehrere Zuschussanträge gestellt. Die Erneuerung der Absperrung der Schneegrube im Eisstadion (500 Euro Zuschuss) war noch unstrittig. Die turnusmäßig fällige Überprüfung des Eishalle-Dachs dagegen sorgte schon für Bedenken, und erst Recht der Ersatz einer großen Bodenmatte für mehrere tausend Euro, weil auch die Schulen davon profitieren. „Was lassen wir uns das nächste Mal einfallen?“, fragte Eberle im Hinblick auf die geänderten Zuschussregeln, die so einen städtischen Beitrag eigentlich ausschließen. Den CSU-Antrag, das erst vor einigen Wochen neu aufgestellte Regelwerk für Zuschüsse wieder zu kippen, wurde aber mit 7:14 Stimmen abgelehnt. Die Zustimmung für die Zuschüsse folgte dann mit 20:1 Stimmen.

Doch Eberle hoffe, „dass der TSV weiß, dass er mit diesem Antrag seinen ersten von zwei Schüssen für städtische Zuschüsse in den nächsten zehn Jahren schon verschossen hat“. Denn genau das sehe der Beschluss vor, gegen den die CSU damals vehement gekämpft hatte.

Boris Forstner

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