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Enorme Hilfsbereitschaft nach Großbrand auf Bauernhof: Sogar Urlauber packen mit an

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Matthias Altfeld aus Berlin, der mit seinen beiden Söhnen Constantin (17) und Friedrich (12) die letzten beiden Urlaubstage bei den Aufräumarbeiten mithalf.
Matthias Altfeld aus Berlin, der mit seinen beiden Söhnen Constantin (17) und Friedrich (12) die letzten beiden Urlaubstage bei den Aufräumarbeiten in Urspring mithalf. © Hans-Helmut Herold

Nach dem Großbrand eines Bauernhofs vergangenen Dienstag mitten in Urspring laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Der Zusammenhalt im Dorf ist groß, doch manchmal kommt auch unerwartete Hilfe.

Urspring – Beim Anblick des Brandherds läuft einem der Schauer über den Rücken. Durch die enorme Hitze verbogene Eisenträger, völlig zerstörte landwirtschaftliche Geräte, verkohlte Holzbalken, geborstene Mauern, ein durch Löschwasser verschlammter Stall. Ein Bild zum Davonlaufen.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Überall sind Helfer zu beobachten, die an allen Ecken und Enden arbeiten. Ein großer Bagger mit Greifarm holt immer noch Futtermittel aus dem Silo, das auf bereitstehende Hänger verladen wird. Ist eine Fuhre fertig, steht schon der nächste Bulldog mit Anhänger bereit. Die Gesichter aller Beteiligten sind gezeichnet. Im Stall ist eine Gruppe damit beschäftigt, die Mischung aus Löschwasser, Stroh und Kot zu entfernen. Die einen kratzen zusammen und verladen in Schubkarren, die anderen fahren diese stillschweigend nach draußen.

Nach Großbrand auf Bauernhof in Urspring: Hilfsbereitschaft im Dorf ist groß - sogar Urlauber packen an

Unter ihnen sind zwei junge Burschen, die kräftig mit anpacken. In Hörweite entfernt ein Mann, der den beiden in nicht gerade heimischem Akzent einige Ratschläge gibt. Auf Nachfrage stellt er sich als Matthias Altfeld aus Berlin vor, seines Zeichens Rechtsanwalt. Bei einer Pause inmitten des Chaos erzählt Altfeld, dass er mit seiner Frau und den beiden Söhnen Constantin (17) und Friedrich (12) nahe Lechbruck Urlaub macht. Er war vor 15 Jahren das erste Mal hier, ihm gefallen Land und Leute.

Die Reste eines Gebäudes unterhalb der großen Scheune
Die Reste eines Gebäudes unterhalb der großen Scheune. © Hans-Helmut Herold

Als am Tag des Brandes die beiden Söhne so viele Fahrzeuge der Feuerwehren über die Straßen Richtung Urspring fahren sahen, wollen sie unbedingt wissen, was passiert ist. Außerdem beobachten sie die gewaltige Rauchsäule. Erste Hinweise auf den Brand erfahren sie vom Vermieter ihrer Ferienwohnung. „Die ganze Geschichte haben wir dann am nächsten Tag in der Zeitung gelesen“, erzählt der Anwalt.

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Da wird Sohn Constantin zum treibenden Motor. Er bietet sofort an zu helfen. „Menschen, die Hilfe brauchen, bekommen sie, egal ob wir Ferien oder Urlaub haben oder nicht“, sagt der 17-Jährige in Berliner Dialekt. Sein jüngerer Bruder Friedrich stößt ins gleiche Horn: „Hier muss geholfen werden, anders bringt man die Scheiße ja nicht raus“, sagt er und zeigt in Richtung Stall. Hier ist der derbe Begriff wirklich treffend.

Der Ort des Großbrands in Urspring aus der Luft betrachtet.
Der Ort des Großbrands aus der Luft betrachtet: Rechts das Wohnhaus mit dem Anbau, der beschädigt wurde. Im Bild darüber ebenfalls ein Wohnhaus, das stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Mittig die Stallung mit der ehemaligen Scheune, alles ein Raub der Flammen und des Löschwassers. © Hans-Helmut Herold

Vater Matthias ist stolz auf seine beiden Söhne, die in Berlin das St. Marius-Gymnasium besuchen. Nur ganz nebenbei erwähnt er, dass dies ihre beiden letzten Urlaubstage sind, sie aber bis zum Schluss hier helfen werden.

Von „großer Hilfe“ in vieler Hinsicht spricht auch Gabi Köstler. Sie ist die Schwester des brandgeschädigten Landwirts. Während dieser trotz Verbrennungen am Arm mit vollem Einsatz mit den Helfern auf dem Areal arbeitet, bereitet Gabi die Brotzeit für Mittag her. In einer Garage hat sie einen Pausenraum eingerichtet, in dem die Helfer ihre Verpflegung einnehmen können. „Die schuften alle in der Hitze bis zum Umfallen, da muss auch mal eine Pause im schattigen Raum eingelegt werden“, sagt sie und greift zum Telefon, um einen Kühlschrank für die Getränke zu ordern. Bisher wurde in einer Kinderbadewanne gekühlt.

Von Tierfutter bis Geld: „Es ist ein Wahnsinn, was die Nachbarn alles vorbeibringen“

Dazwischen ruft sie ein Dankeschön an eine Maria mit Fahrrad zu, die Kuchen für den Nachmittag gebacken hat und abliefert. „Es ist ein Wahnsinn, was die Nachbarn alles vorbeibringen“, sagt sie dankbar. Dabei erzählt sie, dass ein Bauer aus Birkland Futter angeboten hat, dass ihr Kuverts mit Geldbeträgen in die Hand gedrückt wurden, dass immer wieder Menschen Getränke bringen.

Nur eins nervt sie, bringt sie fast auf die Palme. „Da kommen doch glatt auch Radler und andere Schaulustige, die einfach auf die Brandstätte gehen, um Selfies zu machen“, sagt sie genervt. Nicht alle sind so hilfreich wie die Urlauberfamilie aus Berlin. Hans-Helmut Herold

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