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Helmutti, der kleine Helmut Angl, war mit seinem Namen nicht zufrieden.

Starkbierfest in Lechbruck

Helmutti und die Vergesslichkeit

Lechbruck - Gemeinsam haben die Musikkapelle Lechbruck und der Kampfplatzverein wieder das Starkbierfest in der Lechhalle ausgerichtet. Heuer live „übertragen“ mit Singspiel und Derblecken; einen besonderen Auftritt hatte auch der kleine Helmut wieder.

Scheinbar hatte das in den vergangenen Jahren nicht so richtig funktioniert mit dem Applaus und dem Lachen des Publikums. Weshalb die Lecher heuer nichts dem Zufall überließen bei ihrem Starkbierfest. Regieassistent und Kameraleute ließen das Publikum aufs Stichwort Klatschen und Anstoßen, auch ein Probelachen war fällig, da nicht klar war, ob die Lechbrucker viel zu lachen hätten. Einwände gab es dann ob der weißen Westen am Tisch der Gemeinderäte, nachdem man auch den Bürgermeister gefunden hatte, der, so scheint es, klein geworden ist.

Nachdem diese Formalien geklärt waren, konnte heuer Stefan Fichtl gerade noch die Gäste in der Lechhalle begrüßen, ehe es im Karton rappelte und ihm der kleine Helmut ins Wort fiel, um sich selber zu begrüßen. Der ist, tat er kund, weder mit seinem Namen – Helmutti – noch mit seinem Aussehen zufrieden. Der Name, so Stefan Fichtl, käme daher, da er ja noch ein bisschen kleiner sei als der Helmut Angl. Und das Aussehen, nun ja, er sehe eben aus wie Helmut Angl.

„Was treibt die Lecher um?“, fragt der heilige Nepomuk. Nichts los.

Gute drei Stunden Programm sollten nach dem Anzapfen vor dem Publikum liegen, das heuer die Anweisung hatte, nicht direkt in die Kameras zu schauen und vor allem dem Dorfheiligen zuzuprosten, wenn dieser zum Maßkrug griff. Ein Jahr hatte der heilige Nepomuk wieder auf der Brücke ausgeharrt, sich nur des Nächtens durchs Dorf geschlichen um zu hören und zu sehen, was die Lecher so umtreibt. Und was soll man sagen, bzw. der Dorfheilige – es war wieder mal nix los! Das könnte mit der allerorten grassierenden Vergesslichkeit zu tun haben, folgerte der Heilige, benannt nach diesem Arzt, also der Dings. Und so erinnerte der Nepomuk die Räte an die Jugendveranstaltung am See, oder im House und ihre Mehrheitsentscheidungen.

„Mit uns nicht“: Singspiel beim Starkbierfest Lechbruck.

Dass die Gemeinderäte und der Bürgermeister beim diesjährigen Faschingsumzug der Premer so gar keine Rolle gespielt hätten, verstand der Nepomuk nicht. Ein vergesslicher Ex-Pfarrer, ja, aber it amol der Bürgermeister. Jedenfalls nicht der aktuelle, denn der alte kam sehr wohl vor. Und man erkenne, so Stefan Fichtl, der seit jeher den Geistlichen auf der Bühne spielt, dass man sich mit dem Abreißen einer Schule nicht für die Schlagzeilen qualifiziere. Eher noch mit den Hinterwäldlern im Baugebiet, die, dem Herrn sei Dank, zumindest aus einem sicheren Herkunftsland kämen.

Als Antwort auf den viel zitierten Satz der Kanzlerin „Wir schaffen das“ soll sich ja, so mutmaßte der Brückenheilige, Helmut Angl hingesetzt und Brainstorming betrieben haben. Nun heiße es: „Ich schaffe das“. Obwohl, die eine Zahl habe er ja gar nicht geschafft, jedenfalls die 300 000-Marke bei den Übernachtungen. „Knapp war’s“, auch wenn Helmut Angl 6000 Onkel und Tanten und Verwandte noch mit einrechne. Vielleicht sollte man bei all diesen Superlativen doch Obergrenzen einführen und dem Rathauschef mit auf den Weg geben: „Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund!“, so der Nepomuk. Ansonsten könnte es bald heißen: Ich schaffe euch. Denn mit dem Tempo des Rathauschefs mitzuhalten, das hatte man auch beim Singspiel herausgefunden, sei gar nicht so einfach.

Tipp für Angl: „Flieg nicht zu hoch, mein lieber Freund!“

Weshalb der Kommissar Kluftinger (Fichtl), der gemeinsam mit Schimanski (Ulli Langenwalder) und Derrick (Sepp Langenwalder) die Akte Lechbruck bearbeitet, Obergrenzen fordert für den Bürgermeister. Lege dieser doch meist kurz vor Fünf, also zum Feierabend, erst so richtig los. Oder mit dem Chef auf die Messe fahren, ein (Alp)Traum für jeden Mitarbeiter.

Eine Bitte hatte der Heilige Nepomuk dann doch noch, kurz bevor er wieder auf seinen Platz an der Brücke verschwand: Die Bürger sollten doch dafür sorgen, dass die Gemeinderäte wieder vor größere Aufgaben gestellt würden. Denn sonst dürfte es im nächsten Jahr noch weniger zu erzählen geben. Und statt der Soko House am See bräuchte es wohl eher einen Rettungswagen, damit wieder etwas Leben ins Dorf zurückkehrt.

Oliver Sommer

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