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Mit diesem Bus waren die Touristen von Singen (Baden-Württemberg) zur Wieskirche gefahren.

Busunternehmer berichtet

So lief die Albtraum-Fahrt zur Wieskirche

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Wies - Zwei wegen ständiger Beleidigungen rausgeworfene Bus-Touristen an der Wieskirche – diese Geschichte hat für viel Schmunzeln gesorgt. Gar nicht zum Lachen zu Mute war dagegen dem Busunternehmer: „So einen Fall hatten wir in 42 Jahren nicht“, sagte er.

Das Weltkulturerbe Wieskirche ist ein Publikums-Magnet. Sogar aus Singen im südlichen Baden-Württemberg, nahe des Bodensees, ist das Interesse so groß, dass sich von dort eine Tagesfahrt in den Pfaffenwinkel lohnt. „Wir haben diese Tour immer wieder mal im Programm“, sagt Michael Mayer, Chef von Hohentwiel-Reisen in Singen. Der Bus war voll am vergangenen Freitag. Doch dieses Mal lief alles anders.

Von Anfang an meckerte das Paar an allem herum

Ursache war ein Paar, ein 67-Jähriger und seine 56-jährige Freundin. Die beiden seien schon öfter auf Busreisen dabei gewesen, sagt Mayer, bisher habe es keine Probleme gegeben. Doch am Freitag begannen beide von Anfang an, sich über alles aufzuregen. „Sie haben aus unerfindlichen Gründen an allem rumgemäkelt“, hat sich Mayer berichten lassen. „Keiner konnte mir sagen, was der Grund war. Denn betrunken waren sie nicht.“ Das Mecker-Duo schimpfte über den Bus, nannte die Mitfahrer unter anderem Idioten – „die genaue Wortwahl habe ich mir nicht sagen lassen“, so Mayer. Vor allem auf den Fahrer hatten sie es abgesehen. Der ist Kroate, „ein Top-Mann, mit dem gab es noch nie Probleme“, so Mayer. Doch die beiden speziellen Passagiere hatten offenbar etwas dagegen, dass sie ein Ausländer kutschiert. „Sie haben den Fahrer immer wieder massiv ausländerfeindlich beleidigt“, so Mayer.

Busfahrer ist kein einfacher Job, man muss die Ruhe bewahren können. Das ist bei einer derartigen Dauer-Beschimpfung natürlich schwer möglich. Der Fahrer sei zwischendurch sogar einmal rechts rangefahren und versuchte, das Paar zu beschwichtigen – vergebens.

Der Fahrer hielt trotz ständiger Beschimpfungen lange durch

Trotzdem hielt der Fahrer seinen persönlichen Horror-Trip tapfer durch, schaffte es bis zur Wieskirche. Dort standen ein Essen und die Besichtigung des Weltkulturerbes auf dem Programm. „Sogar in der Kirche müssen die beiden über alles mögliche geschimpft haben“, so Mayer.

„Die nehmen wir nie mehr mit“: Busunternehmer Michael Mayer

Als es gegen 17 Uhr an die Rückfahrt ging, war das Duo immer noch in der selben schlechten Laune. Doch noch so eine Fahrt wollte sich der Bus-Lenker nicht antun: Er rief seinen Chef an, schilderte den Fall und fragte, was er tun solle. Mayer: „Ich habe ihm gesagt, wenn es nicht anders geht, müssen wir von unserem Hausrecht Gebrauch machen.“ Das bedeutet: Rauswurf aus dem Bus. „Unser Unternehmen gibt es seit 42 Jahren, aber so etwas war bisher noch nie nötig“, sagt Mayer kopfschüttelnd. Man habe durchaus turbulente Faschings-Fahrten mit viel Alkohol erlebt, doch irgendwie blieb immer alles im Rahmen – bis zum Freitag.

Wenig überraschend weigerte sich das Paar, an der Wieskirche den Bus zu verlassen. Deshalb rief der Busfahrer die Polizei zu Hilfe, die das Duo schließlich mit etwas Zwang nach draußen beförderte – „unter dem Beifall der anderen Fahrgäste“, wie Mayer betont. Mehrere Passagiere hätten sich im Nachhinein gemeldet und bestätigt, wie unmöglich sich das Duo aufgeführt habe. Für Mayer die Bestätigung, alles richtig gemacht zu haben. Die Heimfahrt verlief anschließend problemlos.

Und das Paar? Das bekam von der Polizei eine Liste von Übernachtungsmöglichkeiten und kam vermutlich irgendwo unter – wo genau, ist unbekannt. Auch, ob sich die beiden im Hotel oder der Pension weiterhin unmöglich aufgeführt haben, ist nicht bekannt. Für Mayer ist nur eines klar: „Diese beiden werden wir nie mehr mitnehmen.“

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