Ein Bauwagen soll den Steingadener Kindern im geplanten Waldkindergarten als Unterschlupf dienen.
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Ein Bauwagen soll den Steingadener Kindern im geplanten Waldkindergarten als Unterschlupf dienen.

Dafür muss die Gemeinde beim Landratsamt aber einen Bauantrag einreichen 

Bekommt Steingaden einen Waldkindergarten?

  • VonRafael Sala
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Zum neuen Schuljahr wird es in Steingaden wahrscheinlich eine Waldkindergartengruppe geben. Doch dafür muss die Gemeinde beim Landratsamt einen Bauantrag einreichen. Zeitlich könnte es knapp werden. Im Eilverfahren haben die Kommunalpolitiker deswegen jetzt die Voraussetzungen dafür geschaffen.

Steingaden – Das Projekt war aus der Not geboren, wie Steingadens Bürgermeister Max Bertl (CSU) einräumt, die Aufschrift der Idee dahinter hätte „Wegen Überfüllung geschlossen“ lauten können. Gemeint ist der Kindergarten an der Marie-Eberth-Straße in Steingaden: Alle Plätze sind dort derzeit ausgebucht, und auch für kommendes Jahr übersteigen die eingegangenen Anmeldungen die Kapazitäten bei Weitem. „Wir sind komplett dicht“, merkt der Rathauschef an.

Das wusste er bereits im Frühjahr. Deswegen war Eile geboten, denn die Geburtenzahlen steigen in der rund 2800-Seelen-Gemeinde schon seit geraumer Zeit erfreulicherweise stetig an, eine Erweiterung der Kindertagesstätte ist daher nicht nur gegenwärtig, sondern auf absehbare Zeit dringend erforderlich.

Wiesengrundstück nahe der Wasserfassung geradezu ideal

Doch einen konventionellen Kindergarten zu errichten, würde zu lange dauern: „Das ist ein mordsumständliches Prozedere, das zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Das würde schon ein, zwei Jahre dauern“, sagt Bertl seufzend mit Blick auf die zu erwartenden bürokratischen Vorgaben und die längere Bauzeit.

Deswegen kam er auf die Idee, eine Spielgruppe im Freien ins Leben zu rufen. Die Idee einer Waldkindergartengruppe war geboren. Ort: Ein Wiesenstück nahe der Wasserfassung, das mit seinen Freiflächen, dem vielen Grün und der Anbindung an den Ort laut Bertl ein optimales Areal darstellt. Ein Bauwagen ist schon angeschafft und wartet jetzt darauf, an seinen Bestimmungsort gebracht zu werden. Vorgesehen ist auch die Errichtung eines Tipi-Zelts mit einem Durchmesser von fünf Metern, dazu kommen noch sanitäre Anlagen, Möbel, ein Zaun und diverse Spielgeräte und Ausstattungsgegenstände.

Die Gemeinde kostet es rund 50 000 Euro

Die geplante Gruppe bietet Platz für maximal 25 Kinder, an den Start gehen sollen vorerst 18. Insgesamt sind rund 106 000 Euro für das Vorhaben veranschlagt. Da diese Summe zu 50 Prozent förderfähig ist, kommen auf die Gemeinde – so die überschlägige Schätzung des Rathauschefs – Kosten in Höhe von rund 50 000 Euro zu.

Am liebsten wäre Bertl und den Gemeinderäten anstelle eines Bauwagens eine Blockhütte gewesen – doch dafür gab es kein grünes Licht vom Landratsamt. Grund: Da es sich dabei um eine sogenannte „ortsfeste Anlage“ handelt, müsste dafür ein Bauantrag eingereicht werden. Zudem liegt das Areal im Außenbereich. Nachfragen im Landratsamt hätten ergeben, dass dies bei einem Bauwagen, der ja fortbewegt werden kann, nicht der Fall sei, wie Bertl in der jüngsten Gemeinderatssitzung schilderte. Daraufhin habe man sich für die Anschaffung eines Bauwagens entschieden.

Am Ende dann doch Bauantrag stellen

Aus allen Wolken sei der Steingadener Rathauschef aber gefallen, als er vor Kurzem einen Anruf vom Bauamt der Kreisbehörde erhielt. Es sei ihm mitgeteilt worden, dass auch für den Wagen ein Bauantrag gestellt werden müsse, ansonsten sei der geplante Kindergarten nicht genehmigungsfähig. „Wir kommen also nicht drum rum“, sagte er, weswegen der Punkt nachträglich auf die Tagesordnung gesetzt wurde.

Er sei angesäuert, sagt Bertl. Aber nicht, weil dieser Antrag jetzt gestellt werden müsse, sondern weil die Mitteilung so spät kam. „Hätte man uns das von Anfang an gesagt, hätten wir das natürlich sofort gemacht.“ Jetzt sei deswegen eben Eile geboten.

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