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„Wenn ich nicht auf der Bühne wär, was würde ich dann sein?“ Das sangen diese Mitglieder der Steingadener Theatergruppe in der Freinacht im Gasthof Graf.

Freinacht in Steingaden

Künstler stehen Schlange

Freinacht und Wirtschaftswunder: Bereits zum sechsten Mal haben Kleindarsteller und Musiker in sechs Lokalen in Steingaden ihre Runden gedreht und dabei für Spaß und gute Stimmung bei den Gästen gesorgt.

Steingaden – „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich, jede Körperzelle fühlt sich wohl“: Dieses Lied von Astrid Kuby hat sich eine Gruppe um Christian Breidenbach zum Motto genommen und brachte damit die Gäste der Steingadener Freinacht dazu, mitzutanzen. In Windeseile verwandelten sie den Saal im Gasthof Graf zur Diskussionsrunde à la „Jetzt red i“: Mit Sachverständigen wie Bürgermeister, Landrätin, Tiefenpsychologin Frau Müller-Riebenseel und Frau Dr. Wurst gingen sie der Frage nach: „Ist die Freinacht wirklich frei?“

Aber auch richtige Dramen wie ein Duell wurden geboten: Direkt aus der Gruft kamen Welf VI. und Welf VII. und zettelten einen freinächtlichen Welfen-Aufstand an. Sylvia Hindelang dagegen war als Wirtschaftswunder- Freinachts-Gleichstellungsbeauftragte unterwegs und wurde dabei von ihrem Mann als Wirtschaftswunder-Freinachts-Qualitätsmanagementbeauftragter und Pater Adrian als Wirtschaftswunder-Freinachts-Datenschutzbeauftragten unterstützt. Zusammen führten sie politische Reglementierungswut ad absurdum und ernteten mit ihrem Lied „Die Juristen sind uns am liebsten und denken sich was aus“ so manchen Lacher.

Atueller Bezug: Werner Böglmüller (Mitte) führte Rapper „Kollegah“ (rechts) an der kurzen Leine.

Rund 15 Kleingruppen haben in der Steingadener Freinacht ihr Unwesen mit Musik, Sketchen und Liedern getrieben und für Kurzweil bei den Gästen in den verschiedenen Wirtschaften gesorgt. Diese hatten für diesen Abend besondere Leckereien auf der Karte und waren allesamt ausgebucht.

„Die Gäste gehen und reservieren gleich fürs nächste Jahr wieder“, erzählte Bettina Schulz, die stellvertretende Geschäftsleiterin im Karl-Eberth-Haus. Die Erholungs-und Tagungsstätte hatte an diesem Abend ihre Pforten geöffnet und bot ein Vier-Gänge-Menü mit allerhand Leckereien. „In der Steingadener Freinacht ist keiner daheim. Entweder hilft man mit, führt etwas auf oder geht zum Essen“, meinte sie.

Mitmachen und etwas aufführen kann jeder, der möchte. Und das ohne großen organisatorischen Aufwand. Wer vorab zum Treffpunkt auf den Marktplatz kommt, wird von Initiator und Organisator Werner Böglmüller eingeteilt. Ziel ist es, reihum jede teilnehmende Wirtschaft zum Teil in mehreren Räumen lückenlos zu bespielen.

Und erstaunlicherweise gelingt das Jahr für Jahr ohne große Pläne, auch wenn es ab und zu zu einem „Künstlerstau“ vor dem Eingang der Lokale kommt.

Diese „Urlauber“ hatten sich in der Trattoria Casa-Nova verlaufen.

Für die Besucher, die gemütlich sitzen bleiben können, ergibt sich so eine bunte Mischung aus Spontan-Theater, gespielten Witzen und Blasmusik sowie Pop und HipHop. Da ist für jeden etwas dabei. „Wir sind begeistert. Es ist überall knallvoll“, meinten auch die „Chicas“ aus Bernbeuren und Urspring, die zum vierten Mal mit Coversongs dabei waren und gerade die Klosterschänke gerockt hatten.

Aber auch in der Trattoria Casa-Nova, im Gasthof Zur Post und in der Taverne ging es lustig zu. Oder, wie es „Tiefenpsychologin Frau Müller-Riebenseel“ formulierte: „Die freinächtliche Zerstörungswut transformiert sich in darstellerische Wut.“ Und die machte allen großen Spaß.

Ursula Fröhlich

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