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Weil ein verletztes Reh im Straßengraben lag, wurde ein Jäger zur Hilfe gerufen. Doch der schoss zweimal daneben. 

Aus zwei Metern Entfernung

Tier in Todesangst: Jäger schießt mehrfach auf Reh und trifft nicht - Fall gibt Rätsel auf

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Im Schongau liegt ein offensichtlich verletztes Reh im Straßengraben. Der hinzugerufene Jäger schießt zweimal daneben. Ein Paar ärgert sich über den Vorfall.

  • Im Landkreis Weilheim-Schongau entdeckten Passanten ein verletztes Reh.
  • Der Jäger, der das Tier von seinem Leid befreien sollte, schoss zweimal - ohne es zu treffen.
  • Der Fall sorgt jetzt für Ärger.

Steingaden – Es ist Silvesterabend, gegen 18 Uhr. Ulrike R. und Michael J. (Nachnamen sind der Redaktion bekannt), beide aus dem Schongauer Land, sind auf dem Weg in die Wieskirche, wo sie sich zum Jahreswechsel ein Konzert anhören wollen. Doch der Abend wird von einem Ereignis überschattet, das die beiden auch Tage später nicht loslässt.

Steingaden (Bayern): Passanten entdecken verletztes Reh - dann kommt der Jäger

Auf dem Weg, zwischen Wildsteig und Wieskirche, entdecken sie am Straßenrand ein verletztes Reh und bleiben stehen. Kurz darauf halten auch schon ein Jäger sowie ein Polizeiauto, die von einem anderen Verkehrsteilnehmer alarmiert wurden, an der Stelle. Der Unfallverursacher, der das Reh offensichtlich angefahren hat, ist der Polizei nicht bekannt. Ulrike und Michael sind froh, dass sich nun jemand um das Tier kümmert und es sich nicht länger quälen muss.

Im bayerischen Steingaden: Jäger zielt auf Reh - und schießt zweimal daneben

Der Jäger holt sein Gewehr aus dem Jeep, zielt – und schießt daneben. Zweimal. Und das, obwohl die Stelle durch Scheinwerfer gut ausgeleuchtet ist und er nur knapp zwei Meter vom Tier entfernt steht, beschreibt Ulrike die Situation.

Es kracht, Laub und Steine fliegen in die Luft. Und das verletzte Reh erschrickt so sehr, dass es sich nach dem zweiten Schuss offenbar in Todesangst aufrappelt und in den Wald flieht, schildert Ulrike. „Daraufhin sagte der Jäger zur Polizei, er hole seinen Hund, der wird das Reh schon finden“.

Ob das Reh gefunden wurde, weiß man bei der Polizei Schongau nicht. Zwar habe es den Einsatz gegeben – nähere Aufzeichnungen dazu gibt es allerdings nicht.

Gegenüber der Heimatzeitung erzählt Ulrike R., ihr wurde gesagt, dass es sehr schwierig ist, ein Reh zu treffen. Sie habe das erst geglaubt, nun aber doch ihre Zweifel an der Aussage.

Jäger schießt zweimal daneben - so äußert sich der Jagd- und Naturschutzverein Schongau und Umland zu dem Vorfall

Zu Recht: Dass ein Jäger mehrfach daneben schießt, „darf und sollte nicht passieren“, betont Manfred Berger vom Jagd- und Naturschutzverein Schongau und Umland, der den Vorfall bedauert. „Das ist sehr schade und ungewöhnlich. So was habe ich noch nie gehört“, so Berger. Eine Erklärung zu finden, warum der Jäger sein Ziel mehrfach verfehlte, fällt ihm schwer. „Vielleicht war er nervös?“. Wenn ein Reh erschossen werden muss, sei das immer aufregend.

Bayern: Passanten finden verletztes Reh - Jäger verfehlt Schüsse

Außerdem findet er es seltsam, dass Ulrike und Michael aus nächster Nähe zugeschaut haben. Berger schickt Passanten immer weg. „Da wird ein Tier erschossen. Das ist nicht für jeden etwas. Auch für die Jäger ist das nicht schön“, so Berger. Alle Jäger sollten so verfahren. Auch, weil Passanten immer Ablenkung bedeuten.

Tatsächlich erzählt Ulrike R., dass der Jäger sie gebeten hat, weiter weg zu gehen – allerdings erst nach dem ersten Schuss. „Das habe ich auch gemacht.“ Sie wollte den Jäger auf keinen Fall stören, beteuert sie.

Verletztes Reh nach Unfall - Ist Erschießen notwendig?

Im Nachhinein habe sie sich allerdings auch gefragt, warum das Reh überhaupt erschossen werden sollte? „Kann es nicht wieder aufgepäppelt werden?“ Manfred Berger vom Jagd- undNaturschutzverein hat darauf eine klare Antwort: „Leider nein. Wildtiere sind zäh – wenn sie nach einem Unfall ein paar Minuten liegen bleiben, haben sie irgendetwas“. Und der Jäger ist in der Pflicht dafür zu sorgen, dass das Tier nicht leidet. Es kann auch nicht einfach zum Tierarzt transportiert werden. „Das Reh dreht durch. Es bleiben ja Wildtiere, die kann man nicht einfach so festhalten“.

Reh am Straßenrand: „In der Regel treffen Jäger beim ersten Schuss“

Doch was, wenn das verletzte Tier, wie in diesem Fall, davon rennt? „Manchmal schleppen sich die Tiere noch ein paar Meter weg, dann schauen wir mit dem Hund noch einmal nach, ob es verletzt irgendwo liegt“, so Berger. „Und dann sorgen wir dafür, dass es nicht länger leidet. Es wäre unverantwortlich, wenn wir das Reh in den Wald rennen lassen und es nach wenigen Tagen doch tot entdecken.“

Dass der Fall, den Ulrike und Michael beobachtet haben, eine Ausnahme bildet, bestätigt auch die Polizei. „Angefahrene Rehe, die noch laufen können, hauen sofort ab. Falls sie dazu nicht mehr in der Lage sind, bleiben sie ganz ruhig am Straßenrand liegen und haben gar keine Scheu mehr. Auch, wenn man auf sie schießt“, schildert eine Polizistin. Und in der Regel treffen Jäger beim ersten Schuss.

Im bayerischen Steingaden: Kein verpflichtendes Schießtraining für Jäger

Um Jäger zu werden, müssen Anwärter ein Schießtraining durchlaufen und die dazugehörige Prüfung bestehen, erklärt Jens Heinschke, Schießobmann beim Jagd- und Naturschutzverein Schongau und Umgebung. Bei der Ausbildung wird mit Schrot auf Tontauben, sowie mit der Kugel auf Scheiben und „laufende Keiler, heißt bewegliche Scheiben, geschossen. 

Bestehen Personen die Prüfung und erhalten den Jagdschein, werden sie später nicht mehr auf ihre Schießfähigkeiten überprüft. „Ein Schießtraining ist zu unserem Leidwesen noch nicht vorgeschrieben“, so Heinschke. Viele Jagdgruppen setzen sich dafür ein, dass für Jäger ein Pflichtprogramm am Schießstand eingeführt wird. „Bisher können wir nur an die Vernunft der Jäger appellieren.“

Schongau: Wildunfall: Das ist zu tun, wenn ein Reh angefahren wurde

Wird ein Wildtier angefahren, ist es wichtig, sofort die Unfallstelle abzusichern und die Polizei zu informieren. „Am Tag wird ein Jäger dazu gerufen, der das Tier dann von seinem Leid erlöst. Zwischen 23 und 6 Uhr übernehmen wir das selbst“, heißt es bei der Polizei Schongau. 

Auch wenn ein Tier nach dem Zusammenstoß verschwindet, sollte es gemeldet werden. Der ADAC rät außerdem dazu, sich eine Wildschadenbescheinigung für die Versicherung ausstellen zu lassen. Auf keinen Fall darf ein verletztes oder totes Tier mitgenommen werden. Das wird nämlich als Wilderei gewertet und gilt als Straftat. Aus Sicherheitsgründen sollte es auch nicht berührt werden.

es

Einen gewaltigen Zusammenstoß gab es am Freitag auf der B472 westlich von Schongau. Die blitzschnelle Reaktion eines Schulbusfahrers verhinderte Schlimmeres. Zu einem Unfall kam es auch am Donnerstagabend auf der B17. Ein Schongauer Autofahrer (54) überschlug sich und wurde schwer verletzt - der Verursacher fuhr einfach weiter. Hier gibt es weitere Nachrichten aus Schongau und Umgebung.

Von einem Reh, das im Dornauer Feld in Schongau vermutlich von einem Hund gerissen wurde, ist nur noch die Hälfte übrig. Ein Jagdpächter und der Stadtförster nennen dazu erschreckende Zahlen.

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