+
Mit großem Feingefühl nimmt das Orchester die Vorgaben von Christoph Garbe auf.

Festlicher Sommer in der Wies Konzert V

Strömende Wärme statt Schicksalsgetöse

Gerade in den Wieskonzerten geht es nicht um eindimensionalen Musikkonsum. Hier begegnen sich künstlerischer Qualitätsanspruch, die leuchtende Formvollendung der Wies und die spirituelle Suche nach den großen Lebensfragen in einem ganz besonderen Spannungsverhältnis.

WiesDass die Fünfte von Beethoven gerne als „Schicksalssymphonie“ apostrophiert wird, ist nur schwer aus den Köpfen der Symphoniebegeisterten zu bringen. Wiesprälat Gottfried Fellner nimmt diese tradierte Auffassung in seiner Begrüßung beim Konzert V des Festlichen Sommer in der Wies zum Anlass, daran zu erinnern, dass schöpferischer Geist genauso wenig dem Zufall entspringt wie beseelter Glaube.

Nicht zackig und schroff peitscht Beethovens berühmtes Hauptmotiv des Kopfsatzes durch den Altarraum, wenn Dirigent Christoph Garbe mit groß ausholenden geschmeidigen Gesten modelliert. Dem Fluss des Lebens, weich und warm strömend, scheint dieser Beethoven zu entspringen. Die Neue Süddeutsche Philharmonie gestaltet unter seinem Ansatz große Sinfonik in ihrer vollen Pracht. Als gute Lösung erweist sich der unter dem Orchester ausgerollte Teppich, der vor einem allzu halligen Verschwimmen der Klänge schützt. Über die Farben der Holzbläser kann man nur schwärmen, schwebende, zögernde Momente lösen sattes Funkeln ab. Auch Hörner und Blech sind glänzend disponiert. Vollkommen homogen die diesmal in der Mitte platzierte Solopauke, die stets mit subtilem Fingerspitzengefühl mahnt und stützt.

Was diesen Beethoven generell auszeichnet, ist eine erstaunliche Wärme, sind die organisch gestalteten Übergänge, die eruptive Energie der Einwürfe, wuchtig wachsende Crescendi, die im Finalsatz nach langem Anlauf zu einer sinfonischen Triumphgeste werden. Garbe gestaltet eine Interpretation, die der Größe des Werkes angemessen ist.

Fein und zart breitet das Holz dem Chor der Stadt Schongau für sein erstes Kyrie in Franz Schuberts As-Dur Messe den Einstieg. Den Bereich der liturgischen Gebrauchsmusik weit hinter sich lassend, gilt die vorletzte seiner großen Messkompositionen nachgerade als Bekenntnismusik. Schuberts Verhältnis zur Religion lässt sich nicht ganz einfach fassen. Seine freidenkerischen Ansichten ließen sich kaum mit den Dogmen der Kirche in Einklang bringen. Nichtsdestotrotz fußte sein Leben auf einer tiefen subjektiven Frömmigkeit.

Für den Chor ist diese sehr anspruchsvolle Messe ein brillantes Fest, in das jedes Stimmregister mit Wonne eintauchen kann. Auch dem Chor der Stadt Schongau gelingt in der Wies ein intensiver, berührender Zugriff auf das große Werk. Verhalten nähert sich der Chor zu Beginn, überlässt zunächst den ersten Glanz einem ungewöhnlich homogenen Solistenquartett. Es ist wirklich herrlich, wie die vier Soli einander zugewandt singen, punktgenau in der Balance, in großen Bögen miteinander die weichen Linien gestalten. Priska Eser, Sopran, Mareike Braun, Mezzo, Andreas Hirtreiter Tenor und Timo Janzen, Bassbariton, allesamt Mitglieder des BR-Chores, einem der international besten Rundfunkchöre, bestechen und gewinnen mit makelloser Diktion, zartem Timbre und klarem Leuchten.

Mit großem Feingefühl nimmt das Orchester die Vorgaben von Garbe auf, trägt die monumentalen Steigerungsmomente im Gloria mit. Mit den bisweilen sehr langsam gewählten Tempi fordert Garbe vom Chor eine große Kraftanstrengung. Doch auch hier folgen ihm seine Sängerinnen und Sänger mit dichter Konzentration. So wogt das Ensemble im Sanctus, das man den Abstand zwischen Himmel und Erde förmlich greifen könnte. Selig seufzen darf man als Hörer im Benedictus, das die Soli mit den delikaten Celli auf eine besonders zarte Wolke heben. Behutsam trägt man das „Dona nobis pacem“ in die Wies. Schade, dass diese Klänge nicht auch bis nach Hamburg reichen.

Dorothe Fleege

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Zug zerfetzt Papierlaster: 18 Verletzte in Schongau
Ein vollbesetzter Zug der Bayerischen Regiobahn hat am Dienstagnachmittag in Schongau bei der UPM-Werkseinfahrt einen Lkw gerammt. Der Lastwagenfahrer blieb unverletzt, …
Zug zerfetzt Papierlaster: 18 Verletzte in Schongau
Hoher Schaden bei Unfall mit Klein-Lkw
Hoher Sachschaden ist bei einem Unfall am Montag bei Rottenbuch entstanden - ein Klein-Lkw hat auf der B23 eine Spur der Verwüstung gezogen.
Hoher Schaden bei Unfall mit Klein-Lkw
Dem besonderen Bier auf der Spur
So etwas hat es in Peiting und der Region noch nicht gegeben: Vom 6. bis zum 8. Oktober steigt in der Marktgemeinde das erste Bierfestival. Der Fokus liegt dabei auf …
Dem besonderen Bier auf der Spur
Geschichte des Auerbergrennens
Eine Sonderausstellung über 50 Jahre Auerbergrennen & 50 Jahre Thurner RS Sportwagen ist derzeit im Auerbergmuseum zu sehen.
Geschichte des Auerbergrennens

Kommentare