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Ein Genuss für die Zuhörer war zum Abschluss der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“ Mozarts C-Dur-Sinfonie Nr. 41. Am Pult Dirigent und künstlerischer Leiter Christoph Garbe.

Festlicher Sommer in der Wies

Mozarts feine Fingerspitzen hörbar

Mozarts C-Dur-Sinfonie Nr. 41 gehört zu den beliebtesten Stücken des Komponisten, macht den Zuhörer immer wieder aufs Neue glücklich. In die Hände von Dirigent Christoph Garbe gelegt, erklang sie in der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“ jetzt wie ein lichtdurchfluteter, warm strömender Fluss.

Wies/Schongau – Bei Garbe erhielt die Sinfonie im letzten Konzert der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“, gemeinsam musiziert mit den Mitgliedern der Neuen Süddeutschen Philharmonie, bestehend aus Orchestermusikern der großen Münchner Spitzenorchester, ein neues, maßgeschneidertes Gewand. Garbes deutliche Zeichengebung lässt sich stets gut abnehmen. Mit geschärften Sinnen achtet er auf die Balance im Raum, wenn er Akzente und Kontraste setzt zwischen vollmundig bouquetreichem Streicherklang und den fein perlenden Holzbläsern.

Ab und an wünscht man sich vielleicht etwas mehr Präsenz der Mittelstimmen, was aber ruhig als Nörgelei auf höchstem Niveau gewertet werden darf. Im singend schwingenden Tempo des Andante darf man sich als Zuhörer auch einmal einen gedanklichen Exkurs erlauben. Was löst diese so oft gespielte Musik in diesem Raum im Hörer aus?

Jenseits der unendlich oft diskutierten Frage, ob den Kunst und Musik nicht per se „absichtslos“, aus sich heraus erklärbar, ihre Existenzberechtigung besitzen, gestaltet Garbe in seiner Interpretation eine Trostmusik, die den Hörer warm einhüllt und stützt. Auch im erdverbundenen, bodenständigen Menuetto schwingt das Pendel sanft, voller Zuversicht, die im Finale dann richtig an Fahrt gewinnt. So scheint es bei dieser letzten Sinfonie des großen Wiener Klassikers in der Wies, als ob man an diesem Abend Mozarts feine Fingerspitzen hören könnte.

Überraschend bruchlos fügt sich die Missa simplex des lettischen Komponisten Rihards Dubra an. Der Chor der Stadt Schongau, unterstützt durch Sänger der Berufsfachschule für Musik Krumbach, an der Garbe lehrt, zeigt im unbegleiteten a-cappella-Gesang ein ganz feines Format. So klingt das „Kyrie eleison“, das sich durch die einzelnen Stimmgruppen webt, sich immer mehr vernetzt, wie eine Botschaft von einem großen, überragenden Wunder.

Dieser Kyrios, der in der Wies seinen Klangraum findet, wird zum Herrn des Staunens und Erstaunens. Die jungen Stimmen aus Krumbach verleihen dem für sein warmes, geschlossenes Klangbild bekannten Chorensemble zusätzliche Frische. Was nicht nur Dubras „Benedictus“ filigrane Leichtigkeit beschert, sondern auch für die Litaniae Lauretanae Mozarts stimmig klingt. Diese eher selten zu hörende Marienlitanei verteilt ihre Anforderungen auf Chor und Solisten etwas unparitätisch, steckt voller Experimentierfreude, gleichzeitig auch voller Innigkeit Mozarts. Die Anrufung der Gottesmutter im wechselseitigen Dialog zwischen Chor und Soli zeigt eine unglaubliche Kunstfertigkeit der Stimmführung.

Auf den kleinsten Fingerzeig Garbes hin reagiert der Chor blitzschnell. Ideal auch hier ist der leichte Ansatz des Soprans in hohen Lagen. Das Solistenquartett, vornehmlich mit Spezialisten für die historisch informierte Aufführungspraxis besetzt, bietet vor allem mit Altus Kevin Prinz eine interessante Farbe. Zart gerät sein „Ora pro nobis“ mit der Sopranistin Stephanie Krug vor allem in den leisen Passagen. Unergründlich und auch etwas befremdlich für den Zuhörer bleibt hingegen sein oftmals an den Tag gelegtes seliges Lächeln.

Garbe gestattet seinen Solisten viel Freiheit. Für den mit großen Sprüngen gespickten Solosopran zeigt sich Krugs Ambitus nicht durchgängig ideal, wenn gleich ihr immer wieder anrührende Momente gelingen. Als sich am Ende der Chor mit einem verglühenden „Agnus Dei“ verneigt, das wie komponiert in den Glockenklang der Wies hinübergleitet, ist es ganz still in der Wies. Ein großer Moment für Akteure und Zuhörer. Mozart hätte es nicht besser komponieren können.

Dorothe Fleege

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