Sang schon an „allen wichtigen Theatern“: Franz Hawlata 2007 bei einer Probe für „Die Meistersinger von Nürnberg“ bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth (als Hans Sachs). Kommenden Sonntag ist er Solist in der Wieskirche. dpa

Star-Bariton Hawlata singt lieber in der Wieskirche als an der Met in New York

Wies - 1986 hat er - mit 22 Jahren - am Gärtnerplatztheater in München debütiert. In der Folge wurde Bassbariton Franz Hawlata zu einem der gefragtesten Sänger seines Fachs.

Seit 1994 ist er an der Wiener Staatsoper engagiert, er sang bei den Salzburger und Bayreuther Festspielen, in der „Opéra National de Paris“ und der „Met“ in New York. Am kommenden Sonntag ist der 49-Jährige, der in Riedering am Simssee lebt, als Solist bei der „Musik im Pfaffenwinkel“ in der Wieskirche zu erleben.

-„Metropolitan Opera“ in New York oder Wieskirche bei Steingaden - wo ist es schöner zu singen?

Franz Hawlata: Natürlich in der Wieskirche! Bedeutender ist es vielleicht in der „Metropolitan“, aber in der Wies ist es viel schöner.

-Gegenüber den sonstigen Auftritten liegt die Wieskirche für Sie ja fast ums Eck. Genießen Sie das besonders?

Ja, total. Im Sommer mach’ ich sowieso nichts anderes mehr, denn den will ich auch mit meinen zwei Kindern verbringen. In die Wies, das ist ein schöner Tagesausflug.

-Wie bereiten Sie sich auf dieses Konzert vor?

Ich hab’ das „Deutsche Requiem“ ja zum Glück schon ein paar Mal gesungen. Also lese ich es mir zwei, drei Mal am Klavier durch, dann gibt es eine lange Probe mit dem Dirigenten. Stimmlich bin ich ohnehin mitten im Training.

-Was bedeutet Ihnen Brahms’ „Deutsches Requiem“? Wissen Sie, wie oft Sie es schon gesungen haben?

Ich schätze mal, so etwa 40 bis 50 Mal... Jedes Stück dieser Preisklasse hat seine eigenen Reize. Ich mag diese nordisch-kühle Art von Glauben, die darin zum Ausdruck kommt, ganz gern. Und das ist eine Super-Kombination mit dem Barock der Wieskirche.

-Der Chor dieser Aufführung besteht im Wesentlichen aus Laien. Ist das für Sie als Solist ein anderes Arbeiten als mit Profi-Sängern?

Es ist im Bereich der geistlichen Musik eigentlich schöner. Denn gute Laien sind sehr viel mehr motiviert. Ich finde, es ist auch eine wichtige gesellschaftliche Arbeit, so etwas zu unterstützen. Das darf nicht aussterben. Und im Orchester sind ja ohnehin richtig gute Profis dabei.

-Wann war Ihnen selbst eigentlich klar, dass Sie Profi-Sänger werden?

Relativ bald nach dem Stimmbruch. Ich hab’ erst Klavier und Musikwissenschaft studiert, aber Pianist ist ein sehr einsamer Beruf - und ich bin eher ein geselliger Mensch, ich arbeite gern im Team. Musiker wollte ich immer schon werden. Auch Theater interessiert mich sehr, von daher ist Oper die perfekte Verbindung.

-Konnten Sie sich damals vorstellen, eine solche Karriere zu machen?

Man wünscht sich so was natürlich, man malt es sich in den kühnsten Träumen aus. Aber dass es so klappt, ist überhaupt nicht vorherzusehen - das ist großes Glück. Daszu braucht es die richtigen Menschen am richtigen Ort, die richtige Stimme zur richtigen Zeit, und auch die richtigen Berater. Ich war offenbar bereit dazu, aber es war auch großes Glück. Man kann sich das vorher nicht vorstellen - allerdings auch nicht die harte Arbeit und die Anstrengungen, die damit verbunden sind.

-Gibt es etwas, das Sie unbedingt noch erreichen wollen?

Im sängerischen Bereich habe ich, glaube ich, schon alles gemacht. Ein paar Rollen gibt’s natürlich noch, die einen besonders interessieren. Aber an allen wichtigen Theatern war ich schon. Das Schöne ist, dass immer wieder neue Talente, interessante Musiker nachkommen, mit denen man arbeiten möchte. Was ich irgendwann gern machen würde, ist, die Intendanz eines Theaters zu übernehmen - wenn ich aufhöre mit dem Singen. Aber da hab’ ich noch Zeit, davor habe ich noch viele Sachen zu singen.

-Was sollte in der Kritik über das Wieskonzert am Sonntag über den Solisten Franz Hawlata stehen?

Was derjenige, der sie schreibt, ganz subjektiv gehört hat - das ist für mich das Schönste an einer Kritik. Das muss keine Lobeshymne sein. Je persönlicher und emotionaler, desto schöner finde ich eine Kritik. Was ich gar nicht mag, ist, wenn man vergleicht und ein komisches Vorwissen hineinbringt. Ehrlich und subjektiv, das ist mir am allerliebsten.

-Werden Sie die Kritik lesen?

Ja, ich krieg’ das sicher zugeschickt, und natürlich werde ich’s lesen. Die Kritik, als ich zuletzt in der Wieskirche gesungen habe, war ja sehr schön - und sehr rührend.

Das Konzert

von „Musik im Pfaffenwinkel“ beginnt am kommenden Sonntag, 30. Juni, um 19 Uhr in der Wieskirche. Neben „Ein deutsches Requiem“ von Brahms erklingt der „Nachtgesang für großes Orchester“ von Wilfried Hiller (geb. 1941). Unter der Leitung von Christian Fröhlich singen und spielen der Gemischte Chor im Pfaffenwinkel, die Chorgemeinschaft St. Cäcilia Germering und Mitglieder des Bayerischen Staatsorchesters. Sopran-Solistin ist Bettine Kampp. Karten: Medienhaus Weilheim (Münchener Straße 1, Tel. 0881/18967) oder unter Telefon 08861/93580. Info: www.musikimpfaffenwinkel.de.

mr

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