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Eine schöne Erinnerung sind die Urlaubsbilder vom vergangenenen Jahr für Hans Stürzer. Der 73-Jährige fuhr mit seiner Familie an der Ostsee entlang. Die Mahnung zum Strafzettel aus dem Urlaub will der Rentner nicht auf sich sitzen lassen.

Knöllchen über 25 Euro

Seit einem Jahr: Rentner streitet um Strafzettel

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Steingaden - Hans Stürzer hat einen schönen Urlaub an der Ostsee verbracht. Doch dann wartete die böse Überraschung im Briefkasten wegen Falschparkens. Ein Jahr später hat er noch immer Ärger deswegen – mit dem Gerichtsvollzieher.

Eigentlich will Hans Stürzer nur seine Ruhe haben. Der 73-Jährige aus Steingaden (Kreis Weilheim-Schongau) möchte verreisen, die Welt sehen und den wohlverdienten Ruhestand genießen. Doch seit einem Jahr gibt es etwas, das ihn richtig ärgert: Er streitet mit der Hansestadt Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) um 25 Euro. Doch Stralsund will bis zum Äußersten gehen. „Ich bin jetzt 73 Jahre alt, wenn man glaubt, mich verhaften zu müssen, dann bitte, wenn die Justiz nichts anderes zu tun hat“, hat er nun dem zuständigen Gerichtsvollzieher geschrieben.

Im Juni vergangenen Jahres fährt Stürzer mit seiner Lebensgefährtin und der Enkelin die Ostsee entlang – von Stettin bis Lübeck und nach Hamburg. „Es war ein schöner Urlaub“, sagt der Rentner. An einem Tag schauen sich die Urlauber das Ozeaneum in der Stralsund an, Stürzer stellt den Wohnwagen auf einem Parkplatz ab. „Er war für Pkw und ich habe nicht gesehen, dass Wohnmobile dort verboten sind“, sagt Stürzer.

Strafzettel wartet im Briefkasten

Von dem Verbot erfährt der 73-Jährige erst vier Wochen später bei seiner Rückkehr. Stralsund hatte den Bußgeldbescheid zu ihm nach Hause in Steingaden geschickt. Inzwischen war auch schon eine Mahnung angekommen. „Ich habe das Bußgeld über zehn Euro umgehend überwiesen.“ Die 25 Euro Mahngebühr bezahlt er aber nicht. „Das habe ich nicht eingesehen“, sagt Stürzer.

Stattdessen schreibt der Rentner an die Hansestadt und entschuldigt sich, dass er die Rechnung erst nach seinem Urlaub bekommen hat.

Doch gegen die Stadt an der Ostsee hat Stürzer keine Chance: Vergangene Woche bekommt Stürzer Post vom Gerichtsvollzieher. Dieser verlangt im Namen der Hansestadt 114,97 Euro – zu den 25 Euro sind weitere Gebühren gekommen. Der Gerichtsvollzieher hatte ihn im vergangenen Jahr besucht, aber nicht angetroffen. „Wir waren vier Monate in Australien“, erzählt der 73-Jährige. Nun greift das Amtsgericht zu drastischeren Maßnahmen: Stürzer hat zwei Wochen Zeit, um den Betrag zu überweisen. Macht er das nicht, soll er seine Finanzen offenlegen. Ansonsten wird ein Haftbefehl erlassen, steht in dem Schreiben.

Stürzer geht es ums Prinzip

Als Stürzer das gelesen hat, konnte er es gar nicht so recht glauben. „Die ziehen das wirklich durch.“ Der Rentner ist sicher, jeder Unternehmer würde fünf Tage nach der Mahnung mit sich reden lassen – schließlich war er schlicht nicht zu Hause. Der Gerichtsvollzieher wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht zu dem Fall äußern. „Die 100 Euro tun mir nicht weh, es geht mir ums Prinzip“, sagt Stürzer.

Vor seiner Rente hat der 73-Jährige in einem Medienkonzern gearbeitet und ist jedes Jahr 60 000 Kilometer gefahren. So einen Ärger mit einem Strafzettel hatte er trotzdem noch nie. Inzwischen hat sich Stürzer von seinem Anwalt beraten lassen: „Gegen den Staat kommen Sie nicht an“, meint der Anwalt. Also wird Stürzer die Gebühr nun zähneknirschend bezahlen. „Ich komme mir vor, wie jemand von der Mafia, der eine Million Euro unterschlagen hat“, ärgert sich Stürzer.

Die Freude am Reisen will sich der Steingadener aber nicht verderben lassen. Heuer geht es mit seiner Lebensgefährtin nach Afrika. Und während er weg ist, wird er niemanden beauftragen, seine Rechnungen zu bezahlen. Doch wenn er zurück ist, wird er künftig direkt Mahnungen begleichen. „Einfach, um meine Ruhe zu haben.“

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