Stolz präsentiert Ida Jahl aus Schwabsoien die beiden „Starahehla“, die sie vor zwei Jahren geschenkt bekommen hat. Ihr waren die beiden Starenkästen aber zu schade, um sie irgendwo im Garten aufzuhängen. Stattdessen bekamen sie einen Platz im Wintergarten und dienten als Deko.

50 Starenkästen zum 50. Geburtstag

Schwabsoien - Es ist wirklich ein ganz besonders ideenreiches Geschenk, das Ida Jahl aus Schwabsoien zu ihrem 50. Geburtstag bekommen hat: Ein Vogelhaus für 50 Starenpärchen.

Das Geschenk passt wie die Faust aufs Auge. Es sollte etwas für den Garten sein, was nicht jeder hat. Ausgefallen, bunt - und ein wenig zum Schmunzeln anregen. Schließlich ist Ida Jahl die Vorsitzende des Schwabsoier Obst- und Gartenbauvereins. Ihr Garten selbst ist eine Oase für ausgefallene Gartenkultur. Nicht steril und einfarbig grün, kunterbunt liebt es Ida. Grün ist nur ihr Daumen, mit dem sie Leben in ihre gepflanzten Schützlinge einhaucht. Den witzigen Zwergseidenhühnern inbegriffen.

Das Geschenk kommt von drei Freundinnen, die sich immer gegenseitig zu den Geburtstagen etwas einfallen lassen. Seit der Schulzeit sind die Mädels ein eingeschworenes Quartett. Irgendwann kamen die Männer dazu, zwangsweise. Diese schlugen aber in dieselbe Kerbe, was den Einfallsreichtum angeht. Ganz ohne Hemmungen. Und es wurde immer etwas Besonderes kreiert. Nichts vom Kaufhaus, nichts von der Stange. Die eigene Handschrift ist gefragt. Man schenkt dem Jubilar seine Zeit, also etwas ganz Kostbares.

Wie kam es zu der Reihenhaus-Wohnanlage für paarungswillige Stare? Wie entstand der Swingerclub für einen schnellen Flirt mit lautstarkem Schnäbeln? Heidrun Linder verrät die Details.

Vor zwei Jahren haben die kreativen Frauen der Ida zwei Vogelhäuschen geschenkt. Zwei Unikate, mit Hilfe der Männer gebaut. Heidruns Ehemann Fritz sägte, leimte und schraubte, Heidrun und Freundin Hanne malten. Die Übergabe genau am 48. Geburtstag von Ida. Rührung war vorprogrammiert, Idas Geschmack war voll getroffen. Doch die Häuschen fanden ihren Platz nicht im Freien, wo sie hingehören, Ida schmückte damit ihren Wintergarten. Unerreichbar für liebestolle Stare. Zweckentfremdet sozusagen.

Zwei Jahre lang ließ dieser Zustand Fritz Linder keine Ruhe. Linder, dem der Schalk immer ein wenig im Nacken sitzt, hatte die zündende Idee. Es muss eine - Original-Ton Linder - „Starahehla“, zu deutsch „Starenhöhle“, gebaut werden. So groß, dass diese in keinem Wintergarten mehr Platz hat. Und der 50. Geburtstag muss auch irgendwie in das Projekt eingebracht werden.

Die Wohnanlage von 4,50 Metern Breite und in luftiger Höhe. Diese haben ihr ihre Freundinnen und deren Männer zum 50. Geburtstag geschenkt. Fotos: Hans-Helmut Herold

Das Ergebnis nächtlicher Überlegungen vor dem Einschlafen wurde der besagte Starenlusttempel mit 50 Séparées. Fast wie im richtigen Leben. Ausgangsmaterial ist eine Dreischichtplatte von zwei mal fünf Metern. Planer, Architekt und Bauleitung: Fritz Linder, der „beim Toni (Eirenschmalz) in der Tenna“ für die nächste Zeit seine Abende verbringt. Heidrun mischt kräftig mit. Für eine 4,50 Meter lange Holzkonstruktion braucht man einfach Helfer. Farbe bringt Heidrun ins Spiel. Eine kunterbunte Idee. Alle Freunde und Bekannte sollen die Frontansicht eines der Séparées bemalen. Frei in den Gedanken, verwegene Motive das Ergebnis.

Und alles natürlich still, heimlich, von der Außenwelt abgeschottet. Vor allem von Ida´s Außenwelt. Gar nicht so einfach, bei einem Umfeld von erzählungswilligen Frauen. Fritz überlässt nichts dem Zufall. Vor allem nicht die Fundamente für das Lusthotel. Zweimal werden Löcher ausgehoben, über einen Meter tief. Eineinhalb Kubikmeter Beton wurden verbraucht, auf vier Meter Höhe die Siedlung gehieft. Bombenfest. Die Liebesnächte können kommen.

Und sie kamen. Bei „Bed and Breakfast“ wurde das erste Quartier bezogen, „Zum goldenen Hasen“ war die nächste sturmfreie Bude. Mittlerweile haben sich fünf Pärchen gebildet, die für Nachwuchs sorgen wollen. Es rührt sich was in luftiger Höhe im Garten der Jahls. Sehr zum Nachteil von Garfield & Brochito, der beiden Katzen im Hause Jahl. Die können nur noch zusehen. Vom Boden aus.

Seine Mittagsschlafgewohnheit hat sogar Ehemann Bernhard geändert. Bestürmte er bis dato sein geliebtes Kanapee, wechselte er auf den Liegestuhl im Garten. Ein Auge Nickerchen, ein Auge immer am Geschehen. Besser als jedes Fernsehprogramm.

Hans-Helmut Herold

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