Muss er nun Teile seines Hofs räumen? Siegfried Moser hat vor Gericht eine herbe Niederlage einstecken müssen.
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Muss er nun Teile seines Hofs räumen? Siegfried Moser hat vor Gericht eine herbe Niederlage einstecken müssen.

„Menschliche Tragödie bahnt sich an“

Landwirt kämpft um seinen Hof: Alle Bemühungen von 82-Jährigem zerschlagen - Abriss bestätigt

  • Katrin Kleinschmidt
    VonKatrin Kleinschmidt
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Siegfried Moser hat bei seinem Kampf um seinen Brucker Hof schon viel Unterstützung erhalten. Doch all‘ der gute Zuspruch bringt ihm bisher nichts. Ein Gericht hält den Abriss für zulässig.

Steingaden - Claudia Högenauer ist an diesem Mittwochmorgen bedrückt, sucht nach den richtigen Worten. „Das ist so frisch, wir haben noch keinen Plan, wie es weitergeht“, gibt sie zu. „Es ist unmenschlich, unsozial, unchristlich.“ Sie ist die Anwältin von Siegfried Moser, unterstützt ihn, seitdem das Landratsamt seinen Hof im Außenbereich von Urspring abreißen lassen will.

Brucker Hof: Alle Bemühungen von Landwirt zerschlagen - Bisher gefällte Urteile rechtskräftig

Doch alle Bemühungen wurden zerschlagen: Der erste Senat des Bayerischen Verwaltungsgerichtshof hat laut Högenauer beschlossen, die Berufung Mosers gegen Urteile des Verwaltungsgerichts nicht zuzulassen. Heißt: Die bisher gefällten Urteile sind rechtskräftig. Und die hatten die Nutzungsuntersagung des Wohnhauses sowie den Abriss des Altbestands samt Wohnung und des Maschinenstadels bestätigt.

Frühestens im nächsten Jahr hatte Högenauer mit einem Urteil gerechnet. „Aber die staatliche Keule hat jetzt schon zugeschlagen“, sagt sie. Dass Moser Fehler gemacht hat, haben er und Högenauer immer zugegeben – allerdings wurde er auch zwei Mal dazu gebracht, Bauanträge zurückzuziehen. Dass er gute Chancen auf mindestens eine Genehmigung – nämlich des Maschinenstadels – hatte, verschwieg ihm das Landratsamt.

Landkreis Weilheim-Schongau: Landwirt kämpft um seinen Hof - Gericht bügelt seine Argumente ab

Die Behörde verwies in einer Stellungnahmen vor einigen Tagen darauf, dass Moser bereitwillig die Anträge zurückgezogen und einen für Landwirte genehmigungsfreien Stadel nicht den Vorgaben entsprechend errichtet habe - er ist an den Kuhstall angebaut und knapp zehn Quadratmeter zu groß. Obendrein beruft sich das Landratsamt darauf, im Sinne des Naturschutzes zu handeln.

Moser fallen die fehlenden Bauanträge für das Wohngebäude und den Maschinenstadel nun auf die Füße. Das Gericht „hat alles runtergebügelt, es wurde sich nicht mit unseren Argumenten auseinandergesetzt“, beklagt Högenauer. Unter anderem hatte sie in den Unterlagen entdeckt, dass eine Einschätzung des Amtes für Landwirtschaft und Forsten Weilheim von 2005 nachträglich verändert wurde. Die Ursprungsfassung schätzte Mosers Betrieb sehr positiv ein, die abgeänderte Variante ist deutlich zurückhaltender. Das Gericht sah die Überarbeitung als „Präzisierung einer ursprünglichen Stellungnahme“ an, ließ den Einwand damit nicht zu.

Und auch zwei Gutachten beeindruckten die Richter nicht. Moser hatte Stellungnahmen über die Artenvielfalt auf seinem Hof eingeholt und gezeigt, dass Fledermäuse und Vögel dort ein Zuhause gefunden haben. Auch das brachte ihm nichts. „Die Richter haben 1:1 die Zitate vom Landratsamt für ihre Entscheidung genommen“, sagte Högenauer der Heimatzeitung.

Steingaden: Großer Frust bei Landwirt - Doch 82-Jähriger will nicht aufgeben

Wie groß der Frust ist, zeigt sich auch in einer Pressemitteilung, die sie am Mittwochvormittag herausgab: „Was soll man von der Kompetenz eines Verwaltungsgerichtes halten, das nachweislich und beim Anblick Milchkühe nicht von Fleischkühen unterscheiden kann und bei einem Ortstermin nicht das geringste Interesse an Hoftechnik und Betriebsabläufen erkennen lässt.“ Im November hatte es eine Verhandlung auf dem Brucker Hof gegeben.

Aufgeben will Högenauer trotz des Rückschlags nicht. Auch, wenn der Kampf um den Brucker Hof nun schwieriger wird. „Welche Rechtsmittel Herrn Moser nun noch zustehen, ist jetzt zu prüfen.“ Parallel läuft noch eine Petition am Landtag - was daraus wird, ist noch unklar. Obendrein soll es eine Online-Petition und eine Internetseite zum Thema geben.

Brucker Hof: Anwältin macht sich Sorgen um Zukunft des Landwirts - „Menschliche Tragödie bahnt sich an“

Högenauer hofft, dass durch Gespräche mit allen Beteiligten noch eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann. Sie macht sich Sorgen um den 82-jährigen Moser und seine Zukunft. „Eine menschliche Tragödie bahnt sich an“, sagt die Anwältin. Der Landwirt verfüge nicht über die Mittel zum Abriss und verliere auch seine Wohnung. „Herr Moser wäre ruiniert.“

Cannabis-Pflanzen im Kreisverkehr haben in Peißenberg für Verwirrung gesorgt. Wer sie gepflanzt hat, ist unklar. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Schongau-Newsletter. Und in unserem Weilheim-Penzberg-Newsletter.

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