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Ausgangssituation der groß angelegten Rettungsübung: Ein Reisebus fährt ungebremst in eine Unfallstelle, über 50 Verletzte sind zu versorgen, auch Tote sind unter der Opfern.

Große Rettungsübung

Vorbereitet auf die Bus-Katastrophe

Wieskirche, Romantische Straße, Königsschlösser: Diese Tourismus-Magneten ziehen auch Reisebusse an. Wenn so ein Gefährt in einen Unfall verwickelt ist, werden die Rettungskräfte bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeiten gefordert. Deshalb wurde jetzt in Steingaden eine Großübung mit fast 200 Teilnehmern durchgeführt – nur wenige Tage nach dem verheerenden Busunglück in Franken mit 18 Todesopfern.

Steingaden – Thomas Zimmerer und Ludwig Fernsemmer kennen die Situation auf unseren Straßen vor allem während der Urlaubszeit nur zu gut. Der Bereitschaftsleiter des BRK in Peiting und der Kreisbrandinspektor haben sich deshalb überlegt, wie die Rettungskräfte koordiniert werden, wenn ein Verkehrsunfall mit vielen Verletzten passiert. Vom verheerenden Busunglück in Münchberg konnten sie beim Beginn der umfangreichen Planung natürlich noch nichts wissen, sie hatten eher den Bahnunfall Bad Aibling im Hinterkopf – viele Tote und Verletzte und nur eine schmale Zufahrtstraße zur Einsatzstelle. Doch angesichts der aktuellen Tragödie hat die Übung besondere Brisanz erhalten.

An der Sammelstelle versorgen Notärzte die Verletzten.

Die simulierte Lage, beobachtet von Kreisbereitschaftsleiter Otto Bauer: Zwei voll besetzte Pkw stoßen frontal zusammen, der Fahrer eines Reisebusses mit 50 Personen erkennt die Situation zu spät und fährt ungebremst in die Unfallstelle. Viele Personen sind zwischen den Sitzen eingeklemmt. Alarmierung durch die Leitstelle. Die Feuerwehren aus Steingaden und Peiting rücken an. Ebenso treffen die ersten Rettungsdienste ein. Gellende Schreie sind schon von weitem aus dem Bus zu hören. Daneben: Ein Beifahrer aus dem Pkw herausgeschleudert, seine Hand ist abgetrennt.

Den ersten Rettungskräften stürmt ein Vater entgegen, der im Schock sein totes Kind trägt und nach Hilfe bettelt. Sebastian Liebhart und Patrick Voss vom „Vorsichtungstrupp“ müssen sich zusammenreißen und klaren Kopf behalten, so gut spielen die Darsteller ihre Rollen. Hier sind Jugendfeuerwehr und Angehörige der Helfer mit eingebunden. Sebastian Gattinger hat allen Darstellern die Verletzung perfekt wirkend aufgemalt.

Jetzt Chaos pur an der Unfallstelle. Steingadens Feuerwehr beginnt, die eingeklemmten Personen aus den Fahrzeugen herauszuschneiden. Außerdem übernehmen die Wehrmänner die Brandsicherung. Kommandant Leo Eicher teilt seine Männer ein, die Verletzten aus dem Bus zu retten. „Wir machen erst hinten den Gang frei“, so sein Entschluss. Da die vordere Türe völlig verklemmt ist, kann nur über die Mitteltür befreit werden. Mühsam müssen die Feuerwehrmänner mit Tragetüchern die Verletzten im engen Gang nach außen bringen. Die Mittagstemperatur im Bus setzt allen zu.

Die Polizei beginnt mit der Unfallaufnahme und Registrierung der Toten. Andreas Strauß hat diese mit Decken abgedeckt. Die ersten Gaffer stehen mit ihren Handys bereit. „Akuter Querschnitt, aber Kreislauf stabil“, oder „Amputation der rechten Hand, die Hand liegt auf dem Bauch“, so die kurzen Kommentare von Notarzt Jürgen Unterburger. Alle Tätigkeiten werden in Echtzeit geübt und durch Zimmerer dokumentiert.

Katastrophenschutz und die Hundestaffel treffen ein. Ebenfalls Notfallseelsorge und Krisen Interventionsdienst. Alle arbeiten Hand in Hand zusammen. Insgesamt 140 Teilnehmer der Rettungskräfte und 50 Darsteller. Nach einer Stunde ist der Bus geräumt, nach einer weiteren Stunde sind die Verletzten abtransportiert. Nur noch die Hundestaffel sucht nach zwei Personen. Auch sie konnten gefunden werden. „Wir sind gut vorbereitet, um so eine schwierige Lage zu stemmen. Aber hoffen und wünschen, dass so eine Situation nicht eintrifft“, sagt Bereitschaftsleiter Thomas Zimmerer bei der Abschlussbesprechung.

Hans-Helmut Herold

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