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Das junge Solistenquartett bildet ein wohltönendes Pendant zum Chor.

Musik im Pfaffenwinkel

Stattliche Männer und begabter Nachwuchs

Erneut ausverkauft war das Konzert II der Reihe Musik im Pfaffenwinkel in der Wieskirche. Auf dem Programm Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn.

Wies Die Mitglieder der Münchner Philharmoniker gehen in der Wieskirche bei Musik im Pfaffenwinkel frisch ans Werk. Wenn man bedenkt, welcher Komponist im zarten Alter von acht Jahren zur Feder griff, klingt das Allegro molto der ersten Sinfonie KV 16 umso aparter. Energische Akzente und ein flottes Tempo lassen aufhorchen, auch wenn die thematische Arbeit und Struktur natürlich noch einfach gestaltet ist. Erste Andeutungen auf Mozarts poetisches musikalisches Sprachtalent sind nicht zu leugnen. Das finale Presto schlängelt sich eher wie ein Bauernmenuett, endet etwas überraschend, aber gut gelaunt. Im September 1778, die Rückreise von Paris nach Salzburg stand bevor und die dunkle Wolke der heimatlichen Hofmusik schwebte bereits wieder über Mozart, zog er einen energischen Schluss-Strich unter seine Karriere als Violinvirtuose. Vor allem sein beliebtes A-Dur Violinkonzert gilt als vitaler Beweis seiner überragenden Kunstfertigkeit an diesem Instrument.

Der Brite Julian Shevlin als Solist gestaltete die drei Sätze ganz schlank, hell und transparent, ideal mit den Pastelltönen der Wies korrespondierend, spannungsreich in den Kadenzen. Dass er sich bereits seit Jahren als 1. Konzertmeister der Münchner Philharmoniker auch in der Wies immer wieder mit enormer Präsenz und sensibel sicherer Führung gezeigt hat, gehört zu seinen Qualitätsmerkmalen. Aber auch als Solist lässt er aufhorchen und überzeugt mit seinem klar singenden Ton, technischer Raffinesse, im Finalsatz mit liebenswürdiger Verneigung, während Dirigent Christian Fröhlich behände auf den Zehenspitzen tanzt.

Nach viel Applaus und Bravi für Shevlin füllt der Gemischte Chor im Pfaffenwinkel in einer stattlichen Anzahl den Altarraum. Erstaunlich, wieviel Männerstimmen sich jetzt zeigen. Beklagt beinahe fast jedes Vokalensemble den „Männernotstand“ bei Tenor und Bass, steigt man hier in die Vollen. Dem entsprechend voluminös und wuchtig entwickelt sich auch der Chorklang in der Wies. Was dem subtil gestalteten Ausformen des ersten Amens im Gloria, den feinen Verflechtungen des Miserere aber keinesfalls zum Hemmschuh wird. Der Künstlerische Leiter Christian Fröhlich gestaltet das herrliche Chorwerk mit einem untrüglichen Gespür für Chordramatik. Wie eine große Welle fegt das Amen nach dem Miserere durchs Kirchenschiff. Auch wenn es leichte Abstimmungsschwankungen in der g Chorfuge des Credo gibt, nichts kann die Entschlossenheit des Chores erschüttern.

Das junge Solistenquartett bildet hier ein ebenso wohltönendes, gut balanciertes Pendant. Besonders freuen kann man sich über die italienische Sopranistin Selene Zanetti. Ganz kultiviert, die große Stimme stets gut geführt, mühelos in der Höhe und wie eine Kristallkugel schwebend färbt sie den Quartettgesang. Der warme, in der Tiefe gut durchkommende Alt von Marie-Luise Dressen bildet eine feine Harmonie dazu. Sich dem Quartett weniger kammermusikalisch einfügend, sondern eher solistisch agierend, trägt der Tenor von Thaisen Rusch vor allem im unforcierten Mezzobereich mit Geschmeidigkeit. Auch der Bassistennachwuchs ist mit Daniel Pannermayr bestens vertreten. Ein bisschen würdiger im Weltkulturerbe Wies wäre es allerdings, großen geistlichen Werken nicht mit offenem Hemdkragen in allzu legerer Kleidung zu begegnen. Auch dabei hatten die hübschen Damensoli die Nase vorn. Lang anhaltender Jubel im Publikum.

Dorothe Fleege

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