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Die Solisten und Mitwirkende des Konzerts: Vorne von links Matthew Grills (Tenor), Joshua Owen Mills (Tenor), Ivan Tsarkov (Bass) und Paula Iancic (Sopran).

Musik im Pfaffenwinkel

Italien zu Gast in der Wieskirche

Kaum etwas passt so gut zu einem azurblauen wonnigen Sommerabend wie Mendelssohns Italienische 4. Sinfonie. Beim diesjährig letzten Konzert der Reihe Musik im Pfaffenwinkel in der Wieskirche funkelten Sonnenlicht und Orchesterklang der Mitglieder des Bayerischen Staatsorchesters im Wies-Juwel geradezu um die Wette.

Wies – Der Künstlerischer Leiter der Reihe Musik im Pfaffenwinkel, Christian Fröhlich, wartet das Ende des Begrüßungsapplauses nicht ab, sondern wirft sich sofort mit Vehemenz in die Partitur. Nicht immer ganz homogen begegnen sich Violinen und Bratschen zu Beginn. Eher zackig denn duftig greift er aufs berühmte Hauptthema des Kopfsatzes zu, das rasante Tempo wirkt bisweilen übernervös. Fröhlich agiert geradezu entfesselt am Pult.

Ganz anders, im Gestus komplett zurück genommen, gestattet sich Fröhlich im Andante auf dem Fundament der tiefen, delikat klingenden Streicher, in Holz und Violinen feine Linien auszumusizieren. Weich und nobel die Hörner im „con moto“. Beim Saltarello wartet man nur noch darauf, dass sich auch die Putten in der Wies tanzend und lächelnd im Orchesterreigen mit drehen.

Italien bleibt man auch im zweiten Konzertteil treu, hat die lange nicht aufgeführte, 1981 von Joseph Kraus zur deutschen Erstaufführung gebrachte achtteilige „Messa di Gloria“ von Gioachino Rossini vorbereitet. Wer koloraturgespickte Italianitá in Reinkultur, ganz dem Zeitgeist und der grenzenlosen Euphorie der damaligen Opernliebhaber huldigend, erwartet, der ist jetzt am richtigen Fleck.

Nur wenige Momente, vornehmlich in den zahlenmäßig raren, dafür wuchtigen Chorauftritten des Gemischten Chores im Pfaffenwinkel, erinnern daran, dass hier ein Messtext gesungen wird. Ansonsten fokussiert sich das Zuhörerohr neben den Orchestervor- und Zwischenspielen sowie virtuos-brillanten Holzbläsersoli vor allem auf die jeweiligen Solisten, allen voran Sopran und erster Tenor.

Ungewöhnlich in der Besetzung erklingen nach dem ersten Chor-Kyrie zwei Tenöre, Matthew Grills und Joshua Owen Mills, die vor allem im Pianobereich das „Christe eleison“ mit viel Herzschmerz interpretieren, bevor sich der riesige Gemischte Chor gewaltig aufbäumt. Fanfarenklänge, Soldateska-Rhythmen, dann pizzt es in den Streicher, die Muster der Begleitung werden im Verlauf des Abends ähnlich bleiben, bisweilen eher eindimensional wirken.

Dafür werden die jungen Solisten aus dem Opernstudio der Bayerischen Staatsoper bis an den Grenzbereich gefordert. Dass die aus Rumänien stammende Paula Iancic ihren anspruchsvollen Part hervorragend bewältigen wird, zeigt sie bereits im „Laudamus te“. Sicher, sauber, mit feiner Stimmkultur laufen die gerne tückischen Koloraturen, leuchtet die Höhe mit großen Spitzentönen, die immer weich und rund bleiben.

Ein Bravo gilt Matthew Grills, inzwischen vom Opernstudio ins Solistenensemble des Münchner Nationaltheaters übernommen, fürs Durchhalten. Immer wieder ist er gefordert. Sein kräftiger Tenor neigt in exponierter Höhenlage dazu, etwas eng zu werden, nicht alle Farben der Mittellage transportieren zu können. Aber er ist ein sicherer Garant für diese tenorale Tour de force, schwingt sich am Ende beim „Misere nobis“ noch bis zum Gipfel.

Junge Bässe mit echter, schwarzer Tiefe sind eher Mangelware. Auf die Entwicklung des Ukrainers Igor Tsarkov darf man also gespannt sein. Mit seinem stimmlichen Material verfügt er über gute Voraussetzungen, fischt weit unten in den tiefen Lagen, während die Soloklarinette filigran jubelnd darüber flattert. Endlich darf auch der Chor im „Cum Sancto Spirito“ wieder auftrumpfen, sich mit der mächtigen Fuge verabschieden. Lautstarker Jubel im Publikum zeigt, dass die Zahl der Rossini-liebenden Opern-Ohrwurm-Fans stattlich ist. Draußen strahlt der Himmel immer noch azurblau.

Dorothe Fleege

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