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Am Altar: Stehend von links Wiespfarrer Monsignore Gottfried Fellner, Probst Eduard Fischnaller, Diakon Armin Eder und Pfarrer Martin Kirchbichler.

Schutzengelfest in der Wies

Stärkung und Trost für den Pilgerweg beim Schutzengelfest in der Wies

Mit einem feierlichen Pontifikalgottesdienst haben die zahlreichen Gläubigen beim Schutzengelfest in der Wies ein Stück Himmel auf Erden sowie Stärkung und Trost für ihren Pilgerweg des Glaubens erfahren. Erhebend die Wiederaufführung der „Missa solemnis“ von Pater Gregor Schreyer durch Solisten, Chor und Orchester der Valleyer Barockmusikfreunde unter Leitung von Sixtus Lampl.

Wies – „Wenn wir zum Gottesdienst kommen, sollen wir als Verwandelte zurückkehren.“ Probst Eduard Fischnaller vom Kloster Neustift bei Brixen rief alle Teilnehmer des Gottesdienstes auf, sich wie der Zöllner Zachäus zur Umkehr zu bewegen und dem Mitmenschen in Frieden zu begegnen, ihn wahr und ernst zu nehmen. Und als wollte der Heilige Petrus dies unterstreichen, schickte er nach dem anhaltenden Regen der vergangenen Tage Sonnenstrahlen durch die Fenster des Rokokojuwels Wieskirche. So dass die Wies einmal mehr in ihrem Vierklang von Kunst, Theologie, Musik und Licht erlebt werden konnte.

Freudestrahlend begrüßte Monsignore Gottfried Fellner den Probst als kostbares Zeichen der Verbundenheit Südtirols, wo der Wiesheiland bis zum heutigen Tage große Verehrung findet. Mit dabei wiederum Pfarrer Martin Kirchbichler aus Münsing, der schon seit seinen Kindertagen in Peiting als Wallfahrer hier her kommt. Trotz widriger Umstände – drei Tage Hitze, zwei Tage Dauerregen – hatten sich auch heuer wieder 19 Pilger aus Dillingen unter der bewährten Leitung von Xaver Käser zu Fuß auf den Weg in die Wies gemacht.

Ein Bravourstück die „Missa solemnis“ in C-Dur, die Pater Gregor Schreyer im Jahr 1755 zur 300-Jahrfeier des Kloster Andechs komponiert hat. Eine Kopie davon im Kloster Weyarn legte Dr. Sixtus Lampl der Neuaufführung zum 250. Todesjahr des Komponisten zugrunde. Gute 400 Schreibstunden waren dafür erforderlich, um sie auf die heutige Notenschreibweise für Streichorchester, zwei Trompeten, zwei Flöten und Orgel zu übertragen.

Chor und Orchester der Vallayer Barockmusikanten – hier im Pilgergarten – sorgten für einen festlichen musikalischen Rahmen des Schutzengelfestes.

Dass sich diese Arbeit gelohnt hat, unterstrich der Laienmusikkreis aus dem Landkreis Miesbach eindrucksvoll. Daran hätten sicherlich auch Pater Magnus Straub vom ehemaligen Prämonstratenserkloster Steingaden und Baumeister Dominikus Zimmermann ihre Freude gehabt. An der Orgel begleiteten Inge Lampl und Franz Brannekemper den Valleyer Schlosschor mit Orchester.

In seiner Predigt stellte Probst Eduard Fischnaller das Haus Gottes mit seinen lebendigen Steinen in die Mitte. „Durch Jesus Christus haben wir alle einen Zugang zu Gott. Er hat uns vorgelebt, was es heißt, Menschen einzuladen, so unterschiedlich sie auch sind, und mit ihnen gemeinsam verantwortlich zu leben.“

Ein wunderbares Beispiel dafür – auch in der Wies dargestellt – sei die Geschichte des Oberzöllners Zachäus, der aus eigener Anstrengung nicht aus dem Teufelskreis der Einsamkeit und Ablehnung herauskommt. „Jesus predigt keine Umkehr, sondern er lässt den Zachäus seine bedingungslos annehmende Liebe erfahren. Die Erfahrung dieser Liebe führt den Oberzöllner zur Umkehr“, so Fischnaller. „Seine Augen, die bisher nur auf sich selbst geschaut haben, öffnen sich, und er sieht die Menschen, wie sie sind. Er nimmt sie wahr und wird ihr Bruder.“
Gerhard Heiss

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