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Standesämter im Schongauer Land auf schwieriger Partnersuche

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Der Zusammenschluss zweier Menschen ist künftig auch ursächlich für den Zusammenschluss von Gemeinden. kn
Der Zusammenschluss zweier Menschen ist künftig auch ursächlich für den Zusammenschluss von Gemeinden. kn

Schongau - Den Standesämtern stehen einschneidende Veränderungen bevor. Auslöser ist die Reform des Personenstandswesens mit der Einführung elektronischer Register für Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle im jJhr 2014.

Damit verbunden sich auch erhebliche Kosten, weshalb Zusammenschlüsse von Gemeinden Thema werden.„Das ist ein ganz heißes Eisen“, möchte Schongaus Standesbeamter Reinhold Jaser zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich gar nicht so viel dazu sagen. Doch dann lässt er sich doch ein paar Fakten entlocken. Das neue Software-Programm beispielsweise ist in der Lechstadt bereits seit geraumer Zeit vorrätig. Bislang, so verrät er, habe man für die Bearbeitung Kosten von 1800 Euro gehabt, die neue, elektronische Version schlage allerdings mit 5000 Euro und mehr zu Buche. Mehr auch deshalb, weil für die erforderliche Technik weitere Ausgaben dazukommen würden.

Im Ostallgäu sind die Diskussionen bereits voll entfacht. So existiert infolge der geplanten Neuerungen bereits ein Verbund zwischen Füssen, Schwangau und Lechbruck. „Mit gutem Erfolg“, wie Lechbrucks Gemeindechef Helmut Angl betont und seinen Kollegen ins Stammbuch schreibt, über ein ähnliches Vorgehen nachzudenken. Die Rathauschefs aus Halblech und Roßhaupten lehnen das allerdings unter Hinweis auf Eigenständigkeit, die sie behalten wollen, kategorisch ab. Unterdessen haben sich die Stöttener inzwischen Marktoberdorf angeschlossen.

Jaser hält beispielsweise einen Verbund mit Peiting und Altenstadt für machbar, will diesbezüglich aber keinen Vorstoß unternehmen. „Das müssen die selbst entscheiden. Wir haben hier Arbeit genug.“ Vor zwei Jahren hatte Jaser den Vorschlag im Altlandkreis unterbreitet, war damit aber auf wenig Gegenliebe gestoßen. „Unsere Bürgermeister waren durch die Bank dagegen.“

Steingadens Rathauschef Xaver Wörle kann das nur bestätigen. „Ich bin voll auf der Linie meiner Kollegen aus Halblech und Roßhaupten. Man will uns nach und nach alles nehmen und eine Zentralisierung anstreben. Wir aber wollen unsere Eigenständigkeit bewahren.“

Klare Worte, denen noch deutlichere folgen. „Wir werden mittlerweile von übergeordneten Stellen mit E-Mails, die man wegen ihrer Ausführlichkeit noch nicht mal am Wochenende mehr bewältigen kann, zugemüllt. “ Und weiter: „Wir machen uns das Leben so brutal schwer, weil die Auflagen ständig mehr werden. Da lobe ich mir Italien, die damit begonnen haben zu entbürokratisieren. Das wäre bei uns auch dringend nötig.“

Auch in Bernbeuren denkt man nicht daran, das Standesamt aufzugeben. „Wir werden alles daran setzen, es so lange wie möglich zu behalten“, erklärt Hermann Waibl, Verwaltungschef und gleichzeitig auch Standesbeamter. Gleichwohl werde man genau beobachten, „was da für Zahlen und Kosten auf uns zukommen“. Bei einem Zusamenschluss müssten zwischen zwei und 2,50 Euro pro Einwohner an diejenige Gemeinde entrichtet werden, die die Elektronik bereithält. „Da können wir das Standesamt auch selbst weiterführen.“

Und die Peitinger? „Zum jetzigen Zeitpunkt ist an eine Zusammenführung nicht gedacht, weil sich das EDV-Programm zwar ändern wird und höhere Kosten auf uns zukommen, aber wir Beschäftigte haben, die extra fürs Standesamt ausgebildet wurden“, erklärt Bürgermeister Michael Asam. Und weiter: „Wir wollen zudem den Service vor Ort erhalten, so lange dies möglich und wirtschaftlich tragbar ist.“

Zurückhaltend gibt sich auch Denklingens Bürgermeisterin Viktoria Horber. Vor Jahren, sagt sie, habe man bereits versucht, mehrere Standesämter zusammenzuschließen, doch sei dies beim Versuch geblieben. „Ich denke aber, das wird Thema bei einer unserer nächsten Bürgermeisterdienstbesprechungen sein.“ Zudem existiere im Landkreis Landsberg eine Kommission für interkommunale Zusammenarbeit, die sich ebenfalls des Themas annehmen könne. Horber weiter: „Prinzipiell kann ich mir einen Verbund schon vorstellen, wenn er Sinn macht, doch müssen wir das zunächst intern besprechen.“ Und: Schließlich gebe es den ja auch nicht zum Nulltarif, weswegen man die Kosten gegeneinander aufrechnen müsse. Horber: „Sind das 2,50 Euro oder mehr, ist zu überlegen, ob wir es nicht selbst schultern.“

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