Vor der Wieskirche: Der Gauausschuss des Oberen Lechgau-Verbands, der 100. Geburtstag gefeiert hat. Alfred Michel/fkn
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Vor der Wieskirche: Der Gauausschuss des Oberen Lechgau-Verbands, der 100. Geburtstag gefeiert hat.

Der Obere Lechgau-Trachtenverband ist 100 Jahre alt geworden

Einer der kleinsten Gauverbände ist 100

Im Jahr 2020 ist der Obere Lechgau-Verband 100 Jahre alt geworden. Das Jubiläum sollte natürlich gebührend gefeiert werden, doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Einen Rückblick auf die 100 Jahre gibt es aber dennoch.

Landkreis – Am 24. Oktober 1920 wurde im Gasthof „Zur Post“ in Buching von den Vertretern der Vereine „Neuschwanstoaner“ Füssen, Älpler“ Trauchgau, „Hochplatte“ Buching, „Schwanstoaner“ Schwangau und „Lechgauer“ der Obere Lechgau-Verband gegründet. Seit 1920 leiteten elf Gauvorstände die Geschicke eines der kleinsten Gauverbände im Bayerischen Trachtenverband.

Die heute noch bestehende Gaugrenze wurde schon bei der Gründung festgelegt. Sie führt im Westen entlang der Bahnlinie Füssen-Marktoberdorf, rund um den Auerberg nach Lechbruck und in östlicher Richtung entlang der Vorberge bis Wildsteig. Heute gehören zum Oberen Lechgau 23 Vereine – sechs aus dem Landkreis Weilheim-Schongau – mit etwa 5100 Mitgliedern und mehr als 1300 Kindern und Jugendlichen.

Mehr als 500 Teilnehmer beim Preisplatteln

Am 12. Juni 1921 wurde das erste Gautrachtenfest in Buching ausgerichtet, damals schon mit Preisplatteln. Heute richtet es jedes Jahr ein anderer Gauverein aus, der dann im darauf folgenden Jahr das Aktiv- und Jugendpreisplatteln für die insgesamt mehr als 500 Teilnehmer veranstaltet.

Im Jahr 1925 wurde bei der Generalversammlung in Füssen eine einheitliche Gautracht festgelegt. Es sind dies für die Männer die forstgrüne Joppe mit Weste, graue Strümpfe, Halbschuhe mit Latz, schwarze Lederhose mit Stickerei, leinenes weißes Hemd und einen dunkelgrünen Hut mit spitzer Form. Für die Frauen ist damals ein grauer Rock mit grüner Schürze und Tücherl notiert.

Die Farben der Frauentrachten sind inzwischen doch etwas vielfältiger geworden. Die Röcke sind rot, blau, grün oder grau, und die Schürzen-Tücherfarbe reicht von weiß, hellblau, rosa, hellgrün, gelb, blau bis grün. Bereichert wird diese heute durch einige historische Trachten.

Traditionelle Wies-Wallfahrt am Pfingstmontag

Am 2. Juli 1978 wurde die Gaustandarte in Füssen zur Weihe getragen, die der damalige Landtagsabgeordnete Richard Wengenmeier aus Marktoberdorf stiftete.

Tradition ist inzwischen die Gauwallfahrt in die Wies am Pfingstmontag, die erstmals 1991 stattfand. Seit 1997 besitzt der Gau eine Wallfahrtsstange mit der Abbildung des Gegeißelten Heilands auf der einen Seite und auf der anderen des Heiligen Magnus. Es kamen weitere jährliche Veranstaltungen dazu, und wie vielfältig die Brauchtumsarbeit im Gau ist, wurde 2004 im Buch „Bei uns im Oberen Lechgau“ zusammengestellt.

Der Beitritt des Gaues zu den Vereinigten Bayerischen Trachtenverbänden war im Jahr 1930. Seitdem war der Obere Lechgau-Verband drei Mal Gastgeber der Landestagung (1953/1972/2004).

Geschichte in zwei Chroniken erzählt

Im Mai 2015 eröffnete Max Bertl, der Landesvorsitzende des Bayerischen Trachtenverbandes, das Trachtenkulturzentrum in Holzhausen nach mehr als zehn Jahren Planungs- und Bauzeit. Über 30 000 ehrenamtliche Stunden wurden von Frauen und Männern dort geleistet, und jeder Gau übernahm den Ausbau eines Zimmers im Bildungshaus. Möglich war dieses Zentrum des Dachverbandes nur Dank der vielen geleisteten Stunden, Spenden und der Unterstützung des Fördervereins.

In zwei Chroniken ist die Geschichte des Oberen Lechgau-Verbandes festgehalten: Die Erste mit den Jahren von 1920 bis 1979 und die Zweite von 1980 bis 2020. Letztere ist ein farbenfrohes Nachschlagewerk, das über die angeschlossenen Gauvereine erworben werden kann.

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