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Ein bunt-gemischtes Ensemble ist der Chor für das Steingadener Freilicht-Theaterstück unter der Leitung von Caspar Berlinger (rechts). 

chorprobe für steingadener freilicht-theater

Blitz, Blendkraft und Todesmacht

Ein großes Projekt steht an in Steingaden. Im Sommer wird im Innenhof des Fohlenhofes ein Freilicht-Theaterstück mit rund 200 Darstellern aufgeführt. Dafür haben jetzt die Chorproben begonnen.

Steingaden – Der große Saal des Pfarrheims im Fohlenhof in Steingaden füllt sich langsam mit Chorleuten. 75 Sänger werden erwartet. „Ein paar sind entschuldigt“, erklärt Caspar Berlinger. Ganz normaler Alltag also für den Chorleiter? Eigentlich nicht. Denn das ist keine Probe fürs Einstudieren einer Messe oder von Marienliedern.

Ein großes Projekt steht an in Steingaden. Vom 15. Juli bis zum 5. August wird im Rahmen des „Steingadener Theatersommers“ im Innenhof des Fohlenhofes ein Freilicht-Theaterstück aufgeführt. Rund 200 Darsteller werden dabei mitwirken, darunter auch die Chorleute. Ein Unterfangen, dass über die Grenzen von Steingaden hinausgeht.

Denn unter den den singenden Mitwirkenden sind nicht nur Steingadener: Musikbegeisterte aus Wildsteig, Peiting, Schongau, Lechbruck und Bernbeuren verstärken den Chor. Ein bewundernswertes Engagement, denn noch finden die Proben im zweiwöchigen Rhythmus statt, aber nach Ostern will Berlinger die Arbeit vertiefen. Wöchentlich wird ab dann geübt. „Wir müssen das Ganze ja auswendig singen“, sagt er. Eine gewaltige Aufgabe steht da den Chorleuten bevor.

„Kommt, wir fangen an. Jeder macht gleich mit, so gut er kann“, singt man unisono zum Aufwärmen. Stehend natürlich, damit man locker wird. Hin- und herwippen darf man, dem Nachbarn zulächeln. Es ist eine fröhliche Stimmung.

Wieskirchen-Organist Anton Guggemos ist auch mit dabei. Er sitzt in der hinteren Reihe bei den Bässen. Der in Wildsteig lebende Orgelvirtuose möchte auf jeden Fall den Chor mit seiner Stimme unterstützen, schließlich hängt sein Herz an Steingaden. Er ist dort geboren.

Der Chorleiter beginnt die Probe mit der ersten Herausforderung: Ein rhythmisch exakter, sehr eindrucksvoller Sprechgesang steht auf dem Programm. „Blitz, Blendkraft, Todesmacht, Hoffnungsbersten“, intoniert man gemeinsam. Es hört sich düster an – und schon überraschend exakt. Erzählt wird hier die Legende vom Heiligen Norbert von Xanten, der ähnlich wie Saulus/Paulus ein Bekehrungserlebnis hatte, sein Leben daraufhin änderte und im 11. Jahrhundert den Orden der Prämonstratenser gründete. Das Kloster in Steingaden war bis zur Säkularisation eines dieser Ordensrichtung.

Das im Sommer aufzuführende Stück „Die Anstifter“ handelt vom Leben und Wirken des Heiligen Norbert. Berlinger hat eine kleine Figur des Ordensgründers mitgebracht. Bei jeder Probe steht die nun auf einem Tisch neben dem Klavier. Eine liebevolle Geste, die dem Anlass einen Rahmen gibt.

Und so singt man nicht nur über den Ordensgründer, Berlinger erzählt auch immer mal wieder etwas über den Heiligen Norbert. „Man muss ihn im Kopf mittragen“, erklärt er seinen Sängern. Und diese sind sehr konzentriert und spürbar motiviert an diesem Abend.

Der anschließende Choral wird zunächst ohne Text gesungen, damit zunächst die Melodie und die Harmonie verinnerlicht werden soll. Der Chorleiter weist auch darauf hin, dass jeder auf die Atemtechnik achten und diese üben muss, denn man wird bei den Aufführungen im Freien singen, und das erfordere stimmliche Kraft.

Berlinger ist mit dieser Probe schon sehr zufrieden. „Klappt gut! Da hat doch der eine oder andere zuhause heimlich geprobt!“, lobt er. Alles lacht.

Regina Wahl-Geiger

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