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„Diese Priestergemeinschaft funktioniert nicht“: Früherer Pfarrer der Wieskirche zieht überraschend aus

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Von: Barbara Schlotterer-Fuchs

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Die Wieskirche bei Steingaden
Im Prälatenhaus der Wieskirche hängt der Haussegen schief. Zwischen Wieskurat Florian Geis und seinem Vorgänger Monsignore Gottfried Feller herrscht Funkstille. © H. Tschanz-Hofmann/Imago

Im Prälatenhaus der Wieskirche hängt der Haussegen schief. Zwischen Wieskurat Florian Geis und seinem Vorgänger Monsignore Gottfried Fellner herrscht Funkstille. Letzterer zieht jetzt nach einem guten halben Jahr WG auf Probe aus.

Steingaden – Es hätte alles so schön sein können: Wiespfarrer Florian Geis und sein Vorgänger Monsignore Gottfried Fellner gemeinsam im Prälatenhaus. Gemeinsame Essen, gute Gespräche über Gott und die Welt. Eine ganz besondere Wohngemeinschaft, von der beide gleichermaßen profitieren. Ein Wunschvorstellung, die sich jetzt zerschlagen hat: Gottfried Fellner zieht in der nächsten Woche nicht nur aus aus dem Prälatenhaus, er lässt auch seine Jahre in Steingaden – immerhin sind das fast zehn – hinter sich zurück.

„Diese Entscheidung, hier weg zu gehen, ist für mich ein schwieriger Schnitt. Mein Traum von einer Priestergemeinschaft im Prälatenhaus: Er ist geplatzt“, erklärt Fellner im Gespräch mit den Schongauer Nachrichten traurig. „Ich hatte gedacht, dass wir hier gemeinsam feiern können, miteinander beten, dass man sich austauscht. Aber diese Priestergemeinschaft funktioniert nicht.“ Eine klare Absage an Florian Geis.

Florian Geis ist aktueller Wieskurat.
Florian Geis ist aktueller Wieskurat. © Archiv

Hätten er gedacht, dass es so endet, wo Fellner doch seinen Lebensabend eigentlich im Prälatenhaus hatte verbringen wollen? Fellner blickt zurück, wie das WG-Experiment angefangen hatte. „Mein Nachfolger hat mich gebeten, in dem großen Prälatenhaus zu bleiben. Ich hätte eine andere Wohnung gehabt. Aber ich bin geblieben – obwohl die Diözese ganz klar sagt, die Vorgänger sollten ihren Wohnsitz nicht am Ort haben.“ Ein Fehler? „Es war ein Fehler, dass ich das nicht getan habe.“

Fellner wirkt angefasst. Was konkret schief gelaufen ist in der Zusammenarbeit, im Zusammenleben im Prälatenhaus? Das will er in der Öffentlichkeit nicht groß breittreten. Nur so viel: „Es gibt nun mal unterschiedliche pastorale Konzepte, die immer wieder zu Konflikten führen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.“

Fellner hält seit Mitte März keine Gottesdienste mehr in der Wieskirche

Solche „Konflikte“ hatten offenbar auch dazu geführt, dass Fellner seit Mitte März keine Gottesdienste mehr in der Wieskirche hält. „Manche Leute fragen mich schon, warum. Das heißt nicht, dass ich keine Gottesdienste mehr feiere, im Gegenteil. Ich wurde in den letzten Wochen häufig im Dekanat eingesetzt.“ Nur in der Wies, in Absprache mit Geis, hat das für Fellner offenbar nicht mehr geklappt. Am heutigen Samstag hält er zumindest noch eine letzte Maiandacht vor seinem Abschied.

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Fellner blickt nach vorn, hin zu seiner neuen Heimat in Oberauerbach bei Mindelheim. „Dort, wo ich hingehe, bin ich schon für einige Gottesdienste eingetragen. Dort kann ich in meinen Gottesdiensten wieder Position beziehen zu aktuellen Geschehnissen. Die Gläubigen wünschen sich das. Und ich möchte ihnen das mitgeben. Auch das hat seine Gründe.“

Abschied ist auch immer ein Neuanfang. Der steht jetzt für Fellner im Vordergrund. Wenn er auch nicht leugnen möchte: „Der Abschied von den Menschen hier, die mir Freunde geworden sind: Er tut mir sehr weh. Ich hatte sehr gute Beziehungen hier.“

 ehemaliger Wieskurat Gottfried Fellner
Der ehemalige Wieskurat Gottfried Fellner kehrt der Wies den Rücken. © Archiv

Von guten Beziehungen hatte es auch Wieskurat Florian Geis geträumt, als er seine Stelle hier im Herbst 2021 angetreten hatte und mit Gottfried Fellner ins Prälatenhaus gezogen war. Geis versteht die Welt nicht mehr: „Es hat keinen Streit gegeben, nix. Als ich in die Wies gekommen bin, hat Gottfried Fellner mich gefragt, ob er hier wohnen bleiben kann. Freilich darf er!“

Fellner zog im Prälatenhaus nach unten, Geis wohnte oben. Die Wohnung unten wurde umgebaut. Um so mehr hat Geis die Kündigung von Fellner überrascht. „Davon habe ich über einen Dritten erfahren.“ Funkstille also.

„Es ist schade, ich hätte ihn hier weiter gut gebrauchen können“

Geis betont, er habe Fellner stets einbezogen, „ich habe alles getan, um ihm zu zeigen, dass er hier herzlich willkommen ist“. Man habe geredet, auch darüber, wie es in der Wieskirche laufe. Geis betont, dass er ganz normale Messen feiere – ganz ohne Extravaganzen. Natürlich sei er seit 33 Jahren im Dienst. „Ich bin kein Kaplan, ich habe meinen eigenen Stil. Vielleicht bin ich ein bisschen barocker als er.“ Das wiederum ist ja eine Frage des Geschmacks. Geis sagt, dass er Fellner alle Möglichkeiten gegeben hätte, um sich als Ruhestandspfarrer in der Wies zu entfalten: Betreuung der Wallfahrer, Taufen, Hochzeiten, Messen. Das hätte Fellner stets toll gemacht. „Es ist schade, ich hätte ihn hier weiter gut brauchen können.“

„Ich bin der Letzte, der Gottfried Fellner rausdrängen wollte. Aber klar bin ich ein anderer Typ als er. Mit 56 bin ich ja auch ein anderer Jahrgang. Und die ein oder andere Macke habe ich sicher auch.“ Geis bedauert die aktuelle Stimmungslage, die er sich nach wie vor nicht erklären könne: „Wenn sich mein Vorgänger hier nicht wohl fühlt, dann tut mir das wirklich leid. Er hat hier hochverdiente Arbeit geleistet.“

Ein ausführliches Interview mit Gottfried Fellner zu seinem Abschied von der Wies folgt.

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