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In ihrem Element in der Wieskirche: Dirigent Christoph Garbe, das Orchester La Banda , der Chor der Stadt Schongau und Solisten sitzend von links: Timo Janzen (Bass), Thilo Himstedt (Tenor), Marike Potts (Alt) und Anna Karmasin (Sopran). 

Festlicher Sommer in der Wies

Bachs „Air“ durchschwebt das Wiesschiff

Es klang tatsächlich überirdisch schön, das berühmte „Air“ von Johann Sebastian Bach, das in der voll besetzten Wieskirche im Rahmen eines Konzertes der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“ durch den Kirchenraum schwebte. Ganz so, wie es Wiespfarrer Gottfried Fellner in seiner Begrüßung angedeutet hatte.

Wies – Das fünfte Konzert der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“ war bestückt mit drei Werken, die mit viel Pauken und Trompeten zu tun hatten und die auf alten, historischen Instrumenten gespielt wurden. Und die, trotz ihrer Unterschiedlichkeit, ein feierliches Gesamtbild ergaben.

Johann Sebastian Bach hat vier Orchestersuiten geschrieben. Die dritte hat Sommer-Musikleiter Christoph Garbe als Einstieg in das Konzert gewählt. Mit dem hervorragenden Orchester „La Banda“ präsentierte er den typisch festlichen Klang eines bachschen Werkes.

Das tänzerische Fugatothema zu Beginn, leitet dann über zum eingangs erwähnten „Air“. Wunderschön interpretierte Garbe hier. Nicht schmalzig klagend, sondern mit einer beschwingten Leichtigkeit gab Garbe diesem 2. Satz eine neue Prägung, die in den beiden folgenden Sätzen tänzerisch und schwungvoll fortgeführt wurde.

Zur Freude des Wies-Pfarrers hatte Garbe dann mit dem „Te Deum für Soli, Chor und Orchester D-Dur“ von Nikolaus Betscher ein Werk ausgewählt, das für eine Aufführung in der Wieskirche wie zurecht geschnitten ist. Denn der Komponist stammte aus dem Prämonstratenser-Orden, der die Wieskirche erbaut hat. Betscher wurde Abt des Ordens und sogar zum Generalvikar der deutschen Ordensprovinz des Prämonstratenser-Ordens ernannt.

Betschers Te Deum, die Lobpreisung Gottes, ist ebenfalls ein feierliches Klangwerk. Der Chor der Stadt Schongau und die vier Solisten Anna Karmasin (Sopran), Marike Potts (Alt), Thilo Himstedt (Tenor) und Timo Janzen (Bass) gaben dem prägnanten Werk Frische. Sehr reif, ausgeprägt und sicher die Stimmen der Solisten, der Chor wie gewohnt konzentriert.

Als Höhepunkt des Abends wurde dann die „Missa Cellensis in C“ von Joseph Haydn präsentiert. Sie wird auch als „Kleine Mariazellermesse“ bezeichnet, da Haydn 16 Jahre zuvor eine Messe ebenfalls für die Kirche Mariazell des gleichnamigen Wallfahrtsortes in Österreich geschrieben hatte. Anders als zur gewaltigen, umfangreichen ersten Messe, klingt die „Kleine Mariazellermesse“ leichter, nahezu fröhlich.

Nach einem beschwingten Kyrie dann viel Pauken und Trompeten beim Gloria. Stolperstein bei dieser Messe – der Chor muss höllisch auf die Einsätze aufpassen. Nach dem langsamen, getragenen „miserere“ sofort den Rhythmuswechsel zum „Quoniam tu solus“ zu schaffen, ist schon eine Sache, die auch schief laufen kann.

Aber nicht beim Chor der Stadt Schongau. Die Einsätze, auch bei den stark wechselnden Tempopassagen im Credo, kommen exakt. Positiv auch zu bemerken – kein sogenanntes „Zischen“ im Sanctus, das bei manchen Chören oft zu hören ist, wenn die Endungen nicht präzise unisono gesungen werden. Das wunderschön komponierte Sanctus konnten die Zuhörer somit vollumfänglich genießen.

Wie auch die drei Fugen im Gloria, Credo und beim abschließenden Agnus Dei. Die Solisten harmonierten wunderbar im Quartett und rundeten das Gesamtbild mit ihren überzeugenden Soli ab.

Einzig der übliche Wunsch von Wiespfarrer Fellner, mit dem einminütigen Glockengeläut und dem Segen im Anschluss des Konzerts noch zu verweilen und erst dann seinen Jubel kundzutun, klappte an diesem Abend nicht. Es wäre ein schöneres Ende gewesen.

Regina Wahl-Geiger

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