So sieht sie aus, die neue Luftbildkamera, die Hermann Dürr vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für sein Museum zur Verfügung gestellt bekommen hat. Die Freude darüber ist ihm anzusehen.
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So sieht sie aus, die neue Luftbildkamera, die Hermann Dürr vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für sein Museum zur Verfügung gestellt bekommen hat. Die Freude darüber ist ihm anzusehen.

Kameramuseum

Ein Stück Luftbildgeschichte in Steingaden

Das Kameramuseum von Hermann Dürr in Steingaden ist faszinierend. Über 1000 mechanische Fotoapparate und Kameras sind in drei Räumen untergebracht. Jetzt ist ein besonderes Exemplar dazugekommen.

Steingaden – Beim Hobby von Hermann Dürr steckt eine gewaltige Portion Leidenschaft dahinter. Genauer ausgedrückt ist es eine Sammelleidenschaft, die vor gut 20 Jahren begonnen hatte. Auf einem Flohmarkt stach dem Steingadener ein golden glänzender „Leica“-Fotoapparat ins Auge. „Ein Vorzeigestück deutscher Qualitätsarbeit“, wusste Dürr über die Marke. Doch er saß einem gewaltigen Irrtum auf. Das täuschend echte Stück erwies sich, wie sich später herausstellte, als ein nachgebautes Replik aus Russland. „Das hätte man eigentlich vermuten müssen, denn der Preis war sehr niedrig für die sonst hoch gehandelte Kamera mit bester Zeiss-Optik“, gesteht Dürr im Nachhinein ein; jetzt, wo er sich mittlerweile zum Fachmann für alles rund um mechanische Kamerageräte gemausert hat.

Das natürlich auch in Sachen „Leica“. Für sie gibt es eine eigene Vitrine mit all den „Schmankerln“ dieser Firma. Selbstverständlich sind alle Kameras mit hochwertigen Original-Objektiven bestückt. Da versteht es sich von selbst, dass der leidenschaftliche Sammler oft sehr tief in seine Tasche greifen musste.

Besondere Kamera in Steingaden

Neben dieser Nobelmarke hat Dürr auch alle anderen namhaften Hersteller unter seine Fittiche genommen. Namen wie Voigtländer, Agfa, Rolei und natürlich nicht zu vergessen die ganze Exa- und Exakta-Palette aus Dresden. Nicht ohne Stolz deutet Dürr vor Ort auf das von Voigtländer weltweit erstes gebautes Zoom-Objektiv. Dürr hat es! Auch eine weitere Spezialität deutscher Technik: Schon in den 70er Jahren bot Voigtländer für eine Spiegelreflexkamera Wechselmagazine an. Man konnte also vom Farbfilm auf einen Dia- oder Schwarz-weiß Film wechseln, auch wenn der Film noch nicht vollständig belichtet war. Das hat übrigens später die schwedische Firma Hasselblad übernommen, die bei der Mondlandung die speziell gebaute Kamera stellte – bestückt mit Zeiss-Objektiven „Made in Germany“.

Seit kurzer Zeit präsentiert Hermann Dürr eine weitere Kamera in seinen Ausstellungsräumen, nach der sich viele Sammler die Finger lecken dürften. Ein eigentlich unerschwingliches Exemplar einer gigantischen Luftbildkamera, die gute 200 Kilogramm auf die Waage bringt. „Wie kommt dieses Stück in das Kameramuseum nach Steingaden“, lautet die große Frage? Dürr selbst gibt die Antwort, mit einem nicht zu übersehenden strahlenden Gesichtsausdruck. „Ein Artikel über mein Museum im Bayernteil des Münchner Merkur erweckte Aufmerksamkeit bei Erich Bogner, einem Elektroniker und Messingenieur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Pfaffenhofen“, erzählt Dürr. Es klingt wie in einem Märchen. „Dieser Mann hat es eingefädelt, dass ich mir diese Kamera samt Zubehör dort abholen durfte.“ Und von Erich Bogner erfährt Dürr die wichtigsten Details über die Kamera: „Ab den 70er Jahre hatte man die Kamera bis in die 90er Jahre in die Flugzeuge Do-28, Do-228 und die Falcon 20 eingebaut“, erklärt der Spezialist. Die Reihenmesskamera kam unter anderem zum Großeinsatz, als man in den 80er Jahren das Waldschadensprojekt begleitete. Auch bei Projekten der NASA „Columbia“ Space-Shuttle Mission kam die Kamera mit der Bezeichnung Zeiss RMK (Reihenmesskamera) A15/23 zum Einsatz.

Heraus sticht die enorme Optik. Das Objektiv mit einer Brennweite von 153 mm von Zeiss aus Oberkochen misst im Durchmesser 15 Zentimeter. Im Vergleich dazu haben herkömmliche Optiken fünf Zentimeter. Noch beeindruckender ist das Filmformat. So konnte man Negative oder Diapositive von 23 x 23 Zentimeter als Grundlage für gestochen scharfe Großabzüge aus den Magazinen entnehmen. „Das war absolutes Hightech der damaligen Zeit“, betont Messingenieur Bogner. Kein Wunder, dass Sammler und Museumsinhaber Hermann Dürr überaus glücklich ist, so ein Exemplar samt Zubehör wie Navigationsteleskop und Filmmagazinen jetzt den Besuchern präsentieren kann.

Infos zum Museum: Das Museum an der Füssener Straße 5 in Steingaden ist donnerstags von 14 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet. Telefon: 08862/215; E-Mail: sparbierhermann@gmail.com.

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