Generationenwechsel bei der Raiffeisenbank Steingaden: Von links der künftige Vorstand Thomas Hipp, der scheidende Vorstand Ludwig Bergbauer, Dominic Lauter (Vorstand ab Januar 2022), Anton Weiß (Vorstand bis Dezember 2021).
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Generationenwechsel bei der Raiffeisenbank Steingaden: Von links der künftige Vorstand Thomas Hipp, der scheidende Vorstand Ludwig Bergbauer, Dominic Lauter (Vorstand ab Januar 2022), Anton Weiß (Vorstand bis Dezember 2021).

Ludwig Bergbauer geht nach 46 Jahren als Vorstands-Vorsitzender in den Ruhestand

Generationswechsel bei der Raiffeisenbank Steingaden

Ein Urgestein der regionalen Bankenlandschaft wechselt nach 46 Jahren Dienstzeit zum 1. April in den Ruhestand: Ludwig Bergbauer, der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank Steingaden.

Steingaden/Rottenbuch – Die Laufbahn des gebürtigen Rottenbuchers startete im Jahr 1974 mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann bei der örtlichen Raiffeisenbank. Zehn Jahre später wurde er zum Geschäftsleiter ernannt. Seit der Fusion mit der Raiffeisenbank Steingaden im Jahr 1992 ist Ludwig Bergbauer als Genossenschafts-Vorstand bis heute Dreh- und Angelpunkt für seine Mitarbeiter und Kunden.

Meilensteine in seinen insgesamt fast vier Jahrzehnten als Chef waren unter anderem die Fusions-Ablehnung der Mitglieder mit der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel im Jahr 2006 und der Neubau des Lagerhauses in Steingaden im Jahr 2017 .

„In meinen 46 Berufsjahren hat sich das Bankgeschäft durch die technologische Entwicklung unglaublich verändert. Früher waren eine Schreib- und eine Rechenmaschine die wichtigsten Werkzeuge. Heute geht ohne Computer und digitale Vernetzung absolut nichts mehr“, erzählt Bergbauer, der bei Neuerungen in der Datenverarbeitung aber immer sehr früh mit dabei war. Lief früher noch vieles in Handarbeit, haben die regulatorischen Anforderungen in den vergangenen 20 Jahren massiv zugenommen.

Von Anfang an kein Druck

So werde die Raiffeisenbank Steingaden mit ihren sieben Geschäftsstellen und zwei Lagerhäusern wie eine Großbank behandelt. „Positiv hat mich jedoch trotz aller Globalisierung immer unsere Nähe und unser Kontakt zu den Kunden und Mitgliedern gestimmt. Als Vorstand war mir immer wichtig, dass unsere Mitarbeiter eine vertrauensvolle und ehrliche Beziehung zu ihren Kunden aufbauen können“, so Bergbauer. Und weiter: „Bei mir gab es von Anfang an keinen Druck, irgendwelche Bankprodukte zu verkaufen, obwohl die gar nicht passen“, spricht er mit Stolz über seine berufliche Priorisierung.

Privat möchte er nun seine Programmierkenntnisse auffrischen, lesen, die Zeit mit seinem Hund genießen und die nähere Umgebung mit Roller oder E-Bike erkunden. „Ansonsten erst mal schauen und nicht gleich den ganzen Tag verplanen“, freut sich Bergbauer auf die freie Zeit ohne Termine.

In seine Fußstapfen tritt ebenfalls ein Gewächs der Genossenschaftsbank: Thomas Hipp, 34 Jahre alt und verheiratet. Nach seiner Ausbildung vor 18 Jahren sammelte er in der Filiale in Wildsteig erste Erfahrungen als Privatkundenberater. Mit 21 Jahren übernahm er die Leitung in Bad Bayersoien und betreute dort Privat- und Firmenkunden. Ende 2012 wurde er Leiter der Firmenkundenabteilung.

Erhalt des Warengeschäfts

2017 übertrug man ihm die Verantwortung für den sogenannten Marktbereich, also das gesamte Kundengeschäft der Bank. In diesem Zuge wurde er auch zum Prokuristen ernannt. Durch diverse Studiengänge des Bank-Collegs qualifizierte er sich schließlich als diplomierter Bankbetriebswirt für das Vorstandsamt.

„Ich habe es schon immer als Privileg empfunden, in dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin, auch arbeiten zu dürfen“, sagt Hipp dankbar. Als Vorstand möchte er die Linie von Ludwig Bergbauer weiterfahren und seinen Mitarbeitern keinen Verkaufsdruck aufbürden. „Unsere Kunden sollen nach ihren Zielen und Wünschen beraten werden, und sie schätzen es auch sehr, dass sie bei uns noch einen konstanten persönlichen Ansprechpartner haben, der direkt für sie erreichbar ist.“

„Auch die Entscheidung zum Erhalt des Warengeschäfts vor Ort, mit dem Neubau unserer Lagerhäuser in Steingaden und Böbing, ist sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal unserer Genossenschaft“, verweist Hipp auf die Vorteile. „Ich möchte die Philosophie unserer ,Familienbank vor Ort’ so lange wie möglich für unsere Mitarbeiter und Kunden erhalten. Ich glaube, in der heutigen Zeit ist Beständigkeit ein viel zu seltenes Gut. Doch genau darin liegt seit über 125 Jahren die Stärke unserer Genossenschaft“, spricht Hipp über seine Motivation.  

Weitere Veränderungen stehen vor der Tür

Der nächste Vorstandswechsel steht schon vor der Tür: Anton Weiß, der weitere Vorstand der Raiffeisenbank Steingaden, verabschiedet sich zum Jahreswechsel 2021/22 nach fast 40 Jahren von seiner Wirkungsstätte.

Seine Ausbildung zum Bankkaufmann absolvierte er im Jahr 1973 bei der Bayerischen Landesbank in München. Nach seiner Tätigkeit dort wechselte der gebürtige Steingadener 1982 als Innenrevisor zur Kreditgenossenschaft in seinem Heimatort. Im Jahr 2002 wurde er in den Vorstand der Raiffeisenbank Steingaden berufen und bildete mit Ludwig Bergbauer seit rund 20 Jahren die Doppelspitze der Heimatbank.

Mit der kommenden freien Zeit weiß Weiß aber schon etwas anzufangen: Bücher lesen, Berg- und Radtouren unternehmen und mehr im Garten arbeiten. „Vielleicht werde ich auch eine soziale Aufgabe übernehmen“, so Anton Weiß.

Sein Nachfolger steht schon fest: Dominic Lauter, 40 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder aus Lechbruck, aufgewachsen in Marktoberdorf. Er ist Diplom-Kaufmann und absolvierte sein betriebswirtschaftliches Studium an den Universitäten Bayreuth, Eichstätt-Ingolstadt und an der Lincoln University in Christchurch/Neuseeland.

Nach seinem Studium arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Finanzwissenschaft in Ingolstadt, bevor er 2009 in den Prüfungsdienst des Genossenschaftsverbands Bayern eintrat.

Im Rahmen seiner Prüferlaufbahn hatte er erste Berührungspunkte mit der Raiffeisenbank Steingaden. 2018 wechselte er zur Raiffeisenbank Stauden – zuerst als Prokurist, dann als Vorstand. „Ich freue mich sehr auf meine kommende Aufgabe. Ich bin aus der Region und sehe es als Privileg, hier mit meiner Familie leben zu dürfen. Durch meine künftige Tätigkeit in der Raiffeisenbank Steingaden kann ich mich noch weiter für unsere Region engagieren und möchte ihr möglichst viel zurückgeben.“

ass

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