Ausschau nach Fledermäusen halten Siegfried Moser (r.) und sein alter Freund Wilfried Götz.
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Ausschau nach Fledermäusen halten Siegfried Moser (r.) und sein alter Freund Wilfried Götz.

„Batnight“ in Steingaden

Auf Fledermaus-Suche am Brucker Hof

  • VonTheresa Kuchler
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Das vergangene Wochenende stand ganz im Zeichen der Fledermaus: Denn es wurde europaweit die sogenannte „Batnight“ veranstaltet. Auch auf dem abgelegenen Brucker Hof bei Steingaden hatte sich etwa ein Dutzend interessierter Besucher eingefunden, um die nachtaktiven Tiere zu erleben.

Steingaden – Die Teilnehmer der diesjährigen „Batnight“, die immer Ende August in ganz Europa stattfindet, haben sich in dem leeren Offenstall des Brucker Hofs nahe Urspring eingefunden. Regelmäßig schnellten die Blicke der Besucher nach oben – immer in der Hoffnung, vielleicht schon eine Fledermaus zu erspähen. Zu Beginn waren es jedoch lediglich einige Schwalben, die ihre Runden über den Köpfen der Naturfreunde drehten.

Auf der Suche nach Fledermaus-Nestern führte Hausherr Siegfried Moser die Gruppe durch den Stall in einen kleinen Nebenraum. Dort zeigte er, woran man erkennen könne, dass sich die Flugtiere wirklich bei ihm eingenistet haben: „Man sieht hier den Kot. Dass es Fledermaus-Kot ist merkt man, weil er sich so leicht zerbröseln lässt.“ Ein ähnliches Bild ergab sich, als der Landwirt seine Besucher um das Haus führte. An der Südwand beweisen Löcher und Kotreste das Einnisten von Fledermäusen. Nur ein Tier in Aktion konnte bis dahin immer noch nicht beobachtet werden.

Kein Fledermaus-freundliches Wetter

Ein Grund für die Zurückhaltung der Flugtiere war das Wetter an diesem Abend. Bei Nieselregen und herbstlichen Temperaturen kommen auch Fledermäuse ungern nach draußen. Erst zu späterer Stunde, als die „Batnight“-Teilnehmer auf der Südseite des Hauses Platz genommen hatten, konnte immerhin eine Handvoll der Tiere beim Fliegen beobachtet werden – ungewöhnlich wenig für diese Jahreszeit.

„Bei gutem Wetter ist hier viel los“, erklärte Landwirt Siegfried Moser. An warmen Sommerabenden beobachte er regelmäßig das Treiben der rund zehn Fledermausarten, die nach seinen Worten ihr Quartier am Brucker Hof haben. „Wenn ich auf der Bank an der Südseite sitze und über frühere Zeiten nachdenke, werd ich immer von den Fledermäusen unterhalten“, sagte er. Auf der Suche nach Insekten fliegen diese dann vor ihm umher und ziehen ihre Bahnen. Unter den Tieren seien bekannte Arten wie das Große Mausohr und die Bartfledermaus, aber auch das gefährdete Braune Langohr habe bei Moser ein Zuhause.

Freilich war die „Batnight“ ein guter Anlass, um erneut auf die prekäre Situation rund um den Brucker Hof aufmerksam zu machen, den das Landratsamt wegen ungenehmigter Bauten teilweise abreißen lassen will. Die Begründer der Initiative „Bruckerhof – Stopp dem Abriss“ hegten sogar die Hoffnung, dass durch die angesiedelten Fledermausarten die Abrissarbeiten ganz verhindert werden könnten.

Die Tiere werden den Hof nicht vor Abrissarbeiten bewahren

Zwei beauftragte Fachgutachten sollten beweisen: Der Brucker Hof ist die Heimat schützenswerter und seltener Tiere. „Das hat die Behörden aber nicht interessiert“, äußerte sich dazu Siegfried Mosers Rechtsanwältin Claudia Högenauer. Tatsächlich konnten auch die entdeckten Fledermaus- und Vogelarten das Gericht in seinem Beschluss nicht umstimmen. Im Juni hat es den Abriss von Teilen des Hofs beschlossen.

Die Besucher der „Batnight“, von denen die meisten enge Bekannte Siegfried Mosers sind, zeigten an diesem Abend in erster Linie ihre Solidarität mit dem Landwirt. So meinte etwa Wilfried Götz, ein alter Nachbar des Landwirts aus Lechbruck: „Ich bin der Meinung, dass Menschlichkeit vor Bürokratie geht.“ Für ihn sei es schwer nachvollziehbar, dass die Behörden nicht früher eingeschritten sind, sondern Moser „erst alles fertig machen“ ließen. Auf die Frage, wie es für den 82-jährigen Moser nun weitergehe, sagte er: „Momentan geschieht nichts.“ Man müsse nun den Petitionsausschuss des Landtages im Spätherbst abwarten. Auch Mosers Anwältin beteuerte: „Wir kämpfen bis zum Schluss.“

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