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Beeindruckend in Bild und Ton: Die Orchester, Chöre und Solisten beim zweiten Konzert der Reihe Festlicher Sommer in der Wieskirche am Sonntagabend in der Wieskirche.

Festlicher Sommer in der Wies

Jede Stimme kraftvoll, wohltuend und sicher

Eine voll besetzte Wieskirche, eine Glanzleistung aller Mitwirkenden, ein minutenlanger stehender Applaus – das ist die Bilanz des hervorragenden zweiten Konzerts der Reihe Festlicher Sommer in der Wies.

Wies – Programm und Ergebnis konnten sich sehen lassen: Zum Auftakt präsentierte das Orchester Neue Süddeutsche Philharmonie unter der Leitung von Christoph Garbe mit der „Kleinen g-moll Sinfonie, KV 183“ ein 25-minütiges Schmankerl von Wolfgang Amadeus Mozart.

Mit 17 Jahren komponierte Mozart dieses leidenschaftliche, gefühlsbetonte Werk, sein erstes in dieser Tonart. Und Mozart, der zu dem Zeitpunkt schon ein alter Hase in Sachen Kompositionen war, probierte Neues bei dieser Sinfonie. Geprägt von Synkopen, Tremolo- und Unisonopassagen, bringt er differenzierte Rhythmik herein. Wunderbar arbeitete Garbe genau das in den vier ausdrucksstarken Sätzen heraus und interpretierte präzise und gefühlvoll dieses grandiose Werk.

Musikalisch nun bestens eingestimmt, folgte das zweite Stück an diesem Abend: Gioacchino Rossinis „Stabat Mater“ stand auf dem Programm. Zusammen mit dem Orchester Neue Süddeutsche Philharmonie, dem Chor der Stadt Schongau und dem Chor Adiamo sowie den Solisten Priska Eser (Sopran), Merit Ostermann (Mezzosopran), Moon Yung Oh (Tenor) und Timo Janzen (Bass), erlebten die Zuhörer dann ein Werk, das laut Programm „zwischen religiöser Inbrunst und Opernbelcanto“ gelagert war.

Und das traf es auf den Punkt: Rossini schrieb vorrangig Opern. Sein „Stabat Mater“, das bei der Uraufführung im Jahr 1842 in Paris ein sensationeller Erfolg war, ist eine seiner raren geistlichen Kompositionen. Das Werk ist in zehn Sätzen untergliedert, die in einer unvergleichlichen Schönheit den Schmerz der Gottesmutter musikalisch ausdrücken.

Garbe arbeitete mit seinem Orchester, den Chören und den Solisten diese gewaltige Trauer in geradezu ergreifender Weise heraus, die in dem Werk steckt. Da wird im 8. Satz, in der Arie Sopran mit Chor der Schmerz nahezu herausgeschrien, beim „Juxta Crucem lacrimosa“ ein Pianissimo geweint.

Die Leistung der Solisten kann man so zusammenfassen: Jede Stimme war kraftvoll, wohltönend und sicher. Garbe konnte sich erlauben, Chor und Orchester ins Fortissimo zu bringen, die Solisten übertönten leicht das gewaltige Klangvolumen. Wunderschön der a capella-komponierte 9. Satz, der manchmal vom Chor gesungen wird, den Garbe aber hier den Solisten überließ.

Der Gemeinschaftschor hatte zwar „nur“ in vier Sätzen zu singen, aber die hatten es in sich. Besonders hervorheben muss man zwei Sätze: Den fünften singt der Chor komplett a capella zusammen mit dem Bass-Solisten. Eine Herausforderung, die schnell in die Schieflage geraten kann, denn sowohl der Chor als auch der Solist sind stimmlich miteinander verbunden, müssen exakt die Stimmlage halten, da man sich an keinem Instrument orientieren kann. Hier war die Darbietung äußerst präzise und ausdrucksstark, dank hervorragender Konzentration.

Und diese nahm man mit in den Finalsatz mit Chor und Solisten. Die Doppelfuge ist schier überwältigend komponiert, aber auch beängstigend schwierig gestaltet für die Mitwirkenden. Um so lobenswerter ist die Leistung, die die Mitwirkenden dann bei diesem Finale zeigten. Die Doppelfuge durchsang man mit Leichtigkeit und hatte dabei noch die Kraft und die Wucht, die in der Musik steckt, auszudrücken.

„In sempiterna saecula – Amen“, rief man Fortissimo heraus in die Kirche. Von Ewigkeit zu Ewigkeit – Amen.

Regina Wahl-Geiger

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