Die Corona-Pandemie hat auch die Konzertreihe „Festlicher Sommer in der Wies“ausgebremst. Das Bild zeigt ein Konzert in der Wieskirche im Jahr 2019.
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Die Corona-Pandemie hat auch die Konzertreihe „Festlicher Sommer in der Wies“ausgebremst. Das Bild zeigt ein Konzert in der Wieskirche im Jahr 2019.

„Kultur muss mit Gegebenheiten arbeiten“

Festlicher Sommer in der Wies: Virtuelle Proben und vorsichtige Konzertpläne

Seit vergangenem Herbst ist Markus Bauer Künstlerischer Leiter des „Festlichen Sommers in der Wies“. Ein Gespräch über virtuelle Proben, vorsichtige Konzert-Pläne und wo die Politik in der Krise gefordert ist.

Landkreis – „Mit Hygienekonzept zu proben, hat wirklich gut funktioniert, wir haben uns damit auch durchaus wohl gefühlt“, konstatiert Markus Bauer im Telefoninterview. Doch kaum hatte der frisch gekürte neue Künstlerische Leiter des „Festlichen Sommers in der Wies“ im Herbst vergangenen Jahres seinen Chor, den Chor der Stadt Schongau, überhaupt erst einmal kennenlernen können, schon machte der erneute Lockdown seinen Plänen einen Strich durch die Rechnung. An reguläre Chorproben wie Aufführungen vor und für Publikum ist seit November nicht mehr zu denken. Die Durststrecke, die es noch zu bewältigen gilt, ist schwer einzuschätzen.

Für den jungen Chorleiter ist das aber alles andere als ein Grund, um den Kopf in den Sand zu stecken. „Wichtig ist vor allem, dass die Stimme durchgängig gepflegt wird. Geht das nicht in der gewohnten Chorprobe, dann muss man eben andere Wege einschlagen.“ Bauer, Jahrgang 1994, mit den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien aufgewachsen, hat sich ohne Zögern aufgemacht in den neuen Kosmos der „Online-Proben“. Statt in der Schongauer Musikschule findet sich also das Stadtchormitglied in Schongau unversehens in heimischen Gefilden einer dennoch virtuellen Welt wieder. „Fast geschlossen haben die Chormitglieder seit dem Lockdown das Angebot angenommen. Natürlich müssen die Übungsdateien differenziert und gut dosiert in Menge und Programm sein“ erläutert Bauer, da viele Kontrollmechanismen einer normalen Probe entfallen.

Chor würde gerne ein Oster-Konzert geben

Die Früchte dieses Experiments sind auf der Homepage des „Festlichen Sommers“ zu hören. Denn die einzelnen Chormitglieder haben in Heimarbeit jede Stimme separat aufgenommen, und Bauer hat in akribischem Puzzle einen ganzen Chorsatz damit zusammengefügt. So lädt der Chor der Stadt Schongau ein zum Zuhören und Mitsingen des beliebten Abend-Liebeslieds „Kimmt schö hoamli de Nacht“, das Mitte der 1950er Jahre von Volksmusik-Legende Wastl Fanderl geschrieben wurde.

Wenn Corona-technisch erlaubt, hat man auch schon Kooperationen geschlossen, um wieder vor Publikum aufzutreten. „In Zusammenarbeit mit der Musikschule möchten wir um Ostern herum ein Freiluft-Konzert anbieten“, sagt Bauer. Vor allem die Präsenz vor Ort, das Flagge zeigen in der Stadt, sei ihm wichtig, damit die Anreize für die Anerkennung kultureller Aktivitäten in der Bevölkerung nicht verloren gehen. „Ich glaube, dass die Menschen es jetzt wieder mehr wertschätzen werden, dass sie ins Konzert gehen können, wenn es die ersehnte Öffnung gibt.“

„Auf alle Fälle wollen wir Musik machen“

Noch ist der Vorverkauf für die Konzerte in der Wieskirche nicht angelaufen. Sicher ist, dass man auf kürzere Programme und kleinere Besetzungen bauen möchte, um mehr Planungssicherheit garantieren zu können. Beim Auftakt kann der Musikliebhaber seine Vorfreude auf ein reines Orchesterkonzert mit Meisterwerken von Mozart und Beethoven fokussieren. Für die beiden Chorkonzerte steht ein Spannungsbogen zwischen Magnificat-Vertonungen und einer sakralen Visite im hohen Norden Norwegens derzeit im Konzertkalender. „Auf alle Fälle wollen wir Musik machen. Wichtig ist, dass die Konzerte des Festlichen Sommers wieder stattfinden, selbst wenn wir gezwungen werden, unsere jetzigen Pläne noch einmal zu revidieren.“ Wenn man in die Musikhistorie schaue, erkenne man doch eines ganz deutlich, fügt Bauer an. „Der Auftrag der Kultur hieß immer, mit den Gegebenheiten zu arbeiten. Da war also immer Spontanität gefragt. Das sollten wir auch gerade jetzt beherzigen.“

Dass dafür aber auch Unterstützung von möglichst vielen Partnern dringend notwendig ist, möchte er nicht verhehlen. „Vielleicht wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, um hier eine gemeinsame und einende Aufbauarbeit zu leisten, damit auch mehr Breitenwirkung erzielt werden kann“, wirft Bauer ein. Sein großer Wunsch für die nahe Zukunft richtet sich nicht nur an Publikum und Sponsoren, von denen Geduld, Beharrlichkeit, aber auch Treue und Verlässlichkeit zu wünschen wäre, sondern vor allem an die Politik in den Landkreisen und Kommunen: „Vor Ort zu schauen, was los ist, wo Hilfe dringend erforderlich ist – manchmal reicht da auch eine kleine Finanzspritze, es müssen nicht immer gleich große Summen sein – das könnte unsere einzigartige Kulturlandschaft am Leben erhalten in der Krise. Damit wäre ein großartiges Zeichen gesetzt, ohne dass wir gleich dem Wort einer großen Kultur-Offensive die Feder führen.“

VON DOROTHE GSCHNAIDNER

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