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Stadtrat Schongau: Grundschule kostet Stadt zehn Millionen Euro

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Lagerräume sorgten für Diskussion
Lagerräume sorgten für Diskussion

Schongau - Rund zehn Millionen Euro kommen auf die Stadt für den Neubau der Grundschule am Schulzentrum zu. In der Stadtratssitzung am Dienstagabend wurde das Raumprogramm beschlossen.

Rund zehn Millionen Euro kommen auf die Stadt für den Neubau der Grundschule am Schulzentrum zu. In der Stadtratssitzung am Dienstagabend wurde das Raumprogramm beschlossen - nicht ohne längere Diskussionen vor allem um Lagerräume, von denen kaum jemand wusste.

Wie bei Gymnasium und Realschule auch, gibt die Regierung von Oberbayern einen förderfähigen Raumbedarf vor, der als Grundlage der Planung dient. Der Landkreis hat Ende Februar das Raumprogramm für Realschule und Gymnasium bereits beschlossen, jetzt war die Stadt - die die Unterlagen etwas später erhalten hatte - für Grund- und Mittelschule dran. In Vorgesprächen mit der Grundschul-Leiterin Ulla Heitmeier haben sich aber einige Diskrepanzen ergeben. So sieht die Regierung nur 16 Klassen und vier Gruppenräume vor, Heitmeier hat aber je drei mehr eingefordert. Da habe man sich schließlich auf je einen Raum zusätzlich geeinigt, sagte Stadtbaumeister Ulrich Knecht in der Sitzung. Auch zwei zusätzliche Werkräume, die nicht gefördert werden, wurden unter anderem mit aufgenommen sowie eine Schülerbibliothek, die Knecht als „Herzensangelegenheit“ von Heitmeier beschrieb. Auch die Turnhalle würde komplett ersetzt.

Die Gesamtkosten für den Grundschul-Neubau bezifferte Knecht auf 13,8 Millionen Euro, mit eingerechnet die staatliche Förderung. Abzüglich der nicht förderfähigen „Sonderwünsche“ würden für die Stadt - auf der Basis von statistischen Annahmen, wie viel ein Raum theoretisch kostet - noch 9,55 Millionen Euro übrig bleiben. „Ein guter Kompromiss“, fand Knecht.

Fraglich waren nur zwei Aspekte: Mit eingerechnet in die Kosten wurden auch fünf Lagerräume zu je 50 Quadratmeter, die derzeit an der Grundschule bestehen und gemeinsam mit Vereinen genutzt werden, mit denen die Schule eine enge Kooperation hat, so Knecht. „Ich bin überrascht, dass es die Räume überhaupt gibt. Meiner Meinung nach muss man die nicht unbedingt im Schulhaus unterbringen“, sagte Knecht. Und in den sogenannten Y-Bau mit der Verwaltung, der 1995 komplett für viel Geld saniert worden war, müssten vermutlich wieder einige hunderttausend Euro gesteckt werden. „Muss man den Bau erhalten, oder macht man alles neu, womit man natürlich flexibler wäre?“, so Knecht.

Diese Fragen sorgten für heftige Diskussionen. Brigitte Ressle (UWV) wollte erst einmal wissen, welche Vereine denn mit der Grundschule kooperieren. „Wir arbeiten sehr intensiv mit Theaterverein und Musikschule zusammen, wir haben eine Bläserklasse, und die Instrumente lagern hier“, zählte Heitmeier auf. Die Ballettschule stelle Kostüme für Aufführungen zur Verfügung, die Prinzengarden haben ihre Kostüme dort. „Diese Zusammenarbeit ist mir wichtig, wir wollen die Schule ja nach außen öffnen“, sagte die Rektorin.

Michael Eberle (CSU) war trotzdem entsetzt über die Kosten: Umgerechnet würden die fünf Lagerräume mit 800 000 Euro zu Buche schlagen. „Dafür kann ich mir vier Reihenhäuser bauen.“ Till Fischer vom begleitenden Architekturbüro von Angerer bremste aber gleich: Es handele sich nur um pauschale statistische Ansätze. „Die Räume werden am Ende sicher viel billiger sein.“ Eberle blieb aber ebenso wie Helmut Hunger (CSU) skeptisch, und auch Robert Bohrer (SPD) wunderte sich „über eine Subventionierung des Faschingsvereins, von der ich noch nichts gewusst habe“. Helmut Schmidbauer (CSU) dagegen war dafür, diese Lagerräume zur „Belebung der Schulqualität“ zu bauen, und auch Peter Blüml (CSU) war der Meinung, dass sie nicht 800 000 Euro kosten werden. Architekt Fischer brachte schließlich die Lösung: „Wir planen die Räume mit, weglassen können wir sie immer noch.“ Dieser Vorschlag wurde mit drei Gegenstimmen akzeptiert.

Ähnlich kontrovers ging es beim Erhalt oder Abriss des Y-Baus zu. Letzteres sei sicher schwer vermittelbar, so Bohrer. Andererseits könnte man vermutlich ganz anders planen, ganz zu schweigen von den energetischen Einsparmöglichkeiten eines einheitlichen Schulkomplexes. „Und es ist ein Hemmschuh, wenn so ein Riegel in der Mitte steht“, bestätigte Fischer.

Doch das ging vor allem der CSU zu weit. „Wir können keine intakten Gebäude abreißen“, empörte sich Schmidbauer. „Da erklären uns doch alle für verrückt.“ Auch Eberle fürchtete deshalb Mehrkosten von mindestens zwei Millionen Euro, und Hans Hartung (CSU) war sich sicher: „Architekten müssen auch mit dem Y-Bau gestalterisch etwas machen können.“ Gegen vier Stimmen der SPD wurde entschieden: Das Y bleibt.

bo

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