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„Ecce sacerdos magnus – seht den hohen Priester“: Norbert von Xanten wird zum Bischof geweiht. Der streitbare Adlige macht sich in Magdeburg durch seine Überzeugungen viele Feinde.

Die Anstifter im Steingadenener Fohlenhof 

Umjubelte Botschaft gegen Gier und Geiz

Die Premiere von „Die Anstifter“, als „leuchtender Stern der Gerechtigkeit gegen Gier und Geiz“, begeisterte das Publikum am Samstagabend im Fohlenhof.

Steingaden Und plötzlich scheint alles anders: Gerade noch hatten es sich die Zuschauer im ersten Akt gedanklich im Mittelalter bequem gemacht – wunderbar getragene Choräle von Chor und Orchester (Musik von Joachim Schreiber) erfüllte das historische Gemäuer, Norbert von Xanten, streitbarer Adliger, hatte die Bischofsweihe empfangen, den Klerus vor den Kopf gestoßen und das Volk feierte seinen neuen Hirten. Dann betritt ein Attentäter (Gregor Riesemann) die Szene – und vergeigt seinen Einsatz. Cut! Wutentbrannt tobt Regisseurin Eva (Elisabeth Schmölz) in die Szene, schimpft auf die Darsteller, die sich infolge dessen wiederum verbal in die Haare kriegen und Gottfried von Cappenberg, treuer Begleiter Norberts (Johannes Klein), den Bettel ganz hinwirft.

Mehrere 100 Zuschauer waren am Samstagabend zur Premiere in den Fohlenhof nach Steingaden gekommen.

„Ist das so geplant?“, raunte es allenthalben aus dem Publikum. Denn alle Darsteller spielten sich an diesem Abend die Seele aus dem Leib und waren in ihren Emotionen mehr als überzeugend. Überraschung gelungen! Die Botschaft des Heiligen Norbert, so die Intension des Stückes von Karl Müller-Hindelang und Christian Schönfelder gilt auch über die Jahrhunderte hinweg und ist auch in der Neuzeit mehr als aktuell. Und so fanden sich die Zuschauer inmitten einer Theaterprobe wieder, die, nach durchaus witzigen Passagen, die das Publikum mit fröhlichem Gelächter quittierte, sich im Streit der Darsteller auflöste. Auf der Bühne zurück bleiben derweil einige Jugendliche, die über Sinn und Unsinn des historischen Theaters diskutieren. Die Gruppe bewegt sich zwischen Freundschaft, privaten Interessen und Ausgrenzung, Fair-Trade und Egoismus.

Der Sprung in die Neuzeit: Jugendliche diskutieren über die Botschaft des Heiligen Norbert.

Zur Pause ist das Publikum zweigeteilt. Das unsanfte Wachrütteln regt zu Gesprächen an und zur Neugier darauf, wie es wohl weitergeht. Dramatische Lichteffekte, Sprechgesang, Reiter auf stattlichen Kaltblütern. Sie hüllen die historische Figur des Heiligen Norbert, in dessen Rolle Anton Nöß mit jeder Faser geschlüpft zu sein scheint und überzeugend darstellt, in verschiedene Szenen und Gegenden. Nach seiner Bekehrung legt sich dieser mit einem falschen „Guru“ an, der mit großer Artisten- und Gauklerentourage erscheint und angeblich Wasser zu Wein machen kann.

Spätestens hier schließen sich die Lücken zwischen Gestern und Heute, das Nachrennen falscher Glaubenssätze ist zeitlos. Norbert, inzwischen in Premontre beheimatet, heilt eine von Gier und Geiz besessene junge Frau (Amrei Breidenbach) durch die Tugend des Teilens. Und auch in der Theatergruppe der Neuzeit bahnt sich das Miteinander seinen Weg. Fremde werden aufgenommen, egoistische Interessen hintangestellt, neue Lebensinhalte gefunden. Als zuguterletzt der Heilige Norbert seine Botschaft, symbolisch dargestellt mit Fackeln in die Welt hinaus sendet, zur Gründung von Klöstern oder Projekten der Neuzeit ist die Botschaft beim Publikum längst angekommen. Der Schlussgesang bringt es auf den Punkt: „Wir woll´n nach guten Taten streben, anstiften zur Gerechtigkeit. Heiliger Norbert, Gottesmann, stiftet zu guten Taten an“.

Myrjam C. Trunk

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