Der Steingadener Waldkindergarten heißt seine Zöglinge willkommen. Darüber freuen sich Bürgermeister Max Bertl (M.), Erzieherin Bettina Neumeier (l.) und Kinderpflegerin Monika Dreher.
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Der Steingadener Waldkindergarten heißt seine Zöglinge willkommen. Darüber freuen sich Bürgermeister Max Bertl (M.), Erzieherin Bettina Neumeier (l.) und Kinderpflegerin Monika Dreher.

Offizielle Einweihung im Oktober

Langsamer Start für Steingadener Waldkindergarten

  • VonRafael Sala
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Startschuss für den Waldkindergarten in Steingaden: Die ersten Zöglinge haben ihre Spielstätte schon in Augenschein genommen. Die eigentliche Einweihung ist für Oktober geplant. Die Gemeinde atmet auf – hat aber ein drängendes Problem: Es gibt viel zu wenig Plätze.

Steingaden – Tipi-Zelt und Bauwagen stehen schon, die Kiesflächen wurden aufgeschüttet und sind eingeebnet, die Verkehrsschilder mit dem Hinweis „Kindergarten“ sind montiert, und Thomas und Franziska (beide vier Jahre) haben auch schon Einzug gehalten: Der Waldkindergarten in Steingaden nahe der Ortseinfahrt Litzau ist an den Start gegangen.

In den Baumkronen des hügelaufwärts gelegenen Walds bricht sich das Sonnenlicht, die Blätter an den stämmigen Buchen flimmern und rauschen, auf der gegenüberliegenden Seite des weiträumigen Areals ziehen sich die welligen Wiesen entlang. Toller Ort, tolle Atmosphäre, mit jeder Faser ist die Natur zu spüren. Wenn es stimmt, dass in Zeiten des Klimawandels die verregneten Sommermonate im September und Oktober nachgeholt werden, hätte der Zeitpunkt für die Eröffnung nicht besser gewählt sein können: Warme Temperaturen herrschten an diesem Tag. Kein Regen, Matsch und Tausende von Mücken, sondern Bilderbuchwetter. „Einfach wunderbar, besser kann es nicht laufen“, freut sich die Erzieherin Bettina Neumeier, die zusammen mit der Kinderpflegerin Monika Dreher die Einrichtung betreuen wird.

Geburtenrate steigt kontinuierlich an

Für die Gemeinde Steingaden war es ein lang herbei gesehntes Projekt, das unlängst infolge noch nicht abschließend geklärter Fragen zur Inbetriebnahme noch etwas hinausgezögert werden musste (wir berichteten). Auch Bürgermeister Max Bertl (CSU), der gerade das Indianerzelt inspiziert hat und kurz tüfteln musste, wie der Stoffeingang mit den vielen Laschen, Schlaufen und Schnüren am besten hochzustecken ist, atmet auf: „Ich bin froh, dass es endlich so weit ist.“

Endlich – das Wort kommt nicht von ungefähr, denn die 2900-Seelen-Gemeinde hat ein Problem: In den letzten Jahren stieg die Geburtenrate kontinuierlich – an sich eine erfreuliche Nachricht. Doch der Ort hat nicht annähernd Kapazitäten, alle Anmeldungen berücksichtigen und die Kinder unterbringen zu können. Der Bedarf übersteigt das Angebot bei Weitem – und es wird nicht besser, die Not eher gravierender werden. Deswegen sei die Spielstätte am Wald auch ein wenig „aus der Not heraus“ geboren worden, wie der Rathauschef anmerkt.

Konventionelle Kindergärten wird es trotzdem brauchen

Der Vorteil: Die baurechtlichen Auflagen dort sind längst nicht so hoch wie in Gebäuden, die Kinder können sich frei bewegen und jederzeit Unterschlupf im Bauwagen finden, der mit einer kleinen Kochzeile und Spielgeräten ausgestattet ist.

Steingaden werde aber nicht umhinkommen, konventionelle Kindergärten zu errichten und an entsprechenden Plänen in den Gemeinderatssitzungen hart zu arbeiten. Daran führe kein Weg vorbei, führt Bertl weiter aus: „Schon auf Grund der schieren Masse an Kindern nicht.“ Den Waldkindergarten betrachtet er – neben seinem besonderen pädagogischen Wert – als zusätzlichen Puffer und ein insgesamt „super Angebot“. In Zeiten zunehmenden Naturbewusstseins, das sich quer durch alle Bevölkerungsschichten zieht, komme Einrichtungen wie diesen hier eine herausragende Stellung zu.

„Aber wir brauchen eben auch konventionelle Kindergärten.“ Auch finanziell hat die Gemeinde nicht so tief in die Tasche greifen müssen wie beim Bau neuer Gebäude: Rund 106 000 Euro kostete das Projekt, nach Abzug der Fördergelder muss Steingaden sogar nur 50 000 Euro aufbringen. Das Gros der Kinder wird im Oktober eintreffen – im Rahmen eines Festes mit Vertretern der Gemeinde und der Kirchen. Dann werden nicht mehr nur zwei, sondern insgesamt 15 Zöglinge um den Bauwagen und das Tipi-Zelt herum wuseln, im Freien spielen und unter der fachkundigen Leitung von Neumeier und Dreher die umliegende Natur erkunden.

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