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Architekt und Schauspieler: Johannes Klein verkörpert den Graf von Kappenberg und hat die aufwendige Kulisse entworfen.

Freilichttheater Steingaden

Tausendsassas auf und hinter der Bühne

Wenn am 15. Juli auf der Freilichtbühne Steingaden „Die Anstifter“ Premiere haben, dürfen diese beiden langjährigen Darsteller nicht fehlen: Johannes Klein und Elisabeth Schmölz sind auch heuer wieder in zentralen Rollen zu sehen. Aber auch hinter der Bühne haben die beiden ihre Talente mit eingebracht.

Steingaden In der Geschichte des Heiligen Norbert taucht dessen Freund und Bewunderer Graf von Kappenberg auf, in dessen Rolle Johannes Klein schlüpft. „Er ist eine ganz andere Art Mensch und das macht es für mich so reizvoll“, sagt Klein, der pro Aufführung rund 30 Einsätze haben wird. Kappenberg ist ein ernster Adliger, der sich in exzessiver Frömmelei den Lehren Norberts bedingungslos unter- und sich das Büßergewand überwirft. Aber der Graf ist ebenso ein „schlummernder Vulkan“. Im Spiel „Welfs Erbe“ war Klein der Chef der Gaukler und in Wunder Wies stellte er den Genio dar, ebenfalls zentrale Figur im Stück, jedoch eher von charakterlicher Leichtigkeit.

Der 36-jährige Familienvater, im realen Leben Steinmetz und Bildhauer von Beruf, arbeitet künstlerisch ebenfalls auf eine fast schon karikaturistische Weise, die bisweilen an den Schwarzen Humor reicht. In seiner Werkstatt in Steingaden entstehen heitere, gegenständliche Skulpturen mit dem Titel „Bayrische Dreifaltigkeit“, wobei dann eine dreiteilige Biertischgarnitur, in Bronze gegossen, herauskommt. Aber auch originelles Holzspielzeug hat Klein angefertigt, wie etwa eine Weihnachts-Spieluhr, aus der „Oh Tannenbaum“ klingt und man sieht, wie Biber den Weihnachtsbaum stibitzen. Das ganze nennt Klein dann „Schöne Bescherung“; ein Gegenstück dazu befindet sich bereits im Diözesanmuseum München-Freising.

Ein gut gehütetes Geheimnis ist noch die Rolle von Elisabeth Schmölz im Stück die Anstifter. Die Bernbeurerin näht auch die Gewänder.

Nicht nur auf der Bühne leistet Johannes Klein wertvolle Arbeit, er ist in diesem Jahr auch „Architekt und Bauherr“ der Kulisse. Es entstand ein neutrales Stadtbild, das sowohl Rom, Xanten als auch Magdeburg darstellen kann. Die Hauptfrage dabei war, so Klein, wie man die Kulisse zum maroden Mauerwerk des Seitenflügels kombinieren könne und welches Material zu Verkleidung verwendet werden sollte. Zur Debatte standen Tücher oder Holz. Man entschied sich für Holz, da in dieser Ecke des Fohlenhofes „ordentlich der Wind reinfahren kann“. Dazu gab es zahlreiche Teamsitzungen, bis das richtige Konzept gefunden war. Klein lobt den ehrenamtlichen Einsatz der Helfer, die auch „die Holzbretter grau angestrichen und verbaut haben“.

Wertvolle Arbeit hinter der Bühne leistet auch Elisabeth Schmölz aus Bernbeuren. Als Lehrerin unter anderem für Werken und Textiles Gestalten an den Schulen Steingaden und ihres Heimatorts ließ sie in den vergangenen fünf Wochen ihre Nähmaschine rattern und fertigte Gewänder und Bischofsmitren, die sie mit feiner Borte verzierte. Insgesamt neun Gewänder sollten es werden, nach dem fünften „sah ich ein, dass ich das mit den vielen Theaterproben, dem Schulunterricht, zudem auch noch die Qualiprüfung für meine Klassen kam, Haushalt und Familie, nicht alleine schaffen konnte“. Jetzt helfe eine Bekannte aus.

Elisabeth Schmölz ist schon viele Jahre vom „Theaterfieber“ ergriffen. „Das geht aber nur, wenn die Familie das auch unterstützt“, sagt sie und lächelt, wenn sie an die Situation vor rund 20 Jahren denkt. „Damals hatte ich drei kleine Kinder, mein Mann selbstständiger Unternehmer, wir bauten gerade ein Haus, und ich bin jeden Abend zur Probe.“ Die 58-Jährige, jetzt begeisterte Oma eines zweijährigen Enkels, spielt gerne weibliche Hauptrollen, wie zum Beispiels die „Martha“ in Kleists „Zerbrochenem Krug“ oder die Irrenärztin in Dürrenmatts „Physiker“. Seit langem schon ist sie ebenfalls Schriftführerin in der Vorstandschaft der Welfenbühne. Und ihre Rolle in „die Anstifter“? Das ist noch ein gut gehütetes Geheimnis.

Die Anstifter

Aufführungstermine des Stücks im Freilichttheater in Steingaden sind am Samstag, 15. Juli, Donnerstag, 20. Juli, Freitag, 21. Juli, Samstag, 22. Juli, Donnerstag, 27. Juli, Freitag, 28. Juli, Samstag, 29. Juli, Donnerstag, 3. August, Freitag, 4. August und Samstag, 5. August. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr (Einlass: 19.30 Uhr). Karten (24 Euro das Stück) können online unter www.theater-steingaden.de/karten/ bestellt werden.

Myrjam C. Trunk

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