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Die prächtigen Geweihe und Gehörne wurden vor allem von den Kindern bestaunt.

Hegegschau Wies

Mehr Sauen erlegt, aber zu wenig Rehe

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Die Afrikanische Schweinepest spielte bei der ersten gemeinsamen Hegeschau im Schongauer Land seit 30 Jahren eine zentrale Rolle. Während es beim Reh-Abschuss erneut hapert, sind wieder deutlich mehr Wildschweine erlegt worden.

Wies – Als „sinnvolle Maßnahme“ bezeichnete Landrätin Andrea Jochner-Weiß die Zusammenlegung der bisher getrennten Hegeschauen. „Das war einfach ein zu großer Aufwand.“ Sie hoffe, dass das derzeit erstellte Vegetationsgutachten „großflächige Akzeptanz“ findet. „Bitte helft alle mit, dass das einvernehmlich passiert“, so Jochner-Weiß, die die Probleme mit dem nicht von allen Jägern akzeptierten Gutachten, das tragende Säule für den Abschussplan bis 2021 ist, in der Vergangenheit miterlebt hat.

Beim Thema Schweinpest sieht sie sich von der großen Politik im Stich gelassen: Man habe acht Anträge von Jägern auf Nachtzielgeräten vorliegen, um die komplizierte Jagd auf Wildschweine zu erleichtern, doch die Regierung von Oberbayern vermeide seit Wochen eine Entscheidung. „Es heißt, wir haben hier keine Problemreviere“, sagte Jochner-Weiß. Auch Ehrengast Thomas Schreder, Oberbayern-Chef des Jagdverbands, wehrte sich dagegen, quasi als Schädlingsbekämpfer angesehen zu werden. „Es gibt eine teilweise hysterische Diskussion um die Schweinepest, wenn Schutzzeiten völlig aufgehoben und unrealistische Abschusszahlen gefordert werden“, sagte Schreder. Auch wenn die Schweinepest für viele Landwirte existenzbedrohend sei, „können wir die Waidgerechtigkeit trotzdem nicht komplett über Bord werfen“.

Prems Bürgermeister Herbert Sieber sorgte mit seiner ruhigen, aber von klugen Beobachtungen geprägten Rede für den größten Applaus des Tages. Immer wenn er etwas zum Thema Jagd in der Zeitung lese, gebe es einige Tage später Leserbriefe – „das zeigt, wie kontrovers die Fraktionen bei dem Thema sind“. Viele reden beim Thema Jagd mit, bis hin zu Politikern, und alle haben sie unterschiedliche Ansichten – und zu oft auch keinerlei Kompromissbereitschaft, bemängelte Sieber.

Die Jagd sei im Vergleich zu früher viel aufwändiger geworden, zum einen wegen des Freizeitverhaltens der Bürger, zum anderen wegen der Landwirtschaft mit ihren Monokulturen: „Vier bis fünf Mal wird gemäht, danach sofort Gülle ausgebracht bis in die Nacht – das zeigt, wie sich die Landwirtschaft gewandelt hat.“ Er habe zudem den Verdacht, dass es in manchen Gemeinden nicht ums Thema Wald vor Wild gehe, sondern um Mensch gegen Mensch: „Jeder verfolgt seine Interessen ohne Deeskalation.“

Die verdiente Jäger wurden geehrt: (v.l.) Robert Eichner (Jagd- und Naturschutzverein), Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Thomas Schreder (BJV), Herbert Mayr, Jens Heinschke (beide Eichenkranz in Bronze), Gottfried Würbser (50 Jahre Mitgliedschaft im BJV) und Helmut Schlecht (Eichenkranz in Bronze).

Auch das Vorgehen der Behörden prangerte er mit einem Beispiel an. So staue in Prem ein Biber derzeit zwei Bäche auf, 120 Fichten stehen knietief im Wasser und werden langsam zerstört. Aber wenn ein Reh Triebe verbeiße, müsse der Abschuss erhöht werden. „Wenn Bürger viele Entscheidungen nur noch kopfschüttelnd begleiten, muss man sich die Frage stellen, ob alles richtig läuft“, sagte Sieber unter tosendem Beifall.

Helmut Stork von der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt ging kurz auf den aufgeflammten Wildfütterungsstreit ein, der kurz vor Weihnachten beigelegt werden konnte, sowie auf das Vegetationsgutachten, ehe er zum Thema Abschussplan kam. Demnach liegen alle Hegegemeinschaften zum Teil deutlich unter den vorgegebenen Plänen: Nach zwei von drei Jahren seien in der Hegegemeinschaft (HG) Bernbeuren nur 53 Prozent der geforderten Rehe erlegt worden, in der HG Peiting (56 Prozent), Steingaden (57), Rottenbuch (58) und Schongau (60) schaut es nur wenig besser aus. „Das wird wohl in diesem Jahr nicht mehr zu schaffen sein“, sagte Stork realistisch, der trotzdem bat, alle Anstrengungen für eine möglichst gute Abschussquote zu unternehmen. „Wobei der Zustand des Waldes immer im Vordergrund steht“, betonte er. Beim Rotwild sehe es etwas besser aus, dort sei der Abschussplan im abgelaufenen Jagdjahr zu 79 Prozent erfüllt; in den Rotwildkernrevieren waren es sogar 87 Prozent. Die Strecke beim Schwazwild ist nach dem unerklärlichen Einbruch im Vorjahr wieder von 352 auf 541 Sauen angestiegen.

Die diskutierte Abschaffung der Hegeschau übrigens war für keinen der Redner auch nur ansatzweise ein Thema. „Es ist doch ein Kommunikationstreffpunkt: Wir sitzen alle an einem Tisch, reden über Jagd und freuen uns über die Jahdhornbläser“, sagte Schreder fröhlich.

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